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Gefangene misshandelt: Anklage gegen Wachmänner

Sechs Justizmitarbeiter müssen sich wegen Körperverletzung im Amt verantworten. Aufgeflogen war die Gruppe mithilfe ihrer eigenen Whatsapp-Nachrichten.

In der Justizvollzugsanstalt Dresden sollen mehrere Mitarbeiter Gefangene geschlagen haben.
In der Justizvollzugsanstalt Dresden sollen mehrere Mitarbeiter Gefangene geschlagen haben. © Archivbild: Robert Michael

Die Staatsanwaltschaft Dresden hat sechs Justizvollzugsbedienstete wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt angeklagt. Sie sollen Gefangene im Dresdner Gefängnis misshandelt haben. Die Beschuldigten sind vom Dienst suspendiert, fünf erhalten gekürzte Bezüge.

Wie die Behörde am Freitag mitteilte, haben zwei Beschuldigte den Ermittlungen zufolge einen afghanischen Gefangenen im Juli 2018 in der Justizvollzugsanstalt auf den Boden geworfen und mit Faustschlägen gegen Oberkörper und Kopf traktiert. Ein Arbeitskollege habe die Tat beobachtet, sei aber nicht eingeschritten.

Drei Bediensteten wird vorgeworfen, etwa eine Woche später einen Tunesier ebenfalls zu Boden gebracht, an den Händen gefesselt und mehrfach gegen den Oberkörper getreten und geschlagen zu haben. Das Opfer habe Hämatome und Schmerzen erlitten. Ein Marokkaner sei in seiner Zelle, die unter Wasser stand, geschubst worden, so dass er ausrutschte und mit dem Kopf gegen die Toilettentür gestoßen sei. Der Gefangene habe eine blutende Wunde am Kopf davon getragen.

Ex-JVA-Mitarbeiter veröffentlichte Haftbefehl

Die Ermittlungen gegen die JVA-Mitarbeiter waren nach der Auswertung von Chatnachrichten einer Whatsapp-Gruppe namens G 1 im April 2019 in Gang gesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte Monate zuvor Kenntnis von der Existenz der Gruppe erfahren. Damals hatten bei mehreren Beamten Durchsuchungen wegen der Verletzung von Dienstgeheimnissen stattgefunden. Anlass war die illegale Veröffentlichung eines Haftbefehls nach einem Tötungsdelikt in Chemnitz. Der ehemalige JVA-Mitarbeiter, der wegen Fotografierens und Veröffentlichens des Haftbefehls rechtskräftig verurteilt wurde, gehört ebenfalls zum Kreis der Beschuldigten.

Auf den meisten Handys war der Whatsapp-Messenger vermutlich von den Tatverdächtigen gelöscht worden. Daher mussten die Ermittlungsbehörden die Geräte zur Auswertung an eine Spezialfirma schicken – eine langwierige Prozedur.

Ein Mitglied der Chatgruppe hatte unter anderem Fotos und ausländerfeindliche Kommentare nach seinem Besuch des Geburtshauses von Adolf Hitler in Österreich verschickt. Auch er soll zum Kreis der Beschuldigten gehören.

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