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Dresdner Tierheim vor dem Aus

Veronika Leutner leitet das Tierheim in Pieschen, das hat jetzt Geldprobleme. Was aus den herrenlosen Katzen wird.

Veronika Leutner leitet das Tierheim auf der Leipziger Straße seit 30 Jahren ehrenamtlich. Derzeit sind dort rund 30 herrenlose Katzen sowie Hasen und Meerschweinchen untergebracht. Doch es droht die Schließung.
Veronika Leutner leitet das Tierheim auf der Leipziger Straße seit 30 Jahren ehrenamtlich. Derzeit sind dort rund 30 herrenlose Katzen sowie Hasen und Meerschweinchen untergebracht. Doch es droht die Schließung. © Sven Ellger

Veronika Leutner streichelt Puschel liebevoll über das schwarz-weiße Fell. Die Katze schnurrt behaglich, sie liebt Streicheleinheiten. Eigentlich eine gute Voraussetzung, um eine Familie glücklich zu machen. Aber Puschel wurde gerade zum zweiten Mal im Tierheim des Tierschutzvereins 1839 e.V. auf der Leipziger Straße abgegeben. „Die neuen Besitzer, an die wir sie vermittelt haben, kamen mit den Haaren nicht klar“, erklärt Leutner. Nun droht Puschel, auch sein neues, altes Zuhause im Tierheim wieder zu verlieren – und mit ihm rund 30 weitere Katzen sowie zwei Hasen und Meerschweinchen. Denn der Verein ist in finanzielle Schieflage geraten.

Wie dramatisch ist die Lage?

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„Wir hangeln uns von Monat zu Monat“, sagt die Vereinsvorsitzende Angelika Krauß. Rund 3.000 Euro hat der Verein im Monat an Ausgaben für Miete, Tierarztkosten, Futter und Co. Lohnkosten fallen nicht an, da alle Mitarbeiter – auch die Leiterin – ehrenamtlich arbeiten. „Die kommen derzeit nicht ansatzweise zusammen.“ Noch zehre der Verein von einer Erbschaft. Doch bald sei diese aufgebraucht. „Dann müssen wir das Tierheim wahrscheinlich schließen“, sagt Leiterin Veronika Leutner.

Wieso ist der Verein in Not?

Der Verein finanziert sich zum einen über Mitgliedschaften und Spenden. Der Jahresbeitrag für Mitglieder liegt bei 20 Euro. Derzeit gibt es rund 160 Mitglieder. „Viele sind gestorben oder haben gekündigt“, so die Leiterin. Auch die Spendenbereitschaft gehe zurück – ein weiteres Standbein des Vereins. Neben Einzelspenden können auch Tierpatenschaften abgeschlossen werden. Dann wird monatlich ein fester Betrag für ein bestimmtes Tier gezahlt.

Daneben nimmt der Verein auch mit der Vermittlung von Tieren sowie einer Pension Geld ein. So zahlen die künftigen Besitzer für eine Katze 40, für einen Hasen oder ein Meerschweinchen fünf Euro. „Viele finden das viel“, sagt Leutner. Allerdings wiege das bei Weitem nicht die Kosten auf, die für Verpflegung, Pflege und medizinische Versorgung der Tiere investiert werden. Schließlich werden alle Katzen entwurmt, von Flöhen befreit, kastriert und meist geimpft. „Vermittlungen finden bei uns aber relativ selten statt“, sagt Leutner. Denn viele Katzen seien alt und krank. „Deswegen haben wir Tiere hier, die teilweise schon sieben Jahre bei uns leben.“ Die Leute hätten heutzutage zudem hohe Ansprüche. „Manche wollen nur eine schwarze, manche eine junge und andere eine, die nicht haart.“ So käme es auch immer wieder vor, dass vermittelte Katzen wieder abgegeben werden – so wie Puschel. Für die Pensionsgäste werden derzeit fünf Euro am Tag fällig. „Allerdings holen einige Halter ihre Tiere nicht mehr bei uns ab und zahlen dementsprechend auch nicht für den Unterhalt“, sagt Leutner.

Was passiert, wenn das Heim schließt?

Wenn das Aus nicht verhindert werden kann, müssen die derzeit rund 30 Katzen, zwei Hasen und Meerschweinchen sowie alle Tiere, die bis dahin dazukommen, an andere Anlaufstellen für herrenlose Tiere in Dresden verteilt werden. In Dresden gibt es allerdings nur das städtische Tierheim in Stetzsch sowie das Katzenhaus in Luga.

„Es wird für alle Einrichtungen in Dresden und im Einzugsgebiet von Dresden bei einem Wegfall einer Einrichtung eine zusätzliche Belastung sein, die entfallende Kapazität aufzufangen“, sagt Anne Jassner, Vorsitzende des Tierschutzvereins, der das Katzenhaus in Luga betreut.

Das städtische Tierheim stellt allerdings klar, dass es für dieses Szenario eine Lösung gibt. So gebe es dort in Notfällen die Möglichkeit, andere Räume für die Unterbringung von Katzen zu nutzen und so die Aufnahmekapazität von derzeit 90 Katzen zu erhöhen.

Kann das Aus noch verhindert werden?

Das hoffen sowohl die Vereinsvorsitzende als auch die Tierheim-Leiterin. Im kommenden Jahr wollen sie die Vermittlungsgebühr auf 70 Euro und die Pensionskosten auf sieben Euro anheben. Damit kommen sie vielleicht noch eine Weile über die Runden. Doch das Aus droht Monat für Monat.

Wer dem Verein helfen möchte, kann unter 7995550 Kontakt aufnehmen: www.tierschutzverein-dresden-1839.com

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