merken
PLUS Dresden

Dresdner Dampfer: Investor will zwei Schiffe verkaufen

Das Bundeskartellamt gestattet die Übernahme - und der Finanzminister freut sich. Doch der Schweizer Investor will einiges ändern.

Das große Salonschiff "August der Starke" soll neben der "Gräfin Cosel" in einigen Jahren ersetzt werden. Foto: Sven Ellger
Das große Salonschiff "August der Starke" soll neben der "Gräfin Cosel" in einigen Jahren ersetzt werden. Foto: Sven Ellger © Sven Ellger

Dresden. Die älteste Raddampferflotte der Welt in Dresden hat eine neue Eigentümerin. Seit dem 1. September steht die United Rivers AG aus Basel in der Schweiz am Steuer. Großaktionär und Vorstandschef Robert Straubhaar sagte am Mittwoch in Dresden: „Wir treten an mit Respekt vor rund 200 Jahren Historie". Der 59 Jahre alte Schweizer will künftig die Geschicke der Dampferflotte als Geschäftsführer gemeinsam mit dem gebürtigen Kamenzer Stefan Bloch lenken. Alle rund 150 Mitarbeiter des Dresdner Unternehmens sowie der Tochterfirmen sollen ihren Job behalten.

"Wir können Schiff. Wir können Elbe. Wir können Niedrigwasser", sagte Straubhaar. Seine United Rivers AG managt nach eigenen Angaben rund 100 Passagierschiffe auf Flüssen. Das Unternehmen hat rund 3.000 Mitarbeiter und machte 2019 einen Umsatz von rund 230 Millionen Euro. Zum Konzern zählt auch die Köln-Düsseldorfer Rheinschiffahrt.

TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen

Was ist los in Sachsen und Umland? Wo gibt es was zu erleben? Unsere Top-Veranstaltungen der Woche!

Das Bundeskartellamt stimmte bereits am 25. August dem "Erwerb der Vermögensgegenstände der Sächsischen Dampfschiffahrts-GmbH & Co. Conti Elbschiffahrts KG, der Elbe-Zeit Dresden GmbH sowie der Crash-Ice Veranstaltungsservice GmbH" zu. Straubhaar bezeichnete den Erwerb als  "eine strategische Aufgabe mit langfristigem Engagement". Dabei sei er sich der Tradition und des Erbes bewusst. 

Zeit der Salonschiffe läuft ab

Sachsens Finanzminister Hartmut Vorjohann (CDU) zeigte sich erleichtert über die Rettung des Unternehmens. "Ich freue mich, dass wir einen Investor gefunden haben, der in das Unternehmen investiert und zugleich die Arbeitsplätze sichert", sagte er.  Man habe jetzt "die Chance auf zukunftssichere Strukturen, die die Dampfschifffahrt auf der Elbe nachhaltig und langfristig sichern".

Die bisherige Kommanditgesellschaft, bei dem der Freistaat die Mehrheit in der haftenden GmbH hatte und Privatanleger unterschiedlich viel Geld investiert hatten, wird in die Insolvenz gehen. Ihr Vermögen sowie der Geschäftsbetrieb wird in zwei neuen Unternehmen zusammengefasst: Die Weiße Flotte Sachsen GmbH übernimmt das laufende Geschäft, das Catering sowie das Personalrecruiting. Zudem kommen die beiden Salonschiffe "Gräfin Cosel" und "August der Starke" in ihren Besitz. Die neun historischen Dampfschiffe hingegen werden vom Tochterunternehmen Kulturerbe Dampfschiffflotte Dresden GmbH übernommen. 

Die Zeit der zwei Salonschiffe läuft aber wohl ab, deutete der neue Eigentümer am Mittwoch an. Im Moment sei keine Flottenerweiterung geplant, "in einigen Jahren" sollen jedoch die zwei Schiffe ersetzt werden. "Es sind gute Schiffe", sagte Straubhaar und ging nicht genauer darauf ein, wie viele Jahre er den zwei Neubauten aus Tangermünde noch gibt. Beide wurden 1994 in Betrieb genommen.

