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Dresdens Geheimtipp für die heißen Tage

Kenner flüchten im Sommer gern ins Zschonergrundbad. Es ist die fünfte Saison seit der Neueröffnung. Eine Bilanz.

Vereinschefin Astrid Hupka (l.) und Badleiter Michael Eulenstein sind zufrieden damit, wie sich das Zschonergrundbad weiterentwickelt hat.
Vereinschefin Astrid Hupka (l.) und Badleiter Michael Eulenstein sind zufrieden damit, wie sich das Zschonergrundbad weiterentwickelt hat. © Sven Ellger

Ein Hauch frischer Luft weht hier immer, selbst in der drückendsten Hitze. Das Zschonergrundbad, idyllisch im grünen Tal in Briesnitz gelegen, lockt trotz der garantierten Abkühlung aber vor allem Anwohner und Kenner. „Wir gelten immer noch als Geheimtipp“, sagt Badleiter Michael Eulenstein. So wirklich gewollt ist dieser Zustand, vier Jahre nach der Neueröffnung, nicht.

Lange haben er und seine Mitstreiter versucht, zumindest auf der städtischen Homepage als Freibad geführt zu werden. Doch ohne Erfolg. Grund dafür sei die größte Besonderheit des Bades: Dahinter steht nicht die Bäder GmbH, sondern ein Verein. Fast 20 Jahre haben die Mitglieder vom Naturkulturbad Zschonergrund e.V. dafür gekämpft, das denkmalgeschützte, sehr marode Bad, das 1988 geschlossen worden war, wiedereröffnen zu können.

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2015 hatten sie es geschafft. Seitdem verändert sich das Bad jede Saison ein bisschen weiter. Zuletzt kam eine neue Treppe von der kleinen Badeplattform in den Schwimmerbereich dazu. „Ein bisschen groß ist sie schon geworden“, scherzt Vereinschefin Astrid Hupka. Aber egal. Hauptsache der Wunsch der älteren Besucher, die nicht unter den Absperrbändern im Becken hindurchtauchen wollen, konnte erfüllt werden.

Nach dem großen Kraftakt bis zur Neueröffnung ist jetzt die Zeit der kleinen Schritte. Das Geld ist trotz fünfstelliger Fördermittelsumme von der Stadt immer knapp. Deshalb freuen sich die Vereinsmitglieder auch besonders, dass sie den Holzspielplatz noch ausbauen konnten, der Sandkasten einen Sonnenschutz bekommen hat und eine überdachte, gesponserte Sitzbank aufgestellt wurde.

Der Verein hat einen Teil der historischen Holzkabinen schon saniert und zum offenen Klassenzimmer umgebaut. Die Schüler haben den besten Blick auf den liebevoll angelegten Kräutergarten. 
Der Verein hat einen Teil der historischen Holzkabinen schon saniert und zum offenen Klassenzimmer umgebaut. Die Schüler haben den besten Blick auf den liebevoll angelegten Kräutergarten.  © Juliane Richter

Erst vor einiger Zeit hat der Volleyballverein Zschonergrund e.V., der den Sandplatz im Bad bespielt, noch eine weitere neue Holzbank aufgestellt, die natürlich auch die Gäste mit nutzen können. „So läuft das hier im Bad immer“, sagt Astrid Hupka stolz. Rund 100 Mitglieder zählt der Verein, etwa 20 gehören zum harten Kern. Alle gemeinsam haben viel geschafft. Das 33 Meter lange und 15 Meter breite Schwimmbecken, das noch von 1927 stammt, ist von gepflegtem Schilf und anderem Grün umgeben. Das Wasser wird ganz natürlich, durch verschiedene Filter und Granulatschichten gereinigt. Ähnlich funktionieren Filter in einem Aquarium.

Für die Besucher hat es den Vorteil, dass kein Chlor oder andere Chemikalien eingesetzt werden müssen. Damit das System funktioniert, wird auf einem Schild aber auch gezielt darauf hingewiesen, vor dem Baden zu duschen, sodass keine Sonnencreme ins Wasser gelangt.

Im heißen Sommer vergangenes Jahr kamen 23 000 Besucher – ein Rekord. Badleiter Eulenstein vermutet, dass die Zahl dieses Jahr nicht geknackt werden kann. Dafür ist das Wetter streckenweise zu durchwachsen. Deutlich über 23 000 Jahresbesucher müssten es auch gar nicht sein, meint Vereinschefin Hupka. „Aber sie könnten sich besser verteilen“, sagt sie. Sobald die Wetterapp kleinste Wolken voraussagt, kämen deutlich weniger Besucher. Damit haben alle Freibäder zu kämpfen. Genauso wie mit der händeringenden Suche nach Bademeistern.

Im Zschonergrundbad arbeiten sechs Rettungsschwimmer. Weil die DLRG, die früher ihren Stützpunkt in Oberwartha hatte, ins Bad umgezogen ist, übernehmen auch sie Dienste mit. „Als vergangenen September schon alle Freibäder zu hatten, konnten wir dank der Hilfe des DLRG noch drei Tage kostenlos öffnen“, sagt Hupka.

Über freiwillige Mehrarbeit wird es auch künftig laufen. Das nächste Großprojekt ist schon in Sicht: Die lang gezogene Haupttreppe, die vom Eingangsbereich hinab zum Badebecken führt, soll im Herbst abgetragen und durch eine neue Treppe ersetzt werden. Die holprigen und rissigen Stufen seien für ältere Menschen oder vom Baden müde Kinder nun zu gefährlich, findet Hupka. Außerdem wollen die Mitglieder gehbehinderten Menschen auch endlich den Weg ins Bad ermöglichen und dafür einen Lift einbauen. Rund 200 000 Euro sollen insgesamt investiert werden.

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Noch offen ist auch die Sanierung weiterer, historischer und denkmalgeschützter Badekabinen aus Holz. Ein überarbeiteter Riegel ist schon an Badegäste vermietet, ein anderer wurde zum offenen Klassenzimmer umgestaltet – mit bestem Blick auf den liebevoll angelegten Kräutergarten, in dem sich zahlreiche Schmetterlinge und Bienen tummeln.

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