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Dresdens weibliche Landschaften

Im Pionierhaus entdeckte sie die Kunst. Heute stellt Anja Bogott ihre Aktbilder überall auf der Welt aus – nun auch in Dresden.

© Norbert Millauer

Von Felix Dümcke

Das Stadtarchiv in der Elisabeth-Boer-Straße 1 schmücken zurzeit nackte Frauen. „Weibliche Landschaften“ nennt die Kob-lenzer Künstlerin Anja Bogott ihre Ausstellung, die noch bis zum 1. Mai zu sehen ist. Sie bringt vorwiegend Akte von Frauen, die sich bewegen, auf die Leinwand. Diese Darstellung des Unruhigen verleitet die 41-Jährige teilweise, so abstrakt zu zeichnen, dass der menschliche Körper erst nach mehrmaligem Hinschauen erkennbar wird.

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Den zweideutigen Namen für ihre Ausstellung im Stadtarchiv verdankt sie diesem Umstand. Ein Besucher hätte die Künstlerin auf den Namen gebracht. Bogott: „Das könnten auch Landschaften sein, hat mir mal jemand gesagt.“ Sie freut sich über solche Interpretationen. „Abstraktion öffnet den Raum für Fantasien“, erklärt sie – ein Luxus, den sich nicht jeder leisten kann. Denn abstrakte Kunst erfordere viel Zeit, die Menschen aus ärmeren Ländern notgedrungen mit existenziellen Dingen verbringen, so Bogott.

Auch sie beherrschte die abstrakte Kunst nicht von jetzt auf gleich. Angefangen hat alles in ihrer einstigen Heimatstadt Cottbus mit einem Keramikkurs im Pionierhaus. Ihre Mutter war Lehrerin an ihrer Schule, als die Viertklässlerin sich für einen der Kurse der Kinderfreizeitzentren entscheiden musste und sie fragte, was man in einem Keramikkurs macht. „Tontöppe“, antwortete ihre Mutter lapidar, und für Anja Bogott war sofort klar: „Das will ich machen.“

Doch die Töpferei war bloß der Türöffner zu den verschiedenen Facetten der Kunst. Nach einer Lehre zur Keramikerin auf Fehmarn ging sie nach Oldenburg, um an der Volkshochschule einen Aktzeichenkurs zu belegen. „Als Keramikerin war ich auch im Zeichnen geübt“, erklärt Bogott. Seither ist es ein Mix verschiedener Kunstrichtungen, den sie betreibt – und das erfolgreich. Die Koblenzerin ist weltweit an Ausstellungen beteiligt: Katar, England, Schweden.

Auch Thomas Kübler vom Dresdner Stadtarchiv ist von der Vielfalt begeistert. Er besuchte 2011 eine von Bogotts Ausstellungen in Burg im Spreewald. Für ihn stand fest: Diese Künstlerin muss das Stadtarchiv nach Dresden holen. Bogott freut sich über die Gelegenheit, hier ihre Akte auszustellen. Die gefallen ihr gerade deshalb, weil sie keine Models, sondern ganz gewöhnliche und authentische Frauen abbilden.