Keine Angaben zum Kaufpreis

Für die Gäste soll sich in diesem Jahr erst einmal nichts verändern. Straubhaar deutete jedoch an, vom nächsten Jahr mehr fahren zu wollen. Die Winterpause wollen Straubhaar und sein Team nutzen, um neue Ideen für die nächste Saison zu entwickeln. "Wir wollen mehr Präsenz zeigen, mehr Vielfalt und auch die jüngere Generation ansprechen." Die Liegezeiten der Schiffe sollen so kurz wie möglich ausfallen. 

Der von der alten Geschäftsführung geholte Sanierer Burkhard Jung sagte, Hauptkriterien für den Zuschlag an die United Rivers AG seien "die langfristige wirtschaftliche Stabilität des Konzeptes, das Einbringen von strategischem Knowhow und der Kaufpreis" gewesen. Der wurde nicht genannt. Nach Informationen von Sächsische.de lag er im mittleren einstelligen Millionenbereich.

In den vergangenen Jahren hatten mehrere Niedrigwasserperioden teils hohe Verluste bei der Dampferflotte verursacht. Die Corona-Pandemie verschärfte die finanziellen Schwierigkeiten. Eine Gewährung von Hilfen durch Bund und Land war aus beihilferechtlichen Gründen nicht möglich. Am  3. Juni begann das Unternehmen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Dem vorläufigen Gläubigerausschuss, dem Sachwalter und der Geschäftsführung gelte Dank für deren Weitblick und Engagement, sagte Sanierer Jung. „Ohne sie hätten wir diesen Erfolg nicht erreicht.“ Auch der Freistaat habe geholfen. Insolvenzverwalter Frank-Rüdiger Scheffler sagte: „Formal wurde eine rein privatwirtschaftliche Lösung gefunden, aber der Freistaat stellt als Grundstückseigentümer die Anleger am Terrassenufer zur Verfügung.“ Nach Informationen von Sächsische.de hat der Freistaat den Pachtzins jedoch deutlich erhöht.

Weiterführende Artikel

Kommentar: Im sicheren Hafen

Kommentar: Im sicheren Hafen

SZ-Redakteur Christoph Springer hofft, dass die Irrfahrt der Weißen Flotte auf der Elbe mit dem neuen Eigentümer endlich zu Ende ist.

Die Dampferflotte ist eine „Ikone“

Die Dampferflotte ist eine „Ikone“

Die neuen Eigentümer setzen auf historische Schiffe und die Mitarbeiter. Es soll dennoch Änderungen geben.

Schweizer steuern künftig Dresdner Dampfer

Schweizer steuern künftig Dresdner Dampfer

Die Entscheidung, wer die Weiße Flotte übernehmen soll, ist gefallen. Bis zuletzt gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem Dresdner Investor.

Wie die Weiße Flotte in die Krise steuerte

Wie die Weiße Flotte in die Krise steuerte

Der Sächsischen Dampfschiffahrt ist das Geld ausgegangen. Niedrigwasser und Corona sind nicht die alleinigen Ursachen. Eine Analyse.

Die bisherige Geschäftsführerin Karin Hildebrand zeigte sich mit dem Resultat ebenfalls zufrieden. "Die Traditionsflotte gehört wie Semperoper und Frauenkirche zu Dresden und ich bin froh, dass die Zukunft der Dampferflotte gesichert ist.“ Die Mitarbeiter waren am Dienstagabend über die neuen Entwicklungen informiert worden. Nach Unternehmensangaben sind in diesem Jahr alle Schiffsfahrten gut gebucht, trotz Corona seien bisher über 180.000 Tickets verkauft worden. (mit dpa)

Mehr zum Thema Dresden