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Dresdner Musiker texten Corona-Songs

Karsten Dudek und Michael Hloucal singen über Hausarrest, Quarantäne und Fußball. Und sprechen den Dresdnern damit offenbar aus der Seele.

Zwei Spaßvögel aus Laubegast: Michael Hloucal (l.) und Karsten Dudek wollen mit ihren Songs in der Corona-Krise für ein wenig gute Laune sorgen.
Zwei Spaßvögel aus Laubegast: Michael Hloucal (l.) und Karsten Dudek wollen mit ihren Songs in der Corona-Krise für ein wenig gute Laune sorgen. © Sven Ellger

Dresden. Dass sein Corona-Song so durchstartet, hätte Karsten Dudek vor zwei Wochen nicht gedacht. Eigentlich sollte "Hausarrest (Schei*Corona)" nur eine kleine Aufmunterung für seine Kumpels sein, jetzt in der Corona-Krise. Per Whatsapp schickte er das Musikvideo in den Freundeskreis. Der war so begeistert, dass ein zweiter Song samt Video folgte - und Dudek schon am dritten schreibt. 

Die Idee dazu entstand in einer Gefühlsmischung aus Depression und Langeweile, erzählt der Dresdner. Normalerweise produziert Dudek mit seiner Firma dieaudiowerkstatt.com Werbespots für den Rundfunk, spricht unter anderem Texte für Hitradio RTL, die Agentur Augensturm und das Freiberger Brauhaus ein. Am 13. März - der "schwarze Freitag", wie Dudek ihn nennt - bricht ihm ein großer Auftrag weg. Für den Selbstständigen ein herber Verlust, nicht nur finanziell. Am Wochenende grübelt er, überlegt, wie es weitergehen soll. "Ich habe immer nur gedacht: Dieses scheiß Corona." 

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Als Dudek, der auch Musiker ist,  am Montag wieder in sein Aufnahmestudio fährt, beschließt er, einen Song zu schreiben. Und zwar auf die Melodie des 1979 entstandenen Hits "My Sharona", weil sich Corona so gut reimt darauf. "Der Text kam ganz schnell aufs Papier, nach 30 Minuten war er fertig." Er singt ihn ein, nimmt die einzelnen Instrumente auf, produziert den Song komplett selbst - und schickt ihn per Whatsapp an die Kumpels. Einer von ihnen ist Michael Hloucal, Fernsehjournalist und Profi im Produzieren von Kurzfilmen. "Also haben wir einfach noch ein passendes Video dazu gedreht", sagt Karsten Dudek. 

Die Szenen habe er so etwa im Kopf gehabt, vieles ist spontan beim Dreh entstanden. "Es stand eigentlich nur fest, dass die Pantoffeln meines verstorbenen Großvaters und Klopapier mit rein müssen." Das gelb-braun-karierte Paar DDR-Hausschuhe steht für die Ausgangsbeschränkung, die der Freistaat den Sachsen verordnet hat. Karsten Dudek empfindet das als Hausarrest - deshalb der Songtitel. Im Video benutzt er die Pantoffeln am Schlagzeug auch als Drumsticks. "Die Idee kam uns beim Dreh, das ist doch witzig. Wir wollen den Leuten einfach ein bisschen Spaß bereiten in dieser Zeit." 

Neuester Song: Corona-Krise und Fußball

Michael Hloucal, der in diesem Jahr das 25. Bühnenjubiläum seiner Band "Getränke-Alkoholiker" feiert und bekannt für trashige Songs und Outfits ist, bekommt im Video natürlich auch seinen Auftritt mit punkigen Kostümen. Am Schluss des knapp einminütigen Liedes sogar im rosafarbenen Osterhasen-Overall. "Ich gebe es zu: Am Anfang hatte ich eigentlich keinen Bock darauf", sagt Hloucal. Aber dann sei es doch ganz cool gewesen, den "Clown" zu spielen. 

Mit ihrem Song treffen sie offenbar einen Nerv, wohl auch, weil sie vielen Menschen mit ihrem Titel aus der Seele sprechen. Die Resonanz ist groß, so groß, dass sie auch zum zweiten Lied "Kwarantene, Kwarantene" ein Video drehen. Dieses Mal ist der Text, der die Abstinenz in der Corona-Zeit mit einem Augenzwinkern besingt, auf die Melodie von "Katherine, Katherine" geschrieben. Warum, erklärt sich aus der Ähnlichkeit der Wörter. Auch Pantoffeln spielen eine Rolle, dieses Mal sind es die blau-weiß-gestreiften von Dudeks Schwiegermutter. 

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Inzwischen nennen sich Dudek und Hloucal "F*ckcoronas" und arbeiten am dritten Song und dem Video dazu. "Jetzt machen wir alles etwas professioneller, haben ein richtiges Konzept für den Dreh." Beim Einsingen sind dieses Mal auch Freunde aus ihrem Stadtteil Laubegast dabei. Weil es um ihre gemeinsame große Leidenschaft Fußball geht, wird auf dem Sportplatz gefilmt. Gar nicht so einfach, einen Platz zu bekommen, denn die sind zurzeit alle geschlossen, niemand darf in der Mannschaft kicken. 

Genau darum geht es im neuen Song "Gibbe den Ball". Um geplagte Eltern, weil ihre Kinder nicht trainieren können. Als Vater von zwei Söhnen weiß Karsten Dudek nur zu gut, was das bedeutet. Es geht aber auch um Männer, die derzeit auf das Fußballspiel im TV verzichten müssen. Die Forderung des Liedes: "Gib den Ball doch endlich frei!" Auch damit dürfte das Duo vielen Männern aus dem Herzen sprechen.  

Die Videos sind übrigens auf dem Youtube-Kanal "michahloucal" zu sehen. 

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