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Dresden

Rüpel-Richter muss zahlen

Er fuhr in Dresden mit dem Fahrrad einen Hund an, auch das Frauchen erlitt Verletzungen. Statt anzuhalten, trat der Mann aber in die Pedale.

Mehrmals wollte Andreas D. nicht akzeptieren, was seine Richter-Kollegen in Dresden sagten. Jetzt muss er doch zahlen.
Mehrmals wollte Andreas D. nicht akzeptieren, was seine Richter-Kollegen in Dresden sagten. Jetzt muss er doch zahlen. © Rene Meinig (Symbolbild)

Mit etwas Selbstkritik hätte sich Andreas D. (51) einen Haufen Ärger und Kosten ersparen können. Man darf auch sagen, dass der Dresdner genau gewusst hatte, was er tat, denn er ist studierter Jurist und arbeitet als Richter in Brandenburg. So weit, so normal. Auch Richter sind Menschen, die mal einen schlechten Tag erwischen.

Andreas D., das macht den Fall so außergewöhnlich, muss jedoch einige schlechte Tage gehabt haben. Einer war der 22. Juli 2018. Am Nachmittag jenes Sonntags radelte D. auf dem Elberadweg in Dresden. Er fuhr vom nördlichen Kopf der Waldschlößchenbrücke hinunter, sah eine Fußgängergruppe und rief noch „Mach deinen Scheiß-Hund weg!“. Dann erfasst er mit hohem Tempo das Tier, Chihuahua-Hündin Gina. Sie blutete, der Arzt stellte einen Leistenbruch fest. Frauchen Olga S. (35) erlitt Verbrennungen am Oberarm und an der Hand – durch den starken Ruck an der Leine.

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Andreas D. jedoch war weitergeradelt, ohne sich um den Schaden zu kümmern. Andere Radfahrer hatten ihn eingeholt. Der Fall hätte glimpflich enden können. Olga S. hätte eine Entschuldigung genügt. Doch die kam nicht, also zeigte sie die Tat an. D. erhielt von seinen Dresdner Kollegen einen Strafbefehl, in dem er zu einer Geldstrafe von 3.300 Euro und einem einmonatigen Fahrverbot verurteilt wurde – wegen fahrlässiger Körperverletzung und Unfallflucht. An seinem zweiten schlechten Tag hatte D. Einspruch dagegen eingelegt.

Im erstinstanzlichen Prozess war D. nicht erschienen, hatte seinen Verteidiger vortragen lassen, er habe den Unfall nicht bemerkt, auch weil der Fahrtwind so laut war. Das Amtsgericht Dresden verurteilte den uneinsichtigen Angeklagten schließlich am 9. April 2019 zu einer Geldstrafe von 7.000 Euro und hielt auch das einmonatige Fahrverbot aufrecht. Mehrere Zeugen hatten D. erheblich belastet. Bekannt wurde auch, dass D. den Mann von Olga S. rassistisch beleidigt haben soll, indem er ihm angekündigt habe, bald abgeschoben zu werden. Als Grund dafür nannte Olga S. die dunkle Hautfarbe ihres Schwiegervaters. Immerhin habe sich der Richter dafür noch vor Ort entschuldigt. Olga S. und ihr Mann sind Deutsche.

Geld fürs Frauchen

Doch Richter D. akzeptierte auch dieses Urteil nicht. Er sprach von einem „krassen Fehlurteil“, das schleunigst aufzuheben sei, forderte das Landgericht auf, alle Akten sofort zu löschen, sonst werde er den Freistaat Sachsen verklagen. Das müsste nun mindestens der vierte schlechte Tag des 51-Jährigen in dieser Sache gewesen sein.

Am Montag, zehn Monate nach dem Amtsgerichtsurteil, kam D. persönlich zu seinem Berufungsprozess. „Wenn man selbst betroffen ist, verliert man schnell den Realitätssinn“, glättete D.s neuer Verteidiger Andreas Gumprich die Wogen. Sein Mandant sehe ein, dass er sich falsch verhalten habe. Es sei „eine gewisse Einsicht“ da. Ihm drohe ein Disziplinarverfahren. Gumprich bat, die Sache einzustellen.

Dazu waren Gericht und Staatsanwaltschaft jedoch erst bereit, nachdem D. ein Geständnis abgelegt, Fragen dazu beantwortet und sich bei Olga S. persönlich entschuldigt hatte.

Die Berufungskammer stellte das Strafverfahren gegen Zahlung von zwei Brutto-Monatsgehältern ein – 11.400 Euro. Die Hälfte davon sprach das Gericht Olga D. zu.

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