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Dresdner Elterntaxis gefährden Kinder

In der kalten Jahreszeit bringen noch mehr Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. Kontrollen durch das Ordnungsamt sollen helfen.

Vor der 4. Grundschule in der Löwenstraße drängen sich jeden Morgen Autos, weil Eltern ihre Kinder direkt vor der Schule absetzen wollen.
Vor der 4. Grundschule in der Löwenstraße drängen sich jeden Morgen Autos, weil Eltern ihre Kinder direkt vor der Schule absetzen wollen. © Benno Löffler

Dicht an dicht drängeln sich die Autos. Aus jedem Elterntaxi hüpft gegen 7.45 Uhr auf der Löwenstraße in der Dresdner Neustadt ein Schulkind und rennt in Richtung Eingang. Dazwischen Kinder, die mit dem Rad oder zu Fuß kommen und bei jedem Parkmanöver gefährdet sind. Gerade jetzt im Winter kämpft Dresden wieder mit dem Problem der Elterntaxis. 

Wo sind die Probleme am stärksten?

Neben der Neustadt kennt das Rathaus noch mehr Problemstellen. Mehrmals wurde in diesem Jahr vor der 63. Grundschule auf der Wägnerstraße in Blasewitz kontrolliert. Hier würden vor allem Elterntaxis Probleme verursachen, indem sie im Bereich von Kreuzungen und Einmündungen oder entgegengesetzt zur Fahrtrichtung hielten. 

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Darüber hinaus habe es wiederholt massive Beeinträchtigungen der Schulwegsicherheit durch auf Gehwegen und in Kreuzungen parkende Anwohner in Pieschen gegeben, so die Stadt. Autoclub-Europa-Sprecher Andreas Becht beobachtet bei der Aktion "Goodbye Elterntaxi" an den zwei beteiligten Dresdner Grundschulen innerhalb einer halben Stunde rund 50 Elterntaxis. "50 Fahrzeuge, die sonst nicht da wären und also für zusätzliche Gefahren sorgen", so Becht. 

Rund ein Drittel dieser "Eltern-Kutschen" hätten sich verkehrswidrig verhalten. Die Palette reichte vom Halten im Halteverbot, in der Feuerwehrzufahrt, in der zweiten Reihe bis zum scheinbar besonders beliebten Fahren auf den Gehweg. Hinzu kamen in einem Dutzend Fälle gefährliche Wendemanöver und Rückwärtsfahrten. Jedes sechste Kind sei zur Fahrbahnseite hin ausgestiegen.

Zugeparkt ist morgens auch die Donathstraße in Laubegast. Weil viele Eltern spät dran sind, fahren sie kurz vor Schulbeginn direkt vor den Eingang der 95. Grundschule, parken dort in zweiter Reihe. Ähnliche Szenen gibt es auch am Nachmittag, wenn Eltern ihre Kinder abholen. Immer wieder sind gefährliche Szene zu beobachten, erst kürzlich kollidierte ein Kind, das mit seinem Roller unterwegs war, mit einem Auto, das in zweiter Reihe parkte. 

Die Grundschullehrer weisen die Eltern immer wieder auf das Problem hin und bitten darum, die Kinder nicht mit dem Auto zur Schule zu bringen. Ein ehrenamtlicher Helfer sorgt vor der Schule zumindest dafür, dass Kinder, die zu Fuß kommen, unfallfrei über die Straße kommen. 

Warum chauffieren die Eltern ihre Kinder?

Fragt man die Eltern, warum sie Chauffeur für ihren Nachwuchs spielen, hört man viel Nachvollziehbares, aber auch Ausreden. "Mein Sohn ist in der 1. Klasse, wir trauen es ihm noch nicht zu, allein zu laufen", erzählt eine Mutter, bevor sie wieder ins Auto steigt und zur Arbeit fährt. Andere Eltern argumentieren mit "viel Stress" oder "keine Zeit". Ein Vater raunt nur kurz: "Heute früh zu lange beim Frühstück gegessen", dann springt er in seinen Wagen und übersieht beim Rückwärtsfahren fast ein Kind auf dem Fahrrad.

