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Wie gefährlich ist die Nähe zum Wolf?

Ein Rudel mit Welpen hat sich in der Dresdner Heide angesiedelt. Wie gefährlich die Tiere sind, was Hundebesitzer wissen müssen und wie die Dresdner reagieren.

Ein Wolfsrudel hat sich in der Dresdner Heide angesiedelt. Was bedeutet das für Anwohner, Ausflügler und Wildtiere im Wald?
Ein Wolfsrudel hat sich in der Dresdner Heide angesiedelt. Was bedeutet das für Anwohner, Ausflügler und Wildtiere im Wald? © dpa

Bislang gab es nur einzelne Hinweise, jetzt hat sich ein gesamtes Rudel mit Welpen in der Dresdner Heide angesiedelt. Das bestätigte die Fachstelle Wolf auf Sächsische.de-Anfrage. Gelungen sei der Beweis mit einer Kamera, die den Wald aufzeichnete, so Referentin Vanessa Ludwig von der Fachstelle. Die Aufnahmen zeigen vier Wolfswelpen. Weitere Informationen zu dem Rudel und zu den Elterntieren, wie deren Herkunft, liegen noch nicht vor. 

Sächsische.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Wolf in Dresden:

Wo wurden wie viele Wölfe gesehen?

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Für 2019 gibt es aus Dresden bisher 47 Hinweise zu Wölfen. Viele davon aus Weixdorf. Das bestätigte Karin Bernhardt aus dem Landesamt für Umwelt und Landwirtschaft. In sieben Fällen konnte der Wolf durch Fotobelege beziehungsweise durch einen Totfund bestätigt werden. Ronny Schubert vom Sachsenforst spricht von 13 bestätigten Meldungen und acht bestätigten Wolf-Sichtungen.

Die Fachstelle Wolf weiß von 18 Wolfsrudeln und vier territorialen Wolfspaaren in ganz Sachsen.

Wie reagieren die Dresdner auf das Wolfsrudel in der Heide?

Dirk Wernelskirch aus dem Waldkindergarten hat von der Ansiedlung in der Sächsischen Zeitung gelesen, aber dennoch bleiben er und die anderen Erzieher ruhig: Von Eltern kämen keine Anfragen zum Thema, auch mit dem Förster stehe man in engem Kontakt. „Solange er uns nicht zur Vorsicht rät, machen wir uns keine Sorgen.“ Die Gruppe sei auf Spaziergängen ohnehin so laut, dass ein Wolf wohl Abstand halten würde – und für den Kindergarten selbst, der unmittelbar an der Bautzner Straße liegt, gelte dasselbe. Zu solchem Krach halte der Wolf seines Wissens nach Abstand.

Kann der Wolf dem Menschen gefährlich werden?

Der Wolf ist ein Wildtier und damit nicht berechenbar. Allerdings seien die Tiere sehr scheu und würden Abstand zum Menschen halten, so Marie Neuwald, Wolfsexpertin des Naturschutzverbandes Nabu. „Wenn die Dresdner einem Tier begegnen, sollten sie ruhig bleiben und niemals wegrennen oder sich auf den Boden legen, das würde wie bei jedem Wildtiere seinen Jagdinstinkt anstacheln“, so Neuwald. Die gleichen Regeln würden für Wildschweine gelten. Weder Neuwald noch die Dresdner Tierärztin Tanja Schewe wissen von Fällen, bei denen ein Wolf einen Menschen mit einer Krankheit angesteckt hätte. Tollwut sei bei Wölfen kein Thema.

Wie gefährlich sind Wölfe für Schafe und Rinder?

Aus dem Areal rund um Dresden sind Angriffe auf Schafe bekannt, die mit hoher Sicherheit von Wölfen ausgingen, so das Landesamt. Im Juli fand ein Landwirt im Hochland eines seiner Schafe tot, Jäger vermuteten, dass es einem Wolf zum Opfer fiel. Es wies Bissspuren auf. Zwischenfälle mit Hunden habe es hier noch nicht gegeben.

Schäfer Steffen Vogel steht derzeit mit seinen Tieren noch an der Elbe. Ab Mitte November wird er mit seinen rund 600 Schafen ins Winterquartier gen Weixdorf ziehen – in unmittelbarer Nähe zur Heide. Mit einem mulmigen Gefühl schaut Vogel voraus: Gerade wenn seine Tiere Richtung Marsdorf oder Langebrück weiden, sei es „nicht ohne“, wie er sagt. „Ich habe auch selbst schon einen Wolf gesehen, natürlich beschäftigt einen das.“ Passiert sei bisher aber noch nichts. Vogel schützt sich mit Weidezäunen, „und wenn die Tiere im Stall stehen, sind sie ja ohnehin außer Gefahr.“

Doch Nabu-Expertin Neuwald kann den Schäfer etwas beruhigen. „Unseren Studien nach machen Nutztiere wie Schafe und Rinder nur ein bis zwei Prozent der Nahrung von Wölfen aus“, sagt sie. Am häufigsten würden sich die Wölfe von Rehen und Wildschweinen ernähren.

Was müssen Hundebesitzer beim Umgang mit Wölfen wissen?

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Marie Neuwald vom Nabu rät Hundebesitzern, ihren Hund in der Heide anzuleinen. „Auch wenn der Vierbeiner auf's Wort hört, sollte man ihn nie aus den Augen lassen“, sagt sie. Denn wenn ein Hund eine Fährte des Wolfes aufnehmen würde und diesem zu nahe käme, würde der Wolf sein Revier verteidigen. Tierärztin Schewe gibt aber Entwarnung beim Wolf als Krankheitsüberträger auf Hunde.

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