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Dresdner sorgen sich um Dampfer-Zukunft

Die Nachricht, dass die Flotte der Sächsischen Dampfschiffahrt vor dem Aus stehen könnte, sorgt für Bestürzung in Dresden. Was Sächsische.de-Leser fordern.

Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehören könnte? Viele Sächsische.de-Leser können sich mit dem Gedanken einer Stadt ohne Dampfer nicht anfreunden.
Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehören könnte? Viele Sächsische.de-Leser können sich mit dem Gedanken einer Stadt ohne Dampfer nicht anfreunden. ©  Archiv/Ronald Bonss

Dresden. Ein Elbufer ohne historische Dampfer, Dresden ganz ohne die Flotte der Sächsischen Dampfschiffahrt? Das können sich viele Leser von Sächsische.de kaum vorstellen. Unter dem Posting eines Artikels bei Facebook, in dem es um die schwierige finanzielle Lage des Unternehmens geht, auf welche mehrere Mitarbeiter der Dampfschiffahrt am Donnerstag hingewiesen hatten, haben etliche Kommentatoren ihrer Bestürzung Luft gemacht. Mehr als 200-mal wurde der Artikel bisher kommentiert, die meisten Leser waren sich dabei einig: Die Flotte muss um jeden Preis erhalten bleiben. 

"Dresden ohne seine Dampfschiffe ist einfach unvorstellbar", findet zum Beispiel Kevin Kloß und Jan Lehmann kommentiert, die Stadt würde sonst eine Sehenswürdigkeit und einen Tourismusmagneten verlieren. "Wäre mehr als traurig." Auch Jens Laukner kann sich ein Dresden ohne Dampfschiffe nicht vorstellen. Gudrun Krumpolt erklärt: "So eine lange Tradition lässt man einfach nicht untergehen." Die Weiße Flotte gehöre zu Dresden und der Region wie die Frauenkirche und die Bastei.

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Viele Kommentarschreiber fordern den Freistaat auf, etwas zur Rettung der Flotte zu unternehmen. Ramona Kretschmann: "Hier ist das Land gefragt." Die Dampfschifffahrt gehöre zu Dresden wie der Zwinger, die Frauenkirche und viele andere Sehenswürdigkeiten. "Es wäre ein großer, nicht wiedergutzumachender Verlust für die Stadt." Auch Manuela Röder würde es gut finden, "wenn das Land dort aushilft. Auch wenn man eventuell an anderen Konzepten arbeiten müsste, um die Zeit mit Niedrigwasser abdecken zu können."

Roland Perleberg mahnt die Landesregierung an, "dieses Prestige nicht aus der Hand zu geben, weil dieses touristische Erlebnis ein Muss ist für jeden Gast". Die Weiße Flotte zu retten, hätte etwas Bürgernahes, findet Mario Herrfurth. "Da sind die Begehrlichkeiten auch nicht so abgehoben, wie bei der Lufthansa..." Auch Michaela Eisold sagt: "Bei großen wirtschaftlichen Unternehmen wird immer geholfen, siehe Lufthansa."

"Endlich tönen die Dampfschiff-Sirenen wieder"

Vor allem mit einem anderen - sächsischen - Unternehmen werden aber immer wieder Vergleiche gezogen: "Die Weise Flotte gehört genau wie die Tellerdreher in Meißen zur sächsischen Kultur, also sollte da geholfen werden", kommentiert Hansi Dathe. "Man muss es nur wollen." Auch Thomas Franke zieht den Vergleich zur Meissener Porzellanmanufaktur, wenn er auch sogleich einräumt, dass dieser "womöglich nicht ganz korrekt ist": "Wie ist das mit der Porzellanmanufaktur in Meißen? Wie viele Euros werden da jährlich investiert oder besser vom Land gegeben? Beides sind Kulturgüter. Beides ist aus meiner Sicht unabdingbar für die ganze Region im Elbland hier in Sachsen." Claudia Mueller würde dagegen am liebsten selbst aktiv werden und fragt, ob die Dresdner nicht eine Spendenaktion starten können.

Ein paar Leser sehen die Angelegenheit etwas differenzierter, verweisen auf die trockenen Jahre, die der Flotte zu schaffen machten, gegen die man aber nichts unternehmen könne. "Als Kind gehörte es wenigstens einmal im Sommer dazu, mit dem Dampfer von Riesa nach Meißen zu fahren", erzählt Birgit Marx. Inzwischen könne sie sich nicht mehr daran erinnern, seit wann das nicht mehr möglich sei. "Natürlich wäre Dresden ohne Dampfschifffahrten nicht schön, aber was will man gegen die Dürreperioden der letzten Jahre machen?" Seine Treue zur Dampfschiffahrt versichert Andre Grabs. "Wenn die liebe Verwandtschaft kommt, sind wir immer auf dem Schiff." Er freue sich schon auf die erste Fahrt.

Die erste Fahrt nach der Corona-Pause fand bereits am Freitag statt, die drohende Insolvenz war dabei nicht nur auf dem Schiff ständig Thema. Auch SZ-Leser Reinhard Decker beschäftigte die Frage nach der Zukunft der Flotte, als er das Tuten des Dampfers hörte. "Endlich tönen am heutigen Vormittag die lang vermissten Dampfschiff-Sirenen wieder durch das Elbtal - zum ersten Mal in diesem Jahr!", schrieb er in einer E-Mail an die Redaktion. "Freude kommt auf. Doch mischen sich auch Klageklänge unter? Was können wir Dresdner tun, um unser einmaliges Kulturgut vor der drohenden Insolvenz zu retten?"

Einen Vorschlag hat Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) bereits am Freitag unterbreitet: "Die Eingliederung in den VVO wäre ein geeigneter Weg", sagte er in einem Statement zur Situation der Sächsischen Dampfschiffahrt.

Was viele Dresdner Dampfer-Fans, darunter sicherlich auch manche Facebook-Kommentatoren, besonders spannend finden könnten: Hilbert brachte auch die Idee eines Linienverkehr auf der Elbe wieder ins Spiel - "im Sinne des öffentlichen Nahverkehrs". 

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