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Dresdner Weltrekordler wieder in Dresden

Sportidole wie Heike Drechsler wird der DSC zu seinem Jugend-Meeting begrüßen – und auch ein aktueller Olympiasieger kommt.

Marlies Göhr ist immer noch stolz auf ihren Weltrekord über 100 Meter. Auf dem Bild zeigt sie ein Zielfoto des 10,88 Sekunden schnellen Rennens von 1977.
Marlies Göhr ist immer noch stolz auf ihren Weltrekord über 100 Meter. Auf dem Bild zeigt sie ein Zielfoto des 10,88 Sekunden schnellen Rennens von 1977. © Jürgen Männel

Die Kombination hat ihren Reiz. Junge Talente treffen auf ehemalige Weltklasseathleten, Sportler-Idole ganzer Generationen. Das macht der Dresdner SC anlässlich seines Leichtathletik-Jugendmeetings am 18. Mai im Heinz-Steyer-Stadion möglich. Die Arena feiert in diesem Jahr 100-jähriges Bestehen, sie hat glorreiche Zeiten erlebt. Dazu trugen außer den DSC- und später den Friedrichstädter Fußballern auch Feldhandballer, aber in erster Linie die Leichtathleten bei.

Die Macher des Meetings haben sich erneut dazu entschieden, im Rahmen des Nachwuchswettbewerbs an jene besseren Zeiten im mittlerweile sanierungsbedürftigen Rund zu erinnern. Dazu hat der DSC fünf Ehrengäste eingeladen, die in der heutigen Zeit mindestens als Superstars gelten würden – und die, das versteht sich von selbst, jeweils ganz eigene Geschichten mit dem Stadion verknüpfen. 

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Am 18. Mai sind demnach die ehemaligen Leichtathletik-Weltrekordlerinnen Renate Stecher, Marlies Göhr und Ruth Fuchs in Dresden zu Gast. „Wir haben von den dreien die feste Zusage, dass sie zu unserem Meeting kommen“, sagt Organisationschef Michael Gröscho. An Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler sind die Organisatoren dran, da steht eine verbindliche Zusage noch aus.

Renate Stecher (2. v. l.) sprintete 1973 zu zwei Weltrekorden. Es waren die letzten von Hand gestoppten Bestmarken. 
Renate Stecher (2. v. l.) sprintete 1973 zu zwei Weltrekorden. Es waren die letzten von Hand gestoppten Bestmarken.  © SZ-Archiv

Deren Bestmarken von einst stehen auf einer Tafel an der Stadion-Außenmauer. Die Doppel-Olympiasiegerin Renate Stecher lief die 100 Meter am 20. Juli 1973 in handgestoppten 10,8 Sekunden. Der letzte offiziell anerkannte handgestoppte 100-Meter-Weltrekord – die mitlaufende Elektronik hatte 11,07 Sekunden angezeigt. Einen Tag später verbesserte Stecher die Bestmarke über die doppelte Distanz auf 22,1 Sekunden. Ihre Nachfolgerin Marlies Göhr sprintete 1977 in der Ära der elektronischen Zeitmessung die 100 Meter in 10,88 Sekunden. Ruth Fuchs, zweifache Olympiasiegerin im Speerwerfen, schleuderte ihr Gerät 1979 auf 69,52 Meter. Den letzten Leichtathletik-Weltrekord in Dresden in einer olympischen Disziplin stellte Heike Drechsler am 3. Juli 1986 mit 7,45 Metern im Weitsprung auf.

Das Heinz-Steyer-Stadion machte sich aber auch in den 1950er- bis 1970er-Jahren einen Namen als Ankunftsort für Friedensfahrtetappen. Insofern liegt es nahe, dass auch Straßenweltmeister Gustaf-Adolf Schur eingeladen wurde. Der 88-Jährige, den alle nur „Täve“ nennen, will sich in den nächsten Tagen entscheiden, aber es sieht dem Vernehmen nach gut aus.

Im Heinz-Steyer-Stadion gab es auch zahlreiche Länderkämpfe: Ruth Fuchs (r.) posiert mit Kollegin Jacqueline Todten.
Im Heinz-Steyer-Stadion gab es auch zahlreiche Länderkämpfe: Ruth Fuchs (r.) posiert mit Kollegin Jacqueline Todten. © SZ-Archiv

Die Sport-Stars von einst sollen am Wettkampftag auch aktiv als Experten mit eingebunden werden. „Wir werden unsere Prominenten im Rahmen eines Staffel-Wettbewerbs vorstellen, weil sie dort auch die Medaillen übergeben“, schildert Ralf Neumann vom Eigenbetrieb Sportstätten Dresden den Plan. „Immer zu Beginn eines jeweiligen Wettkampfes werden wir mit den Ehemaligen Interviews führen und spielen die Weltrekorde von damals ein“, erklärt er. Auf zwei vier mal zwei Meter großen mobilen Videoleinwänden werden die Archivaufnahmen zu sehen sein. Die Weltrekorde von Fuchs, Göhr und Drechsler sind als Videos vorhanden, die Läufe von Renate Stecher nicht. „Wir wollen abschließend auch noch eine Autogrammstunde anbieten“, sagt Gröscho.

Neben den zahlreichen ehemaligen Größen tritt auch ein aktueller Olympiasieger an. Bobpilot Francesco Friedrich wird mit seinen Anschiebern in einer Kinder-Staffel mitlaufen. Im Rahmen des Meetings plant der DSC außerdem im Casino eine kleine Ausstellung, die außer Fotos aus längst vergangenen Tagen auch einige interessante Utensilien bieten soll.

Inzwischen nimmt das Heinz-Steyer-Stadion in kleinen Schritten bis 2023 wieder moderne Formen an. Der Stadtrat hat für die nächsten Bauabschnitte 32 Millionen Euro im Haushalt eingestellt. Für 2024 könnte sich der DSC für die Austragung der deutschen Meisterschaft der Leichtathleten bewerben. Damit würde sich ein Kreis schließen. Nachdem das internationale Meeting um das „Goldene Oval“ 1988 seine letzte Auflage erlebte, fand auch die letzte DDR-Meisterschaft 1990 in Dresden statt.