Obwohl die Eltern ihren Kindern meist nur etwas Gutes tun wollen, können Elterntaxis für andere Schüler auch zur Gefahr werden. 
Obwohl die Eltern ihren Kindern meist nur etwas Gutes tun wollen, können Elterntaxis für andere Schüler auch zur Gefahr werden.  © Benno Löffler

Was machen Stadt und Polizei?

Auch die Stadt kennt das Problem mit den Eltern-Taxis. 2018 war das Ordnungsamt an etwa 40 Tagen vor und im Umfeld von Schulen kontrollierend im Einsatz. Auch im Jahr 2019 wird in etwa diese Anzahl von Kontrolltagen erreicht werden. Die schwerpunktmäßigen Kontrollen von Schulen in den Stadtbezirksamtsbereichen Neustadt, Pieschen und Blasewitz hat sich ebenfalls im Jahr 2019 im Vergleich zu 2018 kaum geändert.

Oft werde in der zweiten und dritten Reihe gehalten. Von vielen Schulen sind Beschwerden diesbezüglich bekannt, so die Stadt. Bei den Kontrollen des Ordnungsamtes werde immer wieder Falschparkerei festgestellt. Besonders auffällig sei das Halten in der zweiten Reihe, um die Kinder aussteigen zu lassen. Angezeigt werde das aber eher selten, da der Autofahrer ja im Auto sitzt. In solchen Fällen gäbe es aber zumindest eine mündliche Verwarnung. Bei den Kontrollen, die seit dem Dienstag nach Schulanfang laufen, sei bislang kein Halten in zweiter Reihe mit einem Bußgeld bestraft worden.

Die Polizei dagegen führt selbst keine expliziten Kontrollen dazu durch und verweist ans Ordnungsamt. Der Schwerpunkt der Kampagne "Sicherer Schulweg" liege eher auf den Geschwindigkeitskontrollen und dem Blick, ob alle angeschnallt sind. Wenn die Beamten auf wilde Parkmanöver vor Schultoren stoßen, setzen sie auf Aufklärungsarbeit. Die Polizisten sprechen die Eltern an, weisen sie auf die Situation hin und empfehlen, etwas weiter weg zu parken. Oftmals reiche es schon, in der nächsten Querstraße zu parken und die letzten Meter mit dem Kind gemeinsam zur Schule zu gehen. "Aber oft stehen die Eltern unter Zeitdruck, sind im Stress. Da ist jeder Meter und jede Minute zu viel."

Welche negativen Folgen haben Elterntaxis für die Kinder?

"Die Kinder entwickeln dann selbst Ängste, die wir im schlimmsten Fall nur mit einer Therapie wieder in den Griff bekommen", so Veit Rößner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Dresdner Universitätsklinikum. Sie könnten weniger Selbstvertrauen entwickeln und bleiben unselbstständig. Auch auf den Körper könne das negative Auswirkungen haben. "Die Kinder können sich nicht mehr so gut bewegen wie früher, viele haben Probleme mit der Motorik", so Rößner. Das mache sich zum Beispiel beim Radfahren bemerkbar. Immer häufiger sehen wir auch Mädchen und Jungen mit Übergewicht, weil sie sich zu wenig bewegen.

Wie kann ich meinem Kind helfen?

Markus Löffler, Verkehrsingenieur beim ADAC, empfiehlt, den Schulweg schon zwei Monate vor Schulanfang mit den Kindern zu üben und dann Schritt für Schritt "loszulassen". Viele Schulen würden extra dafür Pläne mit sicheren Straßen herausgeben. "Der kürzeste ist nicht immer der sicherste Weg", gelte dabei als Regel. Wenn die Eltern unbedingt ihr Kind die ganze Grundschulzeit zur Schule bringen wollen, dann sollten sie das lieber zu Fuß tun, empfiehlt er.

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