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"Dresdner Corona-Fälle sind Urlaubsrückkehrer"

Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann über die Maskenpflicht und die möglichen Konsequenzen für zu sorglose Urlauber.

Urlaub in einem Risikogebiet heißt Bescheinigung oder Quarantäne: Dresdens Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke).
Urlaub in einem Risikogebiet heißt Bescheinigung oder Quarantäne: Dresdens Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke). © René Meinig

Dresden. Am Samstag haben die Sommerferien für Sachsens Schüler begonnen. Viele Familien fahren weg, viele innerhalb Deutschland, manche ins Ausland. Im SZ-Sommerinterview spricht Dresdens Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) über die Quarantäne-Regeln und was sie von Großveranstaltungen wie dem Stadtfest hält. 

Frau Kaufmann, in Dresden gibt es aktuell nur sehr wenige Fälle, ist die Corona-Pandemie überstanden?

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Nein, das Virus ist nach wie vor da und wir sollten es ernst nehmen.

Es ist Urlaubszeit und die Dresdner fahren wieder in den Urlaub. Sehen Sie dabei bei alle Freude über die Ferien auch Gefahren?

Das ist ein Thema, auf jeden Fall. Zumal mit Blick auf die letzten Fälle, die wir in Dresden zu verzeichnen hatten.

Wie meinen Sie das?

Die letzten drei Fälle in Dresden waren alle drei Urlaubsrückkehrer.

Aus welchen Ländern kamen sie zurück?

Das kann ich aus Datenschutzgründen nicht sagen.

Sehen Sie es denn mit Blick auf das Infektionsgeschehen generell kritisch, dass die Dresdner wieder ins Ausland fahren?

Nein, solange jeder die jeweiligen Risikogebiete im Blick behält und sich auch im Urlaub an Maske, Händewaschen und Abstand hält, muss nicht jeder nur noch Ferien in Deutschland machen.

Länder wie Schweden, die Türkei oder die USA sind vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiete eingestuft, raten Sie den Dresdner von Reisen da hin ab?

Jeder muss für sich und seine Familie das Risiko abwägen. Jeder muss wissen, dass er, wenn er Urlaub in einem Risikogebiet macht, danach 14 Tage in Quarantäne verbringen wird, ohne Krankschreibung und Lohnausgleich. Das gilt, sofern kein maximal 48 Stunden altes negatives Testergebnis vorliegt. So sieht es die sächsische Quarantäne-Verordnung vor.

Das heißt, alle, die nicht zu Hause arbeiten können, sollten sich einen Urlaub in diesen Ländern genau überlegen?

Ganz genau.

Bei den letzten Ausbrüchen in Gütersloh und Göttingen gab es Infizierte, die sich nicht an die Quarantäne gehalten haben oder die mehrfach zum Testen nicht erschienen sind, gab es das in Dresden auch?

Nein, zum Glück nicht. Die Dresdner haben sich gut daran gehalten, auch ohne dass unser Gesundheitsamt in den Büschen vor den Wohnungen Wache halten musste. Und außerdem drohen Bußgelder.

Wie hoch sind die in Dresden?

Für das Missachten der Quarantäne können von 500 bis 10.000 Euro fällig werden.

In Dresden sind immer wieder Menschen zu beobachten, die keine Maske mehr tragen oder keinen Abstand halten. Betrachten Sie das mit Sorge?

Wir bekommen Meldungen, dass sich Menschen in Bus und Bahn oder beim Einkaufen nicht an die Regeln halten, aber das ist nur ein kleiner Teil. Die allermeisten halten sich gut daran. Nur enge Menschenansammlungen in Biergärten oder im Freibad bereiten mir Sorgen.

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Wie stehen Sie zur Maske, tragen oder kann sie langsam weggelassen werden?

Sie ist nötig in Bus und Bahn und beim Einkaufen. Ich finde es in Ordnung, dass die Bundesregierung die Empfehlung pro Alltagsmaske beibehält als Erinnerung: Das Virus ist da. Es ist aber richtig, immer wieder zu prüfen, ob die Maske noch notwendig ist. Aktuell diskutieren wir, ob wir sie nicht bald in den öffentlichen Gebäuden wie Rathaus oder Bibliotheken weglassen können.

Also dort, wo nicht so viele Menschen auf einmal zusammentreffen wie im ÖPNV oder Supermarkt?

Genau.

Viele Kinder treffen in Schulen und Kitas aufeinander. Doch es soll nach den Sommerferien laut dem Kultusministerium wieder einen Normalbetrieb geben. Ist das zu früh?

Sollten die Zahlen auf so niedrigem Niveau bleiben wie aktuell, ist das aus meiner Sicht machbar. Final entscheiden kann man das aber meiner Meinung nach erst kurz vor Schulbeginn Ende August. Das Pandemie-Geschehen ist sehr dynamisch.

Bei den letzten Ausbrüchen wie in Gütersloh wurden die Schulen und Kitas nur lokal geschlossen. Wie stehen Sie dazu?

Ich befürworte die lokale Betrachtung. Wenn es einen Ausbruch in Dresden gibt, müssen nicht die Schulen in Leipzig geschlossen werden und andersherum. Ein zweiter Lockdown würde kaum funktionieren.

Warum nicht? Weil der Druck der Wirtschaft zu groß wäre?

Zum einen das und zum anderen weil das Verständnis der Bürger nicht mehr so da wäre. Aktuell sieht man auch, dass es nicht nötig ist, bei lokalen Ausbrüchen alle Bundesländer herunterzufahren.

Es gab im Mai einen Coronafall in Dresden, haben Sie da an der Öffnung der Kitas gezweifelt?

Nein, das haben wir alle gut gemeistert und durch die Coronaregeln gab es nur diesen einen Fall in einer Gruppe und keinen weiteren in der Kita. Und seitdem hatten wir keinen weiteren in Dresden.

Aktuell wird diskutiert, ob das Stadtfest und Elbhangfest stattfinden, wie stehen Sie dazu?

Ich kann dazu keine Prognose abgeben. September und Oktober sind noch weit hin und bis dahin können sich die Zahlen wieder ganz anders entwickeln. Wie gesagt, das Virus ist da und so lange es keinen Impfstoff gibt, müssen wir vorsichtig sein.

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