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Dresdner entwickeln Brennstoffzelle fürs Zuhause

Das Minikraftwerk ist so groß wie ein Kühlschrank und versorgt ein Einfamilienhaus mit Wärme und Strom. Es soll die Alternative zur Ölheizung werden.

Von Wolfgang Mulke
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Die in Dresden entwickelte Anlage versorgt ein Haus spielend mit genug Wärme und sogar Strom.
Die in Dresden entwickelte Anlage versorgt ein Haus spielend mit genug Wärme und sogar Strom. © Sunfire

Dresden. In den Kraftwerken der großen Energieversorger kommt die so genannte Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) schon lange zum Einsatz. Dabei wird Energie in Strom umgewandelt. Die dabei entstehende Wärme wiederum für Heizungen oder warmes Wasser verwendet. Von dieser Technik können nun auch private Haushalte profitieren. Das Dresdner Unternehmen Sunfire hat ein erstes „klimafreundliches und stromerzeugendes Kraftwerk für Zuhause“ entwickelt.

Es ist so groß wie ein Kühlschrank und kann Ein- und Mehrfamilienhäuser mit Wärme und Elektrizität versorgen. „Immer mehr Immobilienbesitzer in Deutschland möchten sich umweltschonender und effizienter mit Energie versorgen“, sagt Andreas Frömmel, Marketing-Experte von Sunfire. Für viele Hausbesitzer stelle sich die Frage, was sie bei einem möglichen Verbot von Ölheizungen tun können. Die Antwort der Sachsen darauf ist die Verbindung einer Brennstoffzelle mit der KWK. Die Zelle kann mit Erdgas oder auch Flüssiggas betrieben werden und liefert rund 6.600 Kilowattstunden Strom und fast 11.000 Kilowattstunden Wärme pro Jahr. Die Besitzer sind damit unabhängig von einer Versorgung über die Netze.

Noch steckt die Technologie rund um die Brennstoffzelle in den Kinderschuhen. Doch könnte sie zu einem wichtigen Bestandteil der Energiewende werden. Das hofft zumindest Sunfire-Chef Carl Berninghausen, der Sunfire mit zwei weiteren Gründern 2010 ins Leben rief. Seine Vision klang damals noch utopisch. Er wolle „alle Lebensbereiche klimaneutral betreiben“, erinnerte er sich bei der Vorstellung der Neuentwicklung in Berlin. Jetzt ist es zumindest in der Haustechnik schon so weit.

Sieht aus wie ein Kühlschrank, sorgt aber für wohlige Wärme und helle Räume: das Minikraftwerk von Sunfire.
Sieht aus wie ein Kühlschrank, sorgt aber für wohlige Wärme und helle Räume: das Minikraftwerk von Sunfire. © Sunfire

Mit ihren Entwicklungen haben sich die rund 170 Beschäftigten von Sunfire auch international schon einen guten Namen gemacht. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass Sunfire zum sechsten Mal in Folge unter die 100 weltweit besten Unternehmen für nachhaltige Technologien gewählt wurde. Die Marktanalysten der amerikanische Global Cleantech Group haben in 93 Ländern rund 10.000 Unternehmen auf die Finger geschaut, die sich um Technologien im Kampf gegen den Klimawandel kümmern. Darunter sind Entwicklungen zur Abfallnachbehandlung oder zur Lebensmittelproduktion, eine intelligente Netzsteuerung bis hin zur emissionsfreien Luftfahrt.

Berninghausen ist mit der Geschäftsentwicklung zufrieden, spricht von einem starken Wachstum. Zahlen dazu nennt der Vorstandschef jedoch nicht. Die Firma gehört neben den Gründern auch mehreren Kapitalgebern, darunter die Mineralölfirma Total. Das Potenzial der neuen Brennstoffzelle für Zuhause lässt sich nur erahnen. In Japan versorgen sich bereits 350.000 Haushalte auf diese Weise selbst. Wie viele deutsche Hausbesitzer auf die klimaneutrale Lösung setzen, muss sich erst zeigen. Denn die Anschaffungskosten sind noch recht hoch, obwohl die Anlagen öffentlich stark gefördert werden. Rund 35.000 Euro kann ein Sunfire-Home kosten.

Auch wenn die bundeseigene Bank KfW rund 10.000 Euro dazu gibt, dauert es viele Jahre, bis diese Investition in den Klimaschutz durch Kosteneinsparungen gegenüber der herkömmlichen Energieversorgung wieder hereinkommt. Ab wann sich die Anschaffung lohnt, wird sicherlich auch von der Politik abhängen. Je teuer der Verbrauch fossiler Brennstoffe wird, desto schneller rechnet sich eine Anlage wie die aus Dresden.