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Zellen aus Dresden sollen Corona-Patienten helfen

Ein Forscherteam von der Medizinischen Fakultät der TU Dresden schickt Nabelschnurzellen nach Kanada. Die Chancen auf Heilung stehen gut.

Der Coronavirus kann zu Lungenversagen führen. Stammzellen können helfen, Schäden am Lungengewebe zu regenerieren.
Der Coronavirus kann zu Lungenversagen führen. Stammzellen können helfen, Schäden am Lungengewebe zu regenerieren. ©  Pixabay (Symbolfoto)

Dresdner Zellen sollen Leben retten. Sie stammen aus dem Nabelschnurgewebe von gesunden Neugeborenen. In einer von der kanadischen Gesundheitsbehörde am 15. Mai genehmigten Studie wollen Wissenschaftler in Ottawa diese Dresdner Zellen nutzen, um schwer erkrankte Covid-19-Patienten zu therapieren.

Ihnen droht aufgrund der vom Coronavirus ausgelösten aggressiven Entzündungsprozesse in der Lunge ein totales Versagen des Organs, oftmals verbunden mit einem Verschluss der Blutgefäße, einer Embolie. Dieses schwere Lungenversagen ist eine der häufigsten Todesursachen im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung. Bis heute gibt es dagegen keinen Wirkstoff.

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Ein Forscherteam um Professor Mario Rüdiger hat am Zentrum für Regenerative Therapien Dresden ein neues Verfahren entwickelt und patentiert, bei dem mesenchymale Stromazellen aus dem Nabelschnurgewebe von Säuglingen isoliert werden. Ein entsprechendes Forschungsprojekt wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft mit 1,4 Millionen Euro gefördert. „Mit unserem Verfahren können wir sehr junge Zellen in einer guten Qualität gewinnen und damit deutlich mehr Patienten in kürzerer Zeit helfen“, so Professor Rüdiger. 

Professor Mario Rüdiger (Zweiter von rechts) mit seinem Team, das aus der Nabelschnur Neugeborener Zellen für die Heilung von Corona-Kranken gewinnt.
Professor Mario Rüdiger (Zweiter von rechts) mit seinem Team, das aus der Nabelschnur Neugeborener Zellen für die Heilung von Corona-Kranken gewinnt. © Thomas Albrecht

Während bei dem gewöhnlichen Verfahren die entnommenen Stammzellen im Labor bis zu zehn Mal verdoppelt werden müssen, um einen einzigen Patienten zu therapieren, reicht bei dem Dresdner Zellmaterial eine Verdopplung, um parallel zehn Patienten zu behandeln. „Unser Ziel war dabei immer, die neuen Verfahren auch für die Therapie Erwachsener zugänglich zu machen“, sagt Professor Rüdiger.

Die Dresdner Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät machen sich dabei die entzündungshemmende und regenerierende Wirkung der Stromazellen zunutze. Patienten erhalten die Stammzellen über eine Infusion. Über die Blutbahn gelangen sie selbstständig zum Entzündungsherd. Dort stoppen sie zunächst die Immunreaktion. Parallel dazu fördern sie die Regeneration bereits entstandener Schäden am Gewebe. Bereits im Februar 2020 hatten chinesische Wissenschaftler nachgewiesen, dass der Einsatz mesenchymaler Stammzellen wirksam sein könnte und sich der Gesundheitszustand von Covid-19-Patienten deutlich verbessere.

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Den Wettlauf um die Studie zur Wirksamkeit der Stammzellentherapie bei Covid-19-Patienten hat die Arbeitsgruppe um Professor Duncan Stewart und Professor Bernard Thébaud vom Ottawa Health Research Institute gewonnen. Sie werden dafür Zellen aus Dresden erhalten –  tiefgefroren und per Luftfracht. Die Phase-1-Studie soll zunächst mit zehn Probanden beginnen. .„Es ist ein schönes Gefühl, das Ergebnis jahrelanger Forschung zu sehen und zu wissen, dass wir damit vielleicht ein Mittel in der Hand haben, welches das Versterben an Covid-19 verhindern kann“, so Professor Mario Rüdiger. (SZ/um)

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