merken

Dresdens Graues Wunder

1907 und 1910 entstand ein Neubau der Augustusbrücke. Damit die Bürger weiter über die Elbe kamen, errichteten Bauleute eine Behelfsbrücke.

Von Peter Hilbert

Anzeige
Drei Top-Angebote bei Möbel Höffner

Die Highlights für Wohnzimmer, Küche und Schlafzimmer: Wir stellen Ihnen die neuesten Trends für das Leben in den eigenen vier Wänden vor.

Ende des 19. Jahrhunderts war die altehrwürdige Augustusbrücke in die Jahre gekommen. „Sie wurde immer mehr zu einem großen Hindernis für die Schifffahrt“, erläutert der Dresdner Hobbyhistoriker Frank Wache. Zahlreiche Details gehen auch aus der Urkunde hervor, die später in den Schlussstein der damaligen Friedrich-August-Brücke eingelegt wurde. Die 16 Bögen waren zu eng und die 17 Pfeiler zu niedrig. Außerdem nahm während dieser Zeit der Verkehr erheblich zu. Denn seit 1881 fuhr auch die Pferdebahn über die Brücke. Die Breite der Fahrbahn und Fußwege von insgesamt elf Metern genügte den Anforderungen längst nicht mehr.

Deshalb beschloss der Stadtrat am 24. Februar 1906, die alte Augustusbrücke abzureißen und eine neue zu errichten. Der Plan stammt von Stadtbaurat Hermann Klette, dem Vorstand des Tiefbauamtes. Bei der Planung war er von Stadtbaumeister Gustav Adolph Preßprich unterstützt worden. Allerdings erlebte Klette die Einweihung nicht mehr, da er am 27. Februar 1909 starb. Die Bauleitung übernahm zunächst Preßprich, ab September 1909 der an Klettes Stelle zum Vorstand des Tiefbauamtes gewählte Stadtbaurat Georg Fleck. Architekt war der Professor an der Kunstgewerbeschule Wilhelm Kreis (1847–1955). Für den Bau standen rund sechs Millionen Mark zur Verfügung. Den Auftrag erhielt eine Arbeitsgemeinschaft der Bauunternehmen Philipp Holzmann sowie Dyckerhoff und Widmann.

Am 15. Oktober 1906 begannen die Arbeiten mit der Errichtung einer stromabwärts geplanten Behelfsbrücke. Die teils aus Stahl, teils aus Holz gebaute Konstruktion wurde auf Pfeilern errichtet. Sie hatte eine Fahrbahn, auf der zwei Straßenbahngleise eingebaut waren, und einen Fußweg. In einer ersten Bauphase war sie am 3. Februar 1907 vorerst aus Richtung Neustadt an die Mitte der Augustusbrücke angeschlossen worden. So konnten die Abbrucharbeiten auf der Neustädter Brückenseite beginnen, ohne dass der Verkehr unterbrochen werden musste. Die zeitweilige Elbquerung wurde dann als Stahlkonstruktion weitergeführt. Deren Bau fing am 24. Mai 1907 an. Das 380 Meter lange Bauwerk konnte am 16. November 1907 komplett übergeben werden. Die Behelfsbrücke wurde aufgrund ihrer Farbe im Volksmund „Graues Wunder“ genannt. Für den Bau investierte die Stadt rund 450 000 Mark.

Mit der Übergabe der hölzernen Interimsbrücke hatte am 3. Februar 1907 der Abbruch der alten Augustusbrücke auf der Neustädter Seite begonnen. Die auf dem Lande stehenden Pfeiler mit ihren Bögen wurden gesprengt, die Strompfeiler auf konventionelle Weise abgebrochen.

1910 weiht der König die Brücke ein

Mitte September 1908 konnte der Abbruch beendet werden. Dabei wurden 26 000 Kubikmeter Mauerwerk abgerissen und 10 000 Kubikmeter Erde beseitigt. Parallel dazu hatte nach dem Abbruch der ersten Brückenbögen auf der Neustädter Seite im Juni 1907 der Neubau begonnen. Zuerst wurden das rechtselbische Brückenwiderlager und die dortigen Pfeiler gebaut. Der erste Brückenbogen war am 8. November 1907 fertiggestellt, der letzte wurde am 3. Dezember 1909 geschlossen. Aus diesem Grunde gab es eine kleine Feier. Der größte Zwischenfall während des Baus ereignete sich im Februar 1909. Damals stieg die Elbe bedrohlich an, am 7. Februar bis auf 6,50 Meter. „Durch aufopfernde Arbeit und rastlose Anstrengung gelang es jedoch, das Unheil abzuwehren“, heißt es in der Schlussstein-Urkunde. „Nur die Hilfsbrücke wurde in einigen Teilen beschädigt und musste für mehrere Tage gesperrt werden.“

Für die neue Brücke waren erhebliche Mengen Baumaterial eingesetzt worden. So wurden 41 000 Kubikmeter Beton in Pfeiler und Bögen eingebaut und die Brücke mit 7 300 Kubikmetern Sandsteinquadern verkleidet. Bei dem knapp vierjährigen Bau wurden am Ende noch rund 500 000 Mark gegenüber der geplanten Summe eingespart. Feierlich eingeweiht wurde die Brücke mit ihren neun Stahlbetonbögen am 30. August 1910 vom letzten sächsischen König Friedrich August III. (1865–1932). Nach ihm wurde sie Friedrich-August-Brücke genannt.

Zur Eröffnungszeremonie waren Vertreter des Königshauses und von Behörden, aber auch die Brückenbauer eingeladen. Zudem kamen Tausende Dresdner zu diesem Fest. Zum Auftakt wurde der Krönungsmarsch gespielt. Die Weiherede hielt Oberbürgermeister Otto Beutler. Stadtbaurat Fleck übergab die Brücke offiziell, bevor sie von den Ehrengästen unter den Klängen des König-Friedrich-August-Marsches feierlich überschritten wurde. „Sie fügt sich mit ihrer leichten Krümmung schön in die Silhouette von Kathedrale, Georgentor und Ständehaus ein“, beschreibt Hobbyhistoriker Wache das Bild, das sich nunmehr seit 104 Jahren bietet.

Dies ist ein Kapitel im neuen Dresdner Brückenbuch, das mit vielen historischen und aktuellen Fotos,
Karten sowie Abbildungen illustriert ist.