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Zittau

"Die alten Ritter verlassen uns"

Klaus Richter hat jahrzehntelang die Martinsklause und den Dresdner Hof in Zittau geführt. Er war Gastwirt mit Leib und Seele. Fast jeder kannte ihn. Nun ist er gestorben.

Klaus Richter in den 1980er Jahren hinter dem Tresen im Dresdner Hof in Zittau.
Klaus Richter in den 1980er Jahren hinter dem Tresen im Dresdner Hof in Zittau. © privat

Hinter dem Tresen stehen und mit den Gästen plaudern - das war sein Ding. Klaus Richter war ein Zittauer Gastwirt mit Leib und Seele. Und das seit 1968. Dabei hatte er eigentlich Bankkaufmann gelernt.

Doch das Interesse als Gastwirt war stärker als ein Büro-Job. Mit seiner Frau Inge führte er anfangs die HO-Gaststätte "Martinsklause" in der Johannisstraße. Er stand am Tresen und seine Frau in der Küche. Bis sie dann 1977 den Dresdner Hof als Kommissionsgaststätte übernahmen.

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Der Dresdner Hof war sein Ding. Zusammen sind die beiden eine Institution in Zittau geworden. Zu jedem Gast ging er hin und fragte, schmeckt es euch, geht es euch gut. "Er war im Hungerwinter 1941 geboren. Vielleicht lag es daran, dass er immer wissen wollte, ob seine Gäste mit dem Essen zufrieden waren", erinnert sich seine Tochter Kathrin Scholz.

Er nahm sich auch immer beim Verabschieden der Gäste die Zeit, sie zu fragen, wo sie jetzt hingingen. "Das weiß ich heute meist nicht", gesteht sie. Obwohl Kathrin Scholz ihn in vielen Dingen nacheifert. "Unsere beiden Jungs sind da noch besser. Wenn die am Telefon mit Kunden reden, klingt das oft wie beim Vater", schildert sie. 

Er kannte fast jeden und viele ihn

Mit Klaus Richter einfach so mal in die Stadt zu gehen, war unmöglich. Wenn er seiner Familie sagte, dass er mal kurz zur Bank geht, wussten sie, dass das gut und gerne eine Stunde dauern kann. Er kannte fast jeden und viele ihn. Und bei einem wie geht´s im Vorbeigehen blieb es meist nicht. 

Das ist auch das, was ihm in den letzten Jahren sehr zu schaffen machte. Er sah immer schlechter und wenn die Leute ihn wie einen guten alten Bekannten grüßten, ärgerte er sich, wenn er sich nicht erkannte, schildert seine Tochter.

Ihr Vater hat es ihr vorgelebt, was es heißt, Gastwirt zu sein. Auch wenn die DDR-Kneipenkultur eine ganz andere war und mit der heutigen Zeit nicht zu vergleichen ist, meint sie. Bei Klaus Richter im Dresdner Hof gab es immer viel Spaß. Einmal war ein Gast sogar mit einem Esel gekommen, der graste dann im Hof, erzählt Kathrin Scholz.

Auch der Senfladen war seine Idee

Er hatte immer Ideen, wie es weiter geht. Damals in der DDR wusste er, wie er auch mal an ein Stück Lende mehr herankommt. Eine Hand wusch die andere. Oft ist die Familie auch zum Einkaufen bis nach Berlin gefahren , weil es dort einfach mehr gab. Oder als er mal in Görlitz einen Senfladen sah, fand er sofort, dass man das auch in Zittau machen muss. Klaus Richter aß gern Bockwurst. Der heutige Senfladen in der Neustadt 22 in Zittau ist sein Werk.     

Klaus Richter war beliebt. Das hatten auch die große Anteilnahme jetzt bei der Beerdigung  und die vielen Trauerkarten gezeigt. Der ehemalige Zittauer Stadtrat Thomas Krusekopf schrieb beispielsweise unter anderem: "Die alten Ritter verlassen uns", berichtet Kathrin Scholz.

Klaus Richter hatte seinen Traum gelebt und sein Hobby zum Beruf gemacht. Eigentlich wollte er mit seiner Frau auch mal ein Eis-Café aufmachen. Weil das nicht geworden ist, hatten sie nach der Wende wenigstens einen Eisautomaten gekauft.

Ohne seine Gaststätte ging es bei ihm auch nach der Wende nicht. Mal in Urlaub fahren, hieß für Klaus Richter in drei Tagen schnell mal 3.000 Kilometer zu fahren. Er hatte die Schweiz gesehen, aber nicht mehr Zeit gehabt, meinte er danach. 

Kathrin Scholz ist froh, dass er das Hochwasser 2010, als der Dresdner Hof unter Wasser stand, nicht als Chef erlebte. "Das hätte ihn noch mehr als so schon zu schaffen gemacht. Zwei Jahre zuvor hatte er den Dresdner Hof an sie übergeben. 

Schon das Hochwasser 1987 war schlimm gewesen. Vorsorglich ließ Klaus Richter danach Tresen und vieles andere auf einen zehn Zentimeter hohen Sockel aufbauen. Aber bei dem Jahrhunderthochwasser 2010 half auch das nicht. 

Kathrin Scholz führt das Hotel mit der Gaststätte nun mit ihrem Mann Klaus und ihren beiden Söhnen. "Mein Schwiegervater hat mir mehrmals gesagt, dass er so froh ist, dass  Hotel und Gaststätte weiter in Familienhand bleiben", meint Klaus Scholz. Und er hat sich auch sehr gefreut, dass seine Tochter künftig das Stadthotel im Zentrum Zittaus betreiben wird. Das ist alles in seinem Sinne, ist sich die Familie einig.   

Am 4. Februar war Klaus Richter im Alter von 78 Jahren verstorben. 

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