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Warum die Eislöwen bei der Kaderplanung taktieren

Erst treten die Dresdner wegen Corona auf die Transferbremse, und dann kommen sie auf dem Spielermarkt nur langsam in die Gänge.

Arne Uplegger gehört bei den Dresdner Eislöwen zu den Talenten mit Potenzial für die DEL.
Arne Uplegger gehört bei den Dresdner Eislöwen zu den Talenten mit Potenzial für die DEL. © Robert Michael

Dresden. Bei der Kaderplanung sind die Eislöwen Schlusslicht. So wenige Spieler wie in Dresden stehen bei keinem anderen Klub aus der Deutschen Eishockey-Liga 2 unter Vertrag. Gerade mal zehn Profis bilden derzeit die Rumpfmannschaft. Ambitioniertere Vereine wie die Löwen aus Frankfurt am Main, die als Nachrücker für die DEL gelten und – anders als die Eislöwen – die Bürgschaft von 816.000 Euro für den Aufstieg hinterlegen, melden bereits 18 Spieler. Einige andere Zweitligisten haben sogar bereits ihre ganzen Teams beisammen.

„Klubs wie Frankfurt haben Leistungsträgern, die sie unbedingt behalten wollten, schon frühzeitig neue Kontrakte angeboten“, behauptet Maik Walsdorf. Der Eis- löwen-Geschäftsführer mutmaßt, dass viele Verträge schon längerfristig unterschrieben sind und noch aus der Zeit vor Corona stammen. Schließlich beginnt die Kaderplanung für die neue Saison im Eishockey im Normalfall bereits im Dezember. „Dann kam die Epidemie und mit ihr der Transferstopp“, erläutert Marco Stichnoth. Der sportliche Eislöwen-Berater spricht von völlig neuen Voraussetzungen durch die Krise: „Vereine wie Frankfurt gehen ins Risiko. Wir lassen es ruhiger angehen.“ Walsdorf pflichtet ihm bei: „Wir traten auf die Bremse. Der Markt stand still.“

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Trotz der Pandemie kommt langsam auch in Dresden wieder Bewegung rein. Die Eislöwen melden im Wochentakt entweder Neuverpflichtungen oder Vertragsverlängerungen. Die Neuen erfüllen vor allem eine Bedingung: Sie sind jung. „Wir holen engagierte, hungrige, vernünftige Burschen mit der Perspektive DEL und keine Spieler, die ihre Karriere bei uns ausklingen lassen“, sagt Stichnoth. Er will Talenten den Sprung nach oben genauso ermöglichen wie Rico Rossi. „In der neuen Saison möchte ich mit jungen Spielern arbeiten“, sagt der Eislöwen-Trainer. „Es macht immer Spaß, junge Talente zu entwickeln und Erfolg mit ihnen zu haben.“

Der sportliche Eislöwen-Berater Marco Stichnoth muss noch einige Profis holen.
Der sportliche Eislöwen-Berater Marco Stichnoth muss noch einige Profis holen. © Christian Juppe

Die Alten, die bleiben, erfüllen auch eine Voraussetzung: Sie sind zu finanziellen Abstrichen bereit. „Die Vertragsgespräche für die neue Saison liefen durch die Corona-Pandemie anders als die Jahre zuvor“, sagt Walsdorf. Dabei sei es ehrlich und konstruktiv zugegangen und auch klar um einen Verzicht auf Einkommen. Die Mannschaft habe sich bei mehreren Treffen mit Stichnoth dazu entschlossen, dem Verein durch weniger Gehalt zu helfen. Leistungsträger wie Kevin Lavallee und Toni Ritter wollen damit ein Zeichen setzen.

Die Rolle des Tabellenletzten bei der Kaderplanung betrachtet Stichnoth entspannt. „Ich spüre keinen Druck“, sagt er. Der Sportchef spricht von einer schwierigen Lage auf dem Transfermarkt. Die Unsicherheit durch das Virus bleibt. „Alle pokern und passen sich der neuen wirtschaftlichen Situation an. Wir müssen das Geld anders einsetzen und vernünftig arbeiten. Das geht allen so.“ Er verspricht eine defensiv denkende, kompakte, kreative, schlagkräftige Mannschaft aus 21 bis 23 Profis.

Der kaufmännische Eislöwen-Geschäftsführer Maik Walsdorf freut sich über die Lizenz für die DEL 2.
Der kaufmännische Eislöwen-Geschäftsführer Maik Walsdorf freut sich über die Lizenz für die DEL 2. © Ronald Bonß

Auch die neue Kooperation mit der Düsseldorfer EG aus der DEL soll Dresden helfen. „Junge Talente wollen möglichst viel spielen, und wenn die DEG da Überhänge hat, können sie bei uns auflaufen“, sagt Stichnoth. Walsdorf hofft, dass mindestens zwei Profis vom Rhein dauerhaft an der Elbe zum Einsatz kommen. „Das stünde uns gut zu Gesicht“, sagt er. Außerdem soll die Zusammenarbeit keine Einbahnstraße sein. Auch bei den Eislöwen spielen Talente, die das Potenzial für die DEL besitzen und ihre Chance bekommen. Lucas Flade und Arne Uplegger gehören dazu.

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Walsdorf sieht noch einen Vorteil mit Blick auf die Saisonvorbereitung: „Bei uns steht bereits Eis zum Trainieren bereit, da Dresden ein Bundesstützpunkt für Shorttrack und das dadurch Pflicht ist.“ Die Eislöwen prüfen, wann Zeiten für sie frei sind, denn Sommer-Eis ist über Dresden hinaus begehrt. Das gibt es nicht in vielen Arenen. Andere Klubs müssen bis Mitte August oder länger bis zur ersten Eis-Einheit warten. Da bleiben nur drei, vier Wochen zum Testen bis zum Saisonbeginn am 11. September.

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