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"Wenn wir lockern, werden sich die Fallzahlen wieder erhöhen"

Dresdens Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) zieht im Interview eine erste Corona-Bilanz. Das sind die nächsten Schritte.

Dresdens Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) zieht eine erste Corona-Bilanz.
Dresdens Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) zieht eine erste Corona-Bilanz. © Archiv: Sven Ellger

Frau Kaufmann, seit vier Wochen sind Schulen und Kitas zu und seit drei Wochen gilt die Ausgangsbeschränkung wegen der Corona-Krise. Welche Zwischenbilanz ziehen Sie? 

Ich danke allen, die sich an diese straffen Regeln halten. Sie verlangen uns allen viel ab. Wir haben jetzt moderat steigende Zahlen und das exponentielle Wachstum ist eingedämmt. Die Maßnahmen zeigen also eine gute Wirkung. Die Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung und des Jobcenters machen weiter einen guten Job und die Leute aus dem Gesundheitsamt "rocken" die Krise. 

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Welche Herausforderungen muss das Gesundheitsamt aktuell meistern? 

Die Mitarbeiter haben bis Ostern beispielsweise allein 3.200 Quarantäne-Bescheide ausgestellt. Sie fahren außerdem zu möglichen Infizierten nach Hause, die nicht mehr gut zu Fuß sind und machen dort die Abstriche. Außerdem halten sie telefonischen Kontakt zu den Dresdnern in Quarantäne. 

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Welchen Eindruck haben Sie von den Dresdnern? Halten diese sich gut an die Corona-Regeln?

Ja, das tun die allermeisten sehr präzise. Es gibt natürlich kleine Ausnahmen, aber ich bin zufrieden. 

Mit Ausnahmen meinen Sie auch die vielen Senioren, die auf dem Lingnermarkt einkaufen?

Nein, ich nehme wahr, dass sich die meisten Senioren strikt an die Regeln halten. Aber klar ist es für sie, wie für viele Dresdner, schwer, wenn wichtige Alltagsdinge wie Einkaufen und Arztbesuche wegfallen oder weniger werden. 

Welche Prognosen haben Sie? Wann wird es Lockerungen für Dresden geben? 

Eine Prognose ist schwer. Das Virus ist sachsen- und bundesweit nicht gleich verteilt. Ein bundesweit einheitliches Vorgehen würde ich begrüßen. Wir müssen die Gespräche zwischen der Kanzlerin und den Ministerpräsidenten abwarten. 

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Wann werden Schulen und Kitas wieder öffnen? 

Das entscheidet in erster Linie das Kultusministerium. Eine schrittweise Öffnung ist sicher sinnvoll. Wenn wir lockern, werden sich die Fallzahlen wieder erhöhen. Darauf müssen wir genau achten und die Testkapazität vor allem für das Personal in wichtigen Bereichen wie der Pflege und dem Gesundheitswesen deutlich erhöhen. Das von mir vorgeschlagene Drive-in-Testcenter geht nach Ostern an den Start. 

Wie ist die Situation für die Obdachlosen in der Stadt, die kein Zuhause haben, wo man aktuell ja bleiben soll... 

Wir vergessen die obdach- und wohnungslosen Menschen nicht. Aktuell leben 295 Menschen in Dresdner Wohnungslosenheimen, dort ist auch noch Platz für weitere Personen. Die Suppenküchen des EIBI-Vereins an der Bürgerstraße und der Kamenzer Straße sowie die Heilsarmee geben weiter Essen aus. Auch die Tafelläden und die Kleiderspenden haben geöffnet. 

Das Interview führte Julia Vollmer.

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