merken
PLUS Dresden

Dresdner Wirte: Wer nicht kommt, muss zahlen

Weil immer öfter Gäste trotz Reservierung nicht erscheinen, führen mehrere Gastronomen in Dresden nun Gebühren ein.

Koch Daniel Fischer vom Restaurant Daniel.
Foto: Sven Ellger
Koch Daniel Fischer vom Restaurant Daniel. Foto: Sven Ellger © Sven Ellger

Dresden. Viele Wochen hatten die Dresdner Gastronomen null Umsatz. Die Lokale waren zu, irgendwann verkauften dann viele ihre Speisen außer Haus. Seit Mai dürfen sie wieder Gäste bewirten. Doch damit taucht ein altbekanntes Problem wieder auf: Kunden reservieren Tische und kommen einfach nicht. Ohne Absage. Die Wirte sprechen dabei von "No Show", also Nichterscheinen.

Im Striesener "Restaurant Daniel" von Daniel Fischer kommt es im Schnitt einmal pro Woche vor, dass die Gäste trotz Reservierung nicht erscheinen. Im Durchschnitt büßt er pro Person 50 bis 60 Euro Umsatz ein. "Ich rede es mir dann immer schön und denke, wer nicht den Anstand hat, um abzusagen, hätte eh nur Probleme gemacht", erzählt er. Fischer hat eine Gebühr für die Säumigen eingeführt. "In unseren Geschäftsbedingungen ist eine No Show-Gebühr von 40 Euro verankert." Er fordere diese jedoch nur bei großen Tischen ein oder wenn Gruppen oder Tagungen spontan mit deutlich weniger Gästen erscheinen.

Anzeige
Biathlon-Weihnachtsfeier - jetzt buchen!
Biathlon-Weihnachtsfeier - jetzt buchen!

Kondition, Koordination und Konzentration: die unvergessliche Weihnachtsfeier mit der Sie und Ihre Kollegen ins Schwarze treffen.

50 Euro Gebühr, für die, die nicht absagen

"Leider macht auch die Zeit nach Corona vor No Show-Tischen nicht halt", berichtet Nicole Blonkowski vom "Genuss-Atelier" am Waldschlößchen. Das mache ihr sehr zu schaffen. Denn seit der Wiedereröffnung Mitte Mai kann die Gastronomin wegen der Abstandsregelung nicht 100 Prozent ihrer Kapazität ausschöpfen. Die Anfragen seien dennoch da, sodass sie noch häufiger Reservierungen ablehnen und mit Warteliste arbeiten müsse. "Wir rufen die Kunden, vor allem an Tagen mit hoher Auslastung, noch einmal an, um uns die Reservierung und die Personenzahl bestätigen zu lassen", sagt sie. Erreiche sie die Kunden nicht und die Gäste melden sich nicht bis 16 Uhr zurück, gebe sie den Tisch an wartende Gäste weiter.

Auch das Genuss-Atelier hat Gebühren eingeführt. "Wenn die Gäste zugesagt haben und nicht im  Restaurant erscheinen, stellen wir den Ausfall mit 50 Euro No-Show-Gebühr pro Kopf in Rechnung." Blonkowskis Wunsch: "Bitte sagt Reservierung telefonisch ab."

"Ja, das ist ein Riesenproblem in der Gastronomie", sagt Ute Stöhr vom Restaurant "Zum Schießhaus". Sie bekomme mit, dass Touristen in mehreren Gaststätten zur gleichen Zeit reservieren - um dann am Abend zu entscheiden, welches Restaurant sie tatsächlich besuchen.

"Wir weisen unsere Gäste bei Reservierungen immer darauf hin, dass sie bitte rechtzeitig Bescheid sagen sollen, wenn sich die Personenzahl drastisch reduziert oder wenn sie nicht kommen wollen", so Stöhr. Dennoch halte sie die Tische für Reservierungen 30 bis 45 Minuten frei, und das in Zeiten, in denen wegen der Corona-Abstandsregeln eigentlich jeder Platz gebraucht wird. Sie berichtet von 50 Personen, die schon ein halbes Jahr vorher reserviert hatten und dann mit nur zwölf Personen aufgetaucht sind. "Die Gäste denken natürlich nicht über Wareneinkauf und Personalplanung in einem Restaurant nach", sagt Stöhr. "Aber bei großen geplanten Veranstaltungen, in denen man mit 50 Personen oder mehr rechnet, denke ich, dass man wenigstens mal einen Tag vorher Bescheid sagen kann", findet die Wirtin.

Viele Gäste sind sich der Kosten nicht bewusst

Stefanie Heckel vom Gaststättenverband Dehoga kennt das Problem. "No-Shows, also Nichterscheinen trotz Reservierung, oder sehr kurzfristige Absagen haben laut unseren Betrieben in der Tat zugenommen." Oft seien sich die Gäste, die ohne Absage einen reservierten Tisch nicht in Anspruch nehmen, nicht bewusst, mit welchem finanziellen und organisatorischen Aufwand die Planung eines Restaurants verbunden ist. Insbesondere für Restaurants mit einer kleineren Anzahl von Tischen, mit langen Reservierungszeiten und fehlender Laufkundschaft seien leere Tische besonders ärgerlich. Es sei oft nicht möglich, den frei gewordenen Tisch spontan an andere Gäste zu vergeben. "In diesen Fällen bleiben die Unternehmer auf den Kosten für den Personaleinsatz und die eingekauften Lebensmittel sitzen. Dem betroffenen gastronomischen Betrieb können dadurch teils erhebliche Umsatzausfälle entstehen", so Heckel.

Weiterführende Artikel

Händler: "Ohne dich macht Dresden dicht"

Händler: "Ohne dich macht Dresden dicht"

Händler und Gastronomen appellieren ab Dienstag mit Plakaten, in der Stadt zu essen und zu shoppen. Es geht um viele Existenzen.

Hygiene-Museum: Öffnen, während andere schließen

Hygiene-Museum: Öffnen, während andere schließen

Im Deutschen Hygiene Museum Dresden gibt es ein neues Restaurant. Wie das Team der Museumsküche den Neubeginn während der Corona-Krise meistert.

Gastronomie: Kommt die Pleitewelle?

Gastronomie: Kommt die Pleitewelle?

Einige Dresdner Restaurants sind noch geschlossen, ein Hotel bleibt ganz zu. Wie es dort weitergeht und was die Branche fordert.

Mit Blick auf den weiter steigenden Kostendruck würden sich die Betriebe vermehrt gezwungen sehen, zu reagieren. "Einige Gastronomen bitten um eine Anzahlung, um die Kreditkartendaten oder haben eben Stornogebühren eingeführt", so Heckel. Der Unternehmer müsse den Gast jedoch bei der Reservierung darüber aufklären, welche Konsequenzen im Falle des Nichterscheinens drohen.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden