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Dresdner "Bastei" wird jetzt 50 Jahre

Die Silhouette der drei Hotels macht die Prager Straße in Dresden bis heute unverwechselbar.

Von Ralf Hübner
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Hotels gehören zum Gesicht der Prager Straße. Sie waren vor allem für Touristen aus dem Ausland bestimmt, die in den 1960er wieder öfter nach Dresden kamen.
Hotels gehören zum Gesicht der Prager Straße. Sie waren vor allem für Touristen aus dem Ausland bestimmt, die in den 1960er wieder öfter nach Dresden kamen. © Werner Mohn

Residieren Sie mitten in Dresden! Die Ibis-Hotels auf der Prager Straße werben mit kurzen Wegen zu Sehenswürdigkeiten wie dem Zwinger, der Semperoper, der Frauenkirche oder dem Schloss sowie mit klimatisierten Nichtraucherzimmern. Vor 50 Jahren empfing am 30. Mai 1969 das Hotel „Bastei“ die ersten Gäste. Die dazu gehörenden Hotels „Königstein“ und „Lilienstein“ eröffneten im Herbst.

Es ist das 21. Interhotel der DDR. Diese hatten einen gehobenen Standard und waren vor allem für ausländische Reisende gedacht. Schon bei der Eröffnung lagen Buchungen bis zum Jahresende vor, Touristen aus der Sowjetunion, Ungarn, Polen, Schweden und Österreich. Die ersten Besucher, die nach der Eröffnung einbuchen, sind jedoch die einer SED-Berzirksdelegiertenkonferenz. In der Lobby drehen sich rote Ledersessel. Vier Aufzüge bringen die Gäste bis in die zehnte Etage. 120 Mitarbeiter kümmern sich um deren Wohl.

Das Hotel verfügt über 306 Ein- und Zweibettzimmer für 639 Gäste, im Herbst kamen noch neun mit Wohn- und Schlafzimmer und einem Bad mit Badewanne ausgestattete Appartments hinzu. Das Frühstück kommt fast bis ans Bett. Der Gast findet das Tablett mit dem Gedeck nach der Morgendusche im Schrank. Hotelmitarbeiter hatten es zuvor vom Flur aus über eine Durchreiche hineingestellt. Eine Thermoskanne enthält heißes Wasser. Damit kann sich der Gast je nach Wunsch Instant-Kaffee oder Tee selbst zubereiten. Der Hotel-Service organisiert bei Bedarf Autoreparaturen, die Reinigung von Textilien, verleiht Fotoapparate, vermittelt Arztbesuche, Besichtigungstouren, Konzertkarten. Vom Dachgeschoss aus können die Gäste den Blick über Dresden genießen.

Das Mittagessen gibt es anfangs noch außer Haus, denn das Restaurant „Bastei“ mit 700 Plätzen wird wie die Hotels „Königstein“ und das „Lilienstein“ erst im Herbst fertig. Alle drei Häuser zusammen verfügen über 918 Zimmer. 1971 folgen das Hotel „Newa“ und die Gaststätte „International“. Ein weiteres geplantes Interhotel „Stadt Dresden“ wird nicht mehr ausgeführt. Es sollte mit 107 Metern das höchste Gebäude im Stadtzentrum werden. Während die anderen Hotels vor allem Reisegruppen und Geschäftsreisenden vorbehalten waren, verbrachten im „Bastei“ bis 1989 vor allem Urlauber des DDR-Gewerkschaftsbundes FDGB ihre schönsten Tage des Jahres.

Blick in das Restaurant im Haus "Bastei". 
Blick in das Restaurant im Haus "Bastei".  © Sammlung Holger Naumann

Vor der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg herrschte auf Dresdens Prachtmeile vor allem nahe des Hauptbahnhofs ebenfalls kein Mangel an Hotels. Zu den vornehmen Adressen zählte unter anderem der 1890/91 für den Hotelier Rudolph Sendig aus Bad Schandau mit einer Neorenaissancefassade errichtete „Europäische Hof“, der spätere „Europahof“. Durch den Erfolg mit diesem Haus beflügelt, ließ Sendig gleich gegenüber ein weiteres Hotel, das spätere Grandhotel „Deutscher Hof“ bauen. Drittes Haus am Platz war das „Hotel Windsor“, dem sich das „Hotel Schiller“ in der Sidonienstraße Ecke Reitbahnstraße anschloss.

Noch näher am Hauptbahnhof lag das „Hotel de Saxe“, das spätere „Hotel Blesch“, ein Hotel garni. Im Erdgeschoss hatte unter anderem das Büro der „Hamburg-Amerika-Linie“ ein Büro. Der Hotelier Franz Blesch mietete das 1913 errichtete Nachbarhaus noch mit dazu. Als er Ende der 1920er Jahre aufgeben musste, wurde daraus das „Piccadilly Hotel“ und nach einem weiteren Eigentümerwechsel 1934 das „Hotel Eden“. Am Wiener Platz selbst standen dem Hauptbahnhof gegenüber sechs Villen aus den 1880er-Jahren, die fast alle als Hotel genutzt wurden, wie das „Central-Hotel“ an der Prager Straße, das „Hotel Monopol“ sowie das auf zwei Häuser verteilte „Kaiser-Wilhelm-Hotel“.

Hotels waren auch ein wichtiger Teil beim Wiederaufbau der Prager Straße nach dem Krieg. 1958 hatte der V. SED-Parteitag beschlossen, dass bis 1962 die Ruinen aus den Zentren der DDR-Städte zu verschwinden hatten. 1965 wurde der Aufbau in Angriff genommen. „Wir hatten den Auftrag, die Prager Straße als zusammenhängenden Fußgängerbereich für den internationalen Tourismus zu gestalten“, erinnerte sich später Hans Konrad, der 1962 zusammen mit Peter Sniegon und Kurt Röthig die Bebauung konzipierte. „Das sollte mit der industriellen Baumethode erfolgen. Wir näherten uns also zwangsläufig der Moderne der zwanziger Jahre, was bedeutete: Klar und einfach bauen.“ Als Vorbild diente die 1953 eröffnete Geschäfts- und Ladenstraße Lijnbaan im ebenfalls kriegszerstörten Rotterdam.

Neben Läden und Restaurants zum Flanieren sollten Springbrunnen und Hochbeete für gutes Klima und zum Verweilen sowie das Rundkino zum Amüsieren gebaut werden. Die Straße wurde von 14 bis 17 Meter Breite auf etwa 65 Meter erweitert und der so entstandene riesige Raum an der Ostseite von einer geschlossenen Wohnzeile für die Dresdner, dem zweitlängsten Wohnhaus Deutschlands, und im Westen durch die drei zwölfgeschossigen Hotels in Kammstellung gefasst. Die hohe Dichte von Hotels auf einem Straßenzug galt im DDR-Städtebau als einzigartig. 1992 wurden die Hotels von der französischen Accor-Gruppe übernommen. Das „Lilienstein“ gehört seit vergangenem Jahr der niederländische Gruppe „The Student Hotel“, die dort ein Hotel für Studenten Berufseinsteiger und Jungunternehmer eingerichtet hat.