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Döbeln

Dringende Hilfe für soziale Dienste

Beiersdorf in Waldheim spendet Desinfektionsmittel für die Einrichtungen. Die Freude ist groß, doch das Kernproblem damit nicht gelöst.

Igor Ratzenberger, Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste, freut sich über die Spende von Desinfektionsmitteln der Beiersdorfer AG.
Igor Ratzenberger, Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste, freut sich über die Spende von Desinfektionsmitteln der Beiersdorfer AG. © Frank Korn

Waldheim. Eine Kolonne von Kleintransportern fährt auf den Hof der Beiersdorf AG in Waldheim. Wenig später bringt eine Gabelstaplerfahrerin die erste von acht Paletten. Die enthalten ein in diesen Tagen besonders begehrtes Produkt: Desinfektionsmittel. Insgesamt 11.500 Flaschen zu je 200 Millilitern.

Empfänger ist der Landesverband Sachsen privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), der das Mittel von Beiersdorf gespendet bekommt. Der Landesverband Sachsen besteht aus über 750 Mitgliedern. „Das sind alles Betreiber von privaten Pflegeeinrichtungen“, sagt Igor Ratzenberger, Vorsitzender des Landesverbandes. Er ist selbst Geschäftsführer eines ambulanten Pflegedienstes in Dresden. Sein Stellvertreter Frank Zwinscher hatte für sein eigenes Pflegedienstunternehmen vor kurzem eine Desinfektionsmittelspende von Beiersdorf erhalten. Bei dieser Gelegenheit hatte Zwinscher angefragt, ob eine Lieferung für den Landesverband möglich sei. Das Desinfektionsmittel wird an fünf Verteilerpunkte in Dresden, Chemnitz, Leipzig, Frankenberg und Zwickau geliefert, wo es von den Einrichtungen abgeholt wird.

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Die Freude über die Spende ist groß. Doch Igor Ratzenberger bringt es auf den Punkt. „Wir kritisieren, dass es nicht zentral über den Freistaat oder den Kostenträger gelingt, die Pflegeeinrichtungen mit Desinfektionsmittel und Schutzkleidung zu versorgen. Wir haben schließlich einen Sicherstellungsauftrag. Wir müssen pflegen“, sagt Igor Ratzenberger. Und weiter: „Eigentlich ist es nicht unsere Aufgabe, diese notwendigen Arbeitsmittel selbst heranzukarren.“

Trotz der Corona-Krise sei die Stimmung in den Pflegeheimen nicht viel anders als sonst, sagt Ratzenberger. „Für uns ist das normaler Betrieb. Wir haben immer mal wieder mit Ansteckungsgefahr zu tun, sei es durch den Norovirus oder bei der Influenzagrippe“, so Ratzenberger. Wenn sich ein Patient oder Mitarbeiter mit dem Coronavirus anstecke, dann werde nach den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts gehandelt. „Die Einrichtung kann ja nicht geschlossen werden. Wir wissen, was wir dann zu tun haben“, sagt der Chef des Landesverbandes. Der Mitarbeiter werde in Quarantäne geschickt, der Patient müsse aber weiter versorgt werden.

Ausrüstung für 25 Euro

Neben der Versorgung mit Desinfektionsmittel für die Hände sei die Beschaffung von Schutzkleidung wie Brillen, Masken, Kittel, Handschuhe und Füßlinge problematisch, so Ratzenberger. Er habe sich für eine Person eine komplette Ausrüstung gekauft beziehungsweise selbst hergestellt. Dafür hat er 25 Euro bezahlt. „Das normale Setting, das es früher zu kaufen gab, lag zwischen zwei und drei Euro“, so Ratzenberger. Dazu gehörten Kittel, Mundschutz, Kopfhaube und Füßlinge. Die Lieferfristen seien viel zu hoch, liegen bei Mai oder Juni.

Die Pflegedienste also stecken in einem Dilemma. Haben sie keine Schutzkleidung, können sie infizierte Patienten nicht weiter versorgen. Demzufolge müssten die dann ins Krankenhaus. „Es nützt nichts, uns nichts zu geben“, drückt er es salopp aus. Dabei gehe es nicht um die Bezahlung. Die werde über das Krankenhausentlastungsgesetz geregelt, das heißt, die Pflegeversicherung erstattet die Kosten. „Wir brauchen die Bedingungen, um ordentlich arbeiten zu können. Es hilft nichts, wenn sich die Ministerin hinstellt, und sagt, dass es nichts zu verteilen gibt“, so Ratzenberger. Es sei wichtig, dass die erforderliche Ausrüstung zur Verfügung steht, auch wenn sie derzeit teurer sei, als vor der Corona-Krise. „Ich bezahle den Preis, weil ich die Patienten und Mitarbeiter schützen will“, sagt Ratzenberger. Deshalb helfen solche Spenden wie die der Beiersdorf AG.

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Der Bundesverband privater Anbieter (bpa) