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Dresdens Busse werden wieder elektrisch

Im kommenden Jahr startet in Übigau die erste E-Bus-Linie. Doch der Dieselverzicht bringt auch Probleme.

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© wiener linien / zinner

Von Tobias Winzer

Busse, die rein elektrisch und ohne stinkenden Diesel unterwegs sind: Das gab es in Dresden schon einmal. Ab 1949 waren die sogenannten Oberleitungsbusse, im Volksmund nur O-Busse genannt, auf den Linien 61 und 62 unterwegs. 1975 wurde das Projekt wegen des zunehmenden Verschleißes und des Materialmangels eingestellt. Fast 40 Jahre später unternehmen die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) nun einen neuen Anlauf zum elektrischen Bus.

Bis 1975 waren in Dresden elektrische Oberleitungsbusse unterwegs – hier 1963 am Schillerplatz. Nun soll die Technik eine kleine Renaissance erleben. Auf bestimmten Teilstrecken könnten die neuen E-Busse ihren Strom per Oberleitung bekommen. Foto: Archiv
Bis 1975 waren in Dresden elektrische Oberleitungsbusse unterwegs – hier 1963 am Schillerplatz. Nun soll die Technik eine kleine Renaissance erleben. Auf bestimmten Teilstrecken könnten die neuen E-Busse ihren Strom per Oberleitung bekommen. Foto: Archiv

Der Unterschied: Der Strom soll diesmal größtenteils nicht per Oberleitung fließen. Der Elektromotor wird stattdessen von einem eingebauten Akku angetrieben. Zur Entwicklung des E-Busses bekommt das Unternehmen in den kommenden Jahren Fördergelder in Millionenhöhe vom Bund. „Der E-Bus ist die Zukunft“, sagt DVB-Sprecher Falk Lösch. Schon 2015 startet mit der Linie 79 in Übigau die erste vollelektrische Busverbindung. Doch bis das gesamte Busnetz umgestellt ist, vergehen wohl noch Jahrzehnte.

Das Problem: Batterie ist schwer,

teuer und lädt sehr lange

Im Vergleich zum Dieselmotor läuft ein Elektromotor zwar ökonomischer, hat also einen höheren Wirkungsgrad, allerdings lässt sich aus einem Akku im Vergleich zum Kraftstoff viel weniger Energie herauspressen. Ein Beispiel: Damit ein handelsüblicher Gelenkbus rein elektrisch 500 Kilometer fahren kann, müsste die Batterie etwa 18 Tonnen schwer sein. Das jedenfalls hat Jürgen Lange, Teamleiter Elektromobilität bei der Verkehrsconsult Dresden-Berlin (VCDB), ausgerechnet. Das DVB-Tochterunternehmen berät die Verkehrsbetriebe bei der Entwicklung des E-Busses. „Wenn man das Gewicht der Fahrgäste mit dazu rechnet, könnte der Bus wegen des Gewichtes nicht mehr zugelassen werden.“

Ein zweites Problem sind die langen Nachladezeiten des Akkus im Vergleich zum Tanken von Dieselkraftstoff. Laut Lange müsste ein Elektrobus je nach Größe der Batterie mindestens viereinhalb Stunden an der Steckdose hängen. Das passt oft nicht in den Fahrplan der Verkehrsbetriebe, denn manche Linien sind auch nachts fast durchgängig unterwegs. Die Standzeiten nachts reichen also nicht aus.

Drittes Problem ist der Preis. Für einen Dieselbus müssen die Verkehrsbetriebe derzeit rund 300 000 Euro ausgeben. Ein Elektrobus kostet ungefähr das Doppelte – wegen der Akkus. Das liegt vor allem daran, weil die Technik relativ neu ist und noch nicht in Masse produziert wird.

Lösung 1: E-Bus wird auf

Übigauer Pilotlinie getestet

Wegen der Probleme wird es den E-Bus zunächst auf einer kurzen Linie mit relativ wenigen Fahrgästen geben. Die Linie 79, die vom Dreyßigplatz in Mickten bis nach Übigau und wieder zurück führt, ist nur fünf Kilometer lang und stoppt an 16 Haltestellen. Der Bus kann deswegen relativ klein und die Batterie verhältnismäßig leicht sein. Dadurch ist auch die Nachladezeit nachts gering.

Damit dem Fahrzeug am Tag trotzdem nicht der Saft ausgeht, wird auch unterwegs noch einmal nachgeladen. Der Elektrobus dockt dafür für wenige Minuten an einem Stück Oberleitung an der Haltestelle am Dreyßigplatz an. Ähnliche Systeme gibt es heute schon in Wien oder in Genf. Auch in Leipzig ist eine Pilotlinie geplant.

Die DVB haben bereits Angebote für den E-Bus eingeholt. Bis Februar entscheiden sie, welches Unternehmen den Zuschlag bekommt. Gleichzeitig bestellt die Technische Universität die passende Batterie. Anschließend müssen die DVB die Nachladestation in Mickten bauen. Im kommenden Jahr soll der E-Bus fahren.

Lösung 2: Forscher arbeiten

an superleichtem Bus

Zugleich tüfteln die Verkehrsbetriebe gemeinsam mit der TU an einem extra leichten und energiesparenden Hybridbus. Die Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt könnten später einmal in reinen Elektrobussen eingesetzt werden. Dabei soll zum einen das Gewicht der Busse, die rund 17 Tonnen schwer sind, gesenkt werden. Gelingen kann das zum Beispiel mit Leichtbau-Felgen oder mit Carbonteilen an der Bus-Außenhaut. Außerdem soll ein neues Heizungssystem dabei helfen, Energie einzusparen. Getestet werden die Bauteile auf einem Hybridbus der Linie 64. Ab Frühjahr wird das Fahrzeug vermessen. Zum Jahresende könnten die ersten Innovationen in dem Bus zu sehen sein. 4,2 Millionen Euro an Fördermitteln gibt es dafür insgesamt.

Lösung 3: Neuer Hybridbus

wird in Dresden getestet

Voraussichtlich ab dem kommenden Jahr wird ein neuer Hybrid-Bus in Dresden fahren. Er ist mit einer Batterie ausgestattet, die zwischendurch wieder aufgeladen werden kann. Der Fahrzeughersteller Volvo, der unter anderem solche Busse herstellt, verspricht 75 Prozent Spriteinsparung im Vergleich zu Dieselbussen. Die bisher in Dresden eingesetzten Hybridbusse schaffen lediglich 16 Prozent. Beim Kauf des Busses arbeiten die DVB mit dem Fraunhofer-Institut zusammen. Die Verkehrsbetriebe erhoffen sich dadurch Erkenntnisse für den Einsatz der Akkus im täglichen Linienverkehr.

Das Ziel: Gesamte Busflotte

soll elektrisch fahren

„Unser langfristiges Ziel sind komplett elektrische Busse“, kündigte DVB-Vorstand Reiner Zieschank zuletzt an. Bis das so weit ist, vergehen wohl noch mehrere Jahrzehnte. Die Akkus sind zurzeit noch zu schwer, zu teuer und zu lahm beim Nachladen. Bei der schrittweisen Umstellung zum E-Bus könnten die Verkehrsbetriebe auch auf die Erfahrungen mit dem O-Bus zurückgreifen. „Für einzelne Streckenabschnitte, wie auf der Nossener Brücke oder der Grundstraße wäre das denkbar“, so VCDB-Experte Jürgen Lange.