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Dresdens Rathaus weist Prostituierten den Weg

Dresden. Das Dresdner Rathaus sorgt sich um das Wohl der Prostituierten. Für sie hat das Presseamt einen Wegweiser herausgegeben. „Wir wollen damit einen Überblick über gesetzliche Bestimmungen sowie Ansprechpartner in Behörden und Institutionen geben“, sagt Dr.

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Dresden. Das Dresdner Rathaus sorgt sich um das Wohl der Prostituierten. Für sie hat das Presseamt einen Wegweiser herausgegeben. „Wir wollen damit einen Überblick über gesetzliche Bestimmungen sowie Ansprechpartner in Behörden und Institutionen geben“, sagt Dr. Matthias Stieher von der Dresdner Beratungsstelle für Aids und sexuell übertragbare Krankheiten ein.

Im vergangenen Jahr haben Gesundheitsamt, Beratungsstelle, Polizeidirektion, Steuerfahndung, Arge Dresden, Jugendamt und Vereine sich zur „Arbeitsgruppe Prostitution Dresden“ zusammengeschlossen. Sie bieten den schätzungsweise 500 Prostituierten, darunter sind auch einige Männer, Rat und Hilfe an. „Weil viele Prostituierte aus Bulgarien, Tschechien und Thailand kommen, haben wir den Wegweiser auch in drei Fremdsprachen veröffentlicht“, erläutert Stiehler. Er ist Theologe und Psychologe.

In Dresden findet Prostitution überwiegend in Wohnungen statt. Ein Rotlichtviertel wie in anderen Großstädten gibt es nicht. Im eher betulichen Elbtal wird die käufliche Liebe zudem in Clubs wie in der Hamburger, Zwickauer, Großenhainer Straße sowie in der Fichtenstraße oder in Massagesalons und Stundenhotels angeboten. 100 bis 150 Prostituierte dürften in diesen Häusern tätig sein. Auch in der Anbahnungsmeile Bremer Straße locken Frauen in Autos mit offenen Türen. Hauptsächlich informieren sich Freier aber übers Internet und über Kontaktanzeigen.

Offiziell sind in Sachsen weder Bordelle gestattet, noch können die Prostituierten ein Gewerbe anmelden. Das hindert den Fiskus allerdings nicht, von ihnen Steuern für ihre Arbeit zu fordern.

Zwangsprostitution soll in Dresden allerdings keine Rolle spielen. Allerdings würden einige Frauen schon aus finanzieller Not ihren Körper verkaufen. So fungiert die Beratungsstelle auch als sozialer Dienstleister. Ihre Hauptaufgabe besteht aber in der kostenlosen und anonymen Beratung, Untersuchung und Behandlung von Geschlechtskrankheiten. Rund 170 Prostituierte nutzen, meist mehrmals jährlich dieses Angebot zu ihrer eigenen und zur Sicherheit ihrer Freier. Insgesamt lassen sich mehr als 2000 Dresdner jährlich auf Geschlechtskrankheiten wie Syphilis, Tripper und Chlamydien untersuchen und wenn nötig behandeln. Im vergangenen Jahr gab es elf neue Syphilis-, 21 Tripper- und 60 Chlamydien-Erkrankungen.

3452 Dresdner kamen zur Aidsberatung. Im vergangenen Jahr wurden neun neu infizierte Personen festgestellt. „In diesem Jahr sind es bisher 14, alles Männer“, sagt Stiehler. (SZ/kle)

Die „Dresdner Frauengespräche“ laden heute 19 Uhr ins Frauen-Bildungshaus, Oskarstraße 1, zur Podiumsdiskussion „Sextourismus“ ein.