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Wieder muss ein Bäcker schließen

Ein Dresdner Traditionsunternehmen trennt sich von einer Filiale. Die Konkurrenz sitzt gleich nebenan. 

Das Sterben der kleinen Bäckereien: Nun schließt die Filiale der Bäckerei Lehmann in der Grünen Straße.
Das Sterben der kleinen Bäckereien: Nun schließt die Filiale der Bäckerei Lehmann in der Grünen Straße. © René Meinig

Bäcker in Not. Ab sofort ist der Laden der Bäckerei Lehmann auf der Grünen Straße in der Wilsdruffer Vorstadt zu. Der Grund: die zunehmende Konkurrenz. Das bestätigt Bäckermeister Jürgen Lehmann. 

„Gleich vorne an der Ecke eröffnete Schwerdtner ein neues Geschäft und ein Rewe mit einem Backshop ist auch gleich nebenan“, sagt er. Das sei einfach zu viel gewesen. Die Zahl der Kunden sei auf der Grünen Straße weniger geworden. Die anderen Filialen der Bäckerei Lehmann auf der Leipziger Straße, der Bunsen- und der Bürgerstraße blieben jedoch offen. Kein Mitarbeiter müsse entlassen werden, sie würden in den weiteren Läden arbeiten, so Lehmann.

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Genau diese Billig-Konkurrenz von Supermärkten, die mittlerweile fast alle selbst frisch gebackenes Brot und Brötchen anbieten, war einer der Gründe, weshalb die Bäckereikette Eisold Ende April Insolvenz anmelden musste. Man habe Umsatzeinbrüche und einen großen Konkurrenzdruck in einzelnen Filialen gespürt, hieß es damals. Das Geschäft an der Wallstraße muss geschlossen werden. Alle Mitarbeiter werden laut Insolvenzverwalter an anderen Standorten weiterbeschäftigt.

Ein weiterer Grund für das Bäckerei-Sterben ist die gesundheitliche Belastung in diesem Handwerk: Dauerhaftes Stehen und hohe Temperaturen in der Backstube sind nur zwei Beispiele. Die Angst, dass er zusammenbricht und niemand davon Notiz nimmt, beschäftigte Bäckermeister Marcel Kudritzky. Er schloss vor Kurzem seine 2013 eröffnete Bäckerei in Löbtau. Mit 33 Jahren ist der Bäckermeister am Ende seiner Kräfte. Fünf Jahre habe er durchgehalten, leidenschaftlich gebacken und sich dabei aufgegeben, sagte er. Mit dieser Erfahrung ist er nicht allein.

Schon Bäckermeister Marcel Kudritzky musste seine Filiale in Löbtau schließen.
Schon Bäckermeister Marcel Kudritzky musste seine Filiale in Löbtau schließen. © Sven Ellger

Erst Anfang Februar hatte auch der Neustädter Traditionsbäcker Rißmann zugemacht. Inhaber Holger Thielemann hatte das Geschäft an einen Kollegen übergeben. Auch ein Handwerksbetrieb, der jedoch künftig keine eigene Backstube mehr auf der Königsbrücker Straße betreibt. Thielemann begründete das Aus ebenfalls mit der Gesundheit. Auch er war zuletzt sieben Tage die Woche allein in der Backstube. Ein Pensum, das nicht lange leistbar ist.

Ein weiteres Problem in der Bäckerbranche ist der Personalmangel. Die aktuellen Azubi-Zahlen sind alarmierend. Derzeit gibt es im gesamten Bezirk Dresden nur 37 neue Lehrverträge bei den Bäckern sowie 28 bei den Fachverkäufern im Lebensmittelhandwerk, so Daniel Bagehorn, Sprecher der Handwerkskammer. Zum Vergleich: 2018 gab es 49 Bäcker-Lehrlinge und 82 Verkäufer. Noch gravierender wird der Mangel, wenn man die aktuellen Zahlen mit denen von vor zehn Jahren vergleicht. 2010 lernten noch rund 60 junge Menschen den Beruf des Fachverkäufers, und 1999 interessierten sich noch 686 Frauen und Männer für den Beruf des Bäckers.

Wie viele offene Lehrstellen es derzeit in der Bäckerbranche gibt, kann Bagehorn nicht sagen. „Da die Handwerksbetriebe nicht verpflichtet sind, uns ihre offenen Lehrstellen zu melden, führen wir keine Statistiken.“ Ein Angebot, das die Handwerkskammer Dresden allen Betrieben anbietet, ist die Online-Lehrstellenbörse. Darauf können die Betriebe kostenlos ihre Ausbildungsangebote einstellen. Derzeit sind dort für den Kammerbezirk Dresden sechs Bäcker-Lehrstellen sowie 34 Lehrstellen für den Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk gelistet.

Eine Folge des Personalmangels in Dresden ist unter anderem, dass Bäckermeister Matthias Graf seine Filiale auf der Alaunstraße am Sonntag nicht mehr öffnen kann. Er musste sich zu diesem Schritt entschließen, weil er keine Leute mehr fand, die an diesem Tag arbeiten wollten. Der Stellenwert der Freizeit sei bei den Mitarbeitern inzwischen so hoch, dass selbst Zuschläge nicht mehr locken könnten, am Wochenende zu arbeiten, so Graf.

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Neben den Arbeitszeiten in der Nacht und in den frühen Morgenstunden sowie der Gesundheit wird oft die Bezahlung als Ursache für die schwierige Nachwuchssuche genannt. Ein Bäckerei-Fachverkäufer-Azubi bekommt im ersten Ausbildungsjahr 565 Euro brutto monatlich, im letzten Jahr dann 800 Euro brutto. Zum Vergleich: Ein Fliesenleger-Lehrling erhält etwa 675 Euro im ersten Lehrjahr und ein Banklehrling sogar rund 950 Euro.

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