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Dresdner doubelt Kino-Stars

Während Mario Trepte in der Sonderbar Cocktails mixt, mischt sein Compagnon René Lay als Stuntman bei Filmen mit.

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Von Nadja Laske

Der Mann mit dem Basecap sieht seinen Beruf pragmatisch. „Das ist eben so: Der Schauspieler geht bis zur Treppe – und ich stürze sie runter“, sagt René Lay. Vor 15 Jahren gründete er zusammen mit Mario Trepte die Sonderbar. Nach wie vor ist er dort Chef, doch die Leitung des Ladens hat der 44-Jährige inzwischen seinem Compagnon überlassen.

René Lay hat nämlich ganz anderes zu tun. Er ist Stuntman. Zuletzt hat er in Tom Tykwers international besetzten Blockbuster „The International“, in Til Schweigers „Eineinhalb Ritter“ und im „Baader Meinhof Komplex“ mitgewirkt.

Stunts für Schell & Malkovich

Jetzt ist er auf dem Sprung zu Dreharbeiten, die heute in Sachsen-Anhalt beginnen. Die Produktion: „Carlos der Schakal“, eine deutsch-französische Filmbiografie über den Terroristen Ilich Ramirez Sánchez, der zu Zeiten des Kalten Krieges berühmt und berüchtigt gewesen ist, ein Phantom und Phänomen. Im Herbst 2010 ist Kinostart. „Ich werde die Stuntkoordination leiten“, erzählt René bei unserem Treffen in der Sonderbar. Unter seiner Schirmmütze blitzen schwarze Augen hervor, die Zähne weiß wie Perlen, amerikanischer Standard im Showbusiness.

Angefangen hat René Lay vor ziemlich genau 26 Jahren. Damals hießen Stuntleute noch Kaskadeure. „Das war mein Kindheitstraum“, sagt der gebürtige Dresdner, der die 37. POS besuchte, auf der Sächsischen Artistenschule in Dresden lernte und sein erstes Engagement an den Landesbühne Sachsen hatte. Auf der Felsenbühne Rathen stürzte er sich gekonnt vom Pferd.

„Wir haben als Kleinkünstler mit DDR-Stars wie Muck und den Puhdys Programme gestaltet. Einmal durfte ich in einem Polizeiruf mitmachen, aber ins Berliner Filmgeschäft war kaum ein Reinkommen“, erinnert sich René. Damals war auch Mario Trepte mit im Boot als Stunt-Techniker.

Mit der Wende kam erst Verunsicherung und dann als zweites Standbein die Sonderbar. „Ich habe angefangen, BWL zu studieren, weil ich nicht wusste, wie es mit meinem Stunt-Job nun weitergehen wird“, sagt René. Gut ging’s weiter. Auf seiner Homepage stehen Erinnerungsfotos von Einsätzen im „Tatort“, „Polizeiruf“, „Großstadtrevier“, in „Cobra 11“, „Bella Block“ und „Von Fall zu Fall“. René Lay hat Maximilian Schell in „Der Fürst und das Mädchen“ gedoubelt und John Malkovich in „Ripley’s Game“. Im „Baader Meinhof Komplex“ chauffierte er Bernd Stegemann als Hans Martin Schleyer über die Kinoleinwand.

Viel zu tun also. Aber einen Termin hat sich René im Kalender fett angestrichen: Den 4. April, die Geburtstagsparty zum 15. in der Sonderbar. Da wird er zusammen mit einigen Barkeeper-Urgesteinen mal wieder höchstpersönlich zum Shaker greifen.