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Leben und Stil

Dresdner Mediziner entwickeln Parkinson-App

Die Nervenkrankheit wäre eigentlich gut zu therapieren - doch viele gehen zu spät zum Arzt. Die Uniklinik Dresden will das ändern.

Lisa Klingelhöfer zeigt die App zur Früherkennung von Parkinson vor.
Lisa Klingelhöfer zeigt die App zur Früherkennung von Parkinson vor. © Matthias Weber

Von Andreas Klinger

Es sind alarmierende Zahlen. Das Uniklinikum Dresden rechnet bis 2030 mit einer Verdopplung der Patienten mit fortgeschrittenen Parkinson-Symptomen auf rund 64.000 in Sachsen. „Der Leidensdruck der Betroffenen ist immens“, so die Deutsche Gesellschaft für Neurologie.

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Das Problem bei Parkinson: Für eine effektive Behandlung wird die Nervenkrankheit oft viel zu spät erkannt. „Erste Anzeichen zeigen sich teils schon 20 Jahre bevor die Leute das erste Mal zum Arzt gehen“, sagt Lisa Klingelhöfer, Neurologin am Uniklinikum Dresden. Diese ersten Symptome seien jedoch milde und würden Betroffene kaum in ihrem alltäglichen Leben einschränken. Der Gang zum Arzt bleibe daher oft aus.

Sensoren messen Druckkraft

Mit Informatikern und Medizinern aus fünf weiteren EU-Ländern haben Klingelhöfer und andere Ärzte vom Uniklinikum Dresden daher eine App für das Smartphone entwickelt, die bei der Früherkennung helfen soll. Seit zwei Jahren kann „i-Prognosis“ vom Google Appstore geladen werden. „Wir wollen die Möglichkeiten des Smartphones nutzen, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen“, sagt Parkinson-Spezialistin Klingelhöfer. Zwar könne Parkinson bislang nicht geheilt werden, eine frühe Erkennung ermögliche aber Therapien, die die Lebensqualität der Betroffenen deutlich steigern.

Derzeit befindet sich das Projekt in der Forschungsphase. „Die App wird in Fachkreisen als sehr vielversprechend eingeschätzt“, sagt Günther Höglinger, Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen. Nach dem Laden auf das Smartphone läuft die App im Hintergrund und misst etwa, wie flüssig Nutzer Nachrichten eintippen. Auch unregelmäßige Druckkraft beim Eingeben könne auf Parkinson hinweisen, so Klingelhöfer. Die Krankheit ist unter anderem durch Verlangsamung der Bewegung, Muskelsteifigkeit und zitternde Hände gekennzeichnet. Letzteres soll die App durch Sensoren im Smartphone erkennen.

Oft kommt Depression dazu

Auch Telefonate oder Sprachnachrichten analysiert die App. Dabei werden keine Gespräche mitgeschnitten, sondern erfasst, ob die Stimmlage der Nutzer etwa mit der Zeit monotoner wird. Ein Zeichen für Parkinson könne auch sein, wenn die Stimme des Sprechenden am Satzende leiser wird.

„Nicht selten geht der Parkinson-Erkrankung auch eine Depression voraus“, erklärt Klingelhöfer. Darum testet die App auch Kurznachrichten nach bestimmten Schlüsselbegriffen. Ein vermehrtes Auftreten von Wörtern wie „schlecht“ oder „traurig“ lasse ebenfalls Rückschlüsse auf ein Krankheitsrisiko zu.

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Die Informationen werden anonymisiert und verschlüsselt in eine Datenwolke übertragen und von Algorithmen ausgewertet. Bei Auffälligkeiten erhalten Nutzer eine Nachricht und Kontaktdaten von Parkinsonspezialisten, bei denen sie sich vorstellen können. Laut Klingelhöfer wurde die App schon rund 2.200-mal geladen. Um die Prognosequalität zu verbessern, werden weitere Probanden gesucht, die die App längerfristig nutzen – auch solche, bei denen bereits Parkinson festgestellt wurde.


Studie Anmeldung zur Teilnahme als Gesunder oder Parkinson-Patient per E-Mail: [email protected]