merken
PLUS Dresden

Zwinger-Filmkuppel hängt am Kran

Die Jubiläumspräsentation im Dresdner Zwinger ist beendet. Deren Abtransport wird am Freitag noch mal zum besonderen Hingucker.

Am Freitagmorgen hat der Abbau der Filmkuppel im Zwingerhof begonnen. Sie hängt am Arm eines mobilen Schwerlastkrans.
Am Freitagmorgen hat der Abbau der Filmkuppel im Zwingerhof begonnen. Sie hängt am Arm eines mobilen Schwerlastkrans. © René Meinig

Dresden. Ein besonderer Anblick ist am Freitagmorgen im Dresdner Zwingerhof zu sehen. Seit einem Jahr  steht dort die Filmkuppel, die Schlösserland Sachsen errichtet hatte. Jetzt wird sie abgebaut. Seit Juni 2019 hatten mehr als 160.000 Besucher in dem Zelt die besondere Projektion „Zwinger Xperience – die Jahrhunderthochzeit 1719“ gesehen. 300 Jahre zuvor war das weltberühmte Bauwerk anlässlich der Hochzeit des Kurprinzen Friedrich August übergeben worden. 

Angerollt ist ein Schwerlastkran, der die Filmkuppel anhebt. Erst entfernen die Monteure die weiße Hülle. Dann bauen sie Stück für Stück die Metallkonstruktion ab, die am Kranarm hängt. Die Stangen werden sofort in Paletten gestapelt, die sich schnell füllen. Bereits mittags ist nichts mehr von der Konstruktion zu sehen, die ein Jahr lang das Bild im Zwingerhof bestimmte.

Anzeige
Palais Sommer wird immer beliebter!
Palais Sommer wird immer beliebter!

Am kommenden Freitag startet Dresdens beliebtes eintrittsfreies Festival für Kunst, Kultur und Bildung bereits in sein viertes Wochenende.

Gegen 10.30 Uhr bietet sich dieses Bild. Ein Teil der Konstruktion ist schon abgebaut. Kurze Zeit später ist sie ganz verschwunden.
Gegen 10.30 Uhr bietet sich dieses Bild. Ein Teil der Konstruktion ist schon abgebaut. Kurze Zeit später ist sie ganz verschwunden. © René Meinig

Der Dresdner Zwinger ist das bekannteste und mit bis zu fünf Millionen Gästen meistbesuchte Bauwerk Sachsens. Kurfürst August der Starke hatte ihn errichten lassen, um mit dem französischen Schloss Versailles und der Wiener Hofburg konkurrieren zu können. Die Filmkuppel war allerdings nur eine Übergangslösung. Denn die audiovisuelle Präsentation soll in deutlich größerem Umfang in der Bogengalerie L zwischen dem Französischen und dem Wallpavillon gezeigt werden. 

In der Erlebnisausstellung werden Etappen der Entwicklung des Zwingers dargestellt, die dort als Sphären bezeichnet werden. In diesen fünf Welten erleben die Besucher, wie die Festung und später der Zwinger entstanden, barocke Feste, die Orangerie mit den Zwingergärten und viele andere Ereignisse bis hin zu einer virtuellen Stadttour in der Gegenwart.

In den vergangenen zehn Jahren hatte der Schlösserland-Bereich Museen die virtuelle, dreidimensionale Darstellung der verschiedenen Planungs- und Bauzustände des Zwingers erarbeitet. Das geschah in Kooperation mit Prof. Dr. Markus Wacker, Leiter der Fakultät Informatik der Hochschule für Technik und Wirtschaft.

Ein Blick auf den Zwinger vom neu aufgebauten Riesenrad am Postplatz aus. Hier steht die Filmkuppel noch im Zwingerhof.
Ein Blick auf den Zwinger vom neu aufgebauten Riesenrad am Postplatz aus. Hier steht die Filmkuppel noch im Zwingerhof. © Sven Ellger

2018 hatte die Sanierung der künftigen Ausstellungsräume begonnen. Dafür investiert der Freistaat rund 14,3 Millionen Euro. Derzeit stehen Gerüste vor der Fassade, die von einer Hülle mit der Hofansicht des Französischen Pavillons vor der Sanierung verkleidet sind. Er wird als Empfangsbereich mit Café ausgebaut, zu dem die Besucher über die geschwungenen Treppen aus dem Zwingerhof kommen werden. 

