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Künstliche Intelligenz soll Tumore besser heilen

Die Dresdner Uniklinik baut ein neues System auf, das mithilfe anonymer Datensätze von Patienten Leben retten kann. 

Der Arzt entscheidet, aber der Supercomputer denkt mit. Eine neue Art von Medizin-Informatik wird küftig entscheidend dabei helfen, schwere und vor allem seltene Erkrankungen besser zu heilen.
Der Arzt entscheidet, aber der Supercomputer denkt mit. Eine neue Art von Medizin-Informatik wird küftig entscheidend dabei helfen, schwere und vor allem seltene Erkrankungen besser zu heilen. © plainpicture

Dresden. Gigantisch große Datenmengen auf superschnellen Computern werden die Medizin binnen weniger Jahre entscheidend verbessern. An der Technischen Universität Dresden beginnt derzeit am Uni-Klinikum ein datentechnisches Großprojekt. Es geht dabei auch um die Behandlung von bisher nicht heilbaren Tumoren. Es geht um Hilfe bei bisher unerkannten seltenen Erkrankungen. Es geht um sinnvolle beziehungsweise unnötigen OPs.

Zehntausende Patientendaten sollen als Künstliche Intelligenz der Assistent für den Arzt sein. Ihm die Entscheidungen erleichtern, aber die nicht abnehmen. Mit dieser Vision ist Martin Sedlmayr als Chef der Medizin-Informatik an der Dresdner Uni-Medizin angetreten. Er will dafür Zehntausende Patientendaten aus dem Klinikum, später hunderttausende landesweit zusammenbringen, sortieren und auswertbar machen. Es geht um Daten so ziemlich im sensibelsten individuellen Bereich. Um Krankheit, um Leiden, um die Lebensweise bis hin zum Wohn- und Arbeitsort.

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Zum einen wollen die Mediziner aus den Daten die Häufung von Erkrankungen erkennen, aber auch welche Medikamente bei wem unter welchen ganz besonderen Bedingungen am besten wirken, sagt Sedlmayr.  Ob dieses oder jenes Antibiotikum besser wirke, ob diese oder jene Krebstherapie besser helfe, die Antwort liege in den riesigen Datensätzen verborgen. „Doch  die sind bisher für den Arzt nicht nutzbar.“

12.500 Patienten mit Therapien bei Krebserkrankungen kommen Jahr für Jahr allein in Dresden hinzu. Etwa 20.000 sind es in der Uni Heidelberg und dem dortigen Krebsforschungs-Zentrum, mit dem Dresden nicht nur bei den Daten eng zusammenarbeitet. Und Zehntausende Datensätze sind bereits aus den vergangenen Jahren vorhanden. Es sind Therapien, verordnete Medikamente, Bilder vom Röntgen, MRT bis hin zu mikroskopische Analysen von einzelnen Tumorzellen. Und Gen-Daten. 

Manches liegt digital vor, anderes als Bild, und selbst handschriftliche Notizen sind dabei. Wichtige Hinweise oftmals. Die Medizin-Informatiker von Sedlmayr werden all dies zusammenbringen, und schnell, hofft Hanno Glimm, Direktor des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen in Dresden. „Krebs ist nicht gleich Krebs.“ Allein zehn verschiedene Arten von Lungenkrebs unterscheiden die Mediziner. Ob eine Behandlung Erfolg hat, hängt von der richtigen und frühzeitigen Auswahl der passendsten Therapie ab. Vergleichsdaten von tausenden Patienten würden genau diese Entscheidung künftig routinemäßig unterstützen, erklärt Glimm.

Höchste Sicherheitsstandards sind nötig, wenn zahntausende Patientendaten gespeichert werden.
Höchste Sicherheitsstandards sind nötig, wenn zahntausende Patientendaten gespeichert werden. © Digital-Archiv

Die technischen Voraussetzungen und der Datenschutz dafür werden soeben geschaffen. Eine Treuhandstelle für Daten entsteht. Dort sind die Namen der Patienten verschlüsselt. An anderer Stelle werden die Patientendaten dann per Code abgelegt. Und auch das nur, wenn die Patienten überhaupt zustimmen. Das machen sie, sagt Glimm. 95 Prozent stimmen zu. Damit niemand an die wahren Identitäten herankommt, befindet sich diese Daten-Treuhandstelle jenseits des Klinikums. Sie untersteht nicht der TU und nicht dem Klinikum. Selbst der Rektor der Universität hat dort keinen Zutritt. „Es geht um höchste Sicherheitsstandards“, sagt Sedlmayr, für den Aufbau zuständig. Und bereits in fünf Jahren etwa, so hofft Medizinprofessor Glimm, diese Daten nutzen zu können.