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Dieser Dresden-"Tatort" ließ einen verzweifeln

Das Ermittlerteam in der Landeshauptstadt bleibt ein ganz spezielles. Dabei standen die Kommissarinnen bei der Geiselnahme im Kinderheim gar nicht im Fokus.

Die Kommissarinnen Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski): Die Tatort-Ermittlerteams werden weiblicher.
Die Kommissarinnen Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski): Die Tatort-Ermittlerteams werden weiblicher. © MDR/HA Kommunikation

Sie siezen sich ja immer noch. Waren die beiden nicht schon beim Du? Wäre jedenfalls glaubhafter. Sie sind doch längst auf dem besten Weg, ein richtig gutes Team zu werden, die Kommissarinnen Gorniak und Winkler alias Karin Hanczewski und Cornelia Gröschel. Ein viel besseres jedenfalls als in der früheren Konstellation mit Alwara Höfels. 

Einerseits war es ja wohltuend, dass die Folge "Die Zeit ist gekommen" am Sonntagabend ganz im Gegensatz zu den bisherigen Folgen komplett auf die Privatangelegenheiten der beiden Frauen verzichtete. Andererseits hätte man sie schon noch gern ein bisschen näher kennengelernt.  Aber dazu wird sicher noch Gelegenheit sein. 

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So viel Frauenpower gibt's nur in Dresden

Bei diesem psychologisch so eindringlichen Fall mit der ungeplanten Geiselnahme eines Ex-Knackis im Kinderheim, der sich sein eigenes Familienglück zerstört, hätte Firlefanz nur gestört. Dass aus der Perspektive des Verdächtigen erzählt wurde, stahl den Ermittlerinnen keineswegs die Show. Dass ihre Versuche, die Geiseln zu befreien, nicht immer sehr professionell und erfolgreich waren, macht sie eher sympathisch. Sind zwar zwei harte Kerlinnen, die beiden, aber wahrlich keine Alleskönner-Cops.

© MDR/HA Kommunikation
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Die "Tatort"-Kommissare sind in der ARD  generell weiblicher geworden. Gemischte Teams werden häufiger. Neben Dresden ermitteln inzwischen auch in Göttingen (Lindholm & Schmitz) und Ludwigshafen (Odenthal & Stern) reine Frauenteams. Aber die Dresdner Konstellation, in der trotz allem immer noch ein Mann der Chef ist,  ist dennoch eine spezielle.  "So viel Frauenpower und einen derart charismatischen Chef gibt's nur in Dresden", sagt Martin Brambach über seine Kolleginnen und sich selbst.

In seiner Rolle als Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel sorgt er für die ganz besondere Note. Ein paar schräge Szenen und komische Sprüche, die hier völlig ausblieben, dürfen es beim nächsten Mal aber ruhig wieder sein. Man muss es ja nicht übertreiben wie in den ganz frühen Folgen.

Eine unaufhaltsame Abwärtspirale

Aber selbst ein kleiner Schuss Comedy wäre in diesem Film zu viel gewesen. Dazu war das alles viel zu traurig. Nicht die Spannung war es, die den Zuschauer fesselte. Dazu hat man viel zu viele Geiselnahmen und SEK-Einsätze in solchen Krimis gesehen. Und das Ganze hatte auch seine Längen. Verzweifeln ließ einen aber diese unaufhaltsame Abwärtsspirale, in der eine eigentlich doch sympathische Familie aus Verzweiflung und Dummheit strudelte, großartig besetzt mit Max Riemelt, Katia Fellin und Claude Heinrich als Sohn.

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