Restauratoren und Fachleute der Zwingerbauhütte sind unter anderem dabei, die Sandsteinfassaden zu sanieren, teilt Sprecher Alwin-Rainer Zipfl vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) mit. Die Skulpturen der sogenannten Attika, die das Kupferdach verkleidet, befinden sich in den Werkstätten der Zwingerbauhütte. Restauratoren reinigen die Skulpturen und entfernen das eingedrungene Salz, erläutert Zipfl. Verwitterte Stellen und Löcher werden mit Spezialmörtel wiederhergestellt, damit die Oberfläche weitgehend ihre ursprüngliche Form bekommt. Zum Schluss erhalten die Skulpturen noch eine schützende Silikonfarblasur. So werden sie wieder gut vor Wind und Wetter geschützt.

Verhüllt sind die Gerüste am Französischen Pavillon, der mit der benachbarten Bogengalerie L für die neue Zwinger-Ausstellung ausgebaut wird.
Verhüllt sind die Gerüste am Französischen Pavillon, der mit der benachbarten Bogengalerie L für die neue Zwinger-Ausstellung ausgebaut wird. © Sven Ellger

Die Rohbauarbeiten im Empfangsbereich der Ausstellung sind abgeschlossen. Derzeit sind Installateure dabei, die letzte Haustechnik in den öffentlichen Toiletten unterm Französischen Pavillon einzubauen. Zwischen ihm und dem Semperbau bauen Handwerker den Pirna-Saal als Übergangsbereich aus. Dabei wird es eine wesentliche Verbesserung für Besucher geben: Dort wird ein Aufzug installiert. Dadurch können auch Behinderte sowohl den Empfangsbereich als auch den Zugang zum Semperbau mit der Gemäldegalerie Alte Meister erreichen. Mit dem Aufzug kommen Besucher künftig auch auf den Wall. Die Rohbauarbeiten, bei denen auch der Aufzugsschacht errichtet wurde, sind abgeschlossen, erklärt der Sprecher. 

Weit fortgeschritten sind auch die Arbeiten in den künftigen Ausstellungsräumen der Bogengalerie L. August der Starke hatte sie 1711 für einen anderen Zweck bauen lassen. Sie wurde als Winterquartier für Orangen-, Pomeranzen-, Feigen- und Granatapfelbäume errichtet. In den vergangenen Jahren wurde der Saal für verschiedene Ausstellungen genutzt.

So sah die Bogengalerie L noch Anfang dieses Jahres aus. Mittlerweile sind dort bereits neue Fenster eingebaut worden.
So sah die Bogengalerie L noch Anfang dieses Jahres aus. Mittlerweile sind dort bereits neue Fenster eingebaut worden. © René Meinig

Jetzt wird er für die dauerhafte Zwinger-Schau mit ihren Projektionsgeräten ausgebaut. Die Technik wird zwar hervorragende Bilder präsentieren, aber auch viel Wärme erzeugen. Deshalb gibt es dort besondere Ansprüche an die Klimatechnik. In der Galerie wurden bereits die Fenster komplett erneuert. Derzeit wird dort die Elektrotechnik installiert, demnächst folgt die neue Fußbodenheizung. Neue Fenster bekommt auch der Französische Pavillon.

Weiterführende Artikel

Zwingerhof wird ab Frühjahr saniert

Zwingerhof wird ab Frühjahr saniert

Vor dem Baubeginn erforschen Archäologen noch den Untergrund im Dresdner Zwingerhof. Danach wird es für die vielen Besucher enger.

Die nächste Zwinger-Baustelle

Die nächste Zwinger-Baustelle

An der Stadtseite ist jetzt auch der Glockenspielpavillon des Dresdner Zwingers eingerüstet. Warum das nötig ist.

Orangen wieder im Dresdner Zwinger

Orangen wieder im Dresdner Zwinger

Die kleinen Bäumchen sind schon ordentlich gewachsen. Und sie suchen neue Paten.

Die letzten Geheimnisse im Zwingerhof

Die letzten Geheimnisse im Zwingerhof

Vor der Sanierung erforschen Archäologen den Untergrund. Bei ersten Grabungen fanden sie Überraschendes. Jetzt geht es weiter, bevor es zu spät ist.

Eigentlich war geplant, die Arbeiten bis September dieses Jahres abzuschließen. Während der Coronakrise wurde zwar weiter gearbeitet, aber nicht so schnell wie zu normalen Zeiten. "Coronabedingt sind leider Arbeitskräfte ausgefallen und es kam zu Materialengpässen", erklärt Zipfl. Deshalb werden die Räume erst im November so ausgebaut sein, dass Schlösserland Sachsen die neue Erlebnis-Ausstellung im Zwinger einräumen kann. Im Frühjahr 2021 soll "Zwinger Xperience" öffnen. Ähnlich wie die Projektion in der Filmkuppel werden historische Ansichten, Pläne und "Luftschlösser" mit moderner Technik zum Leben erweckt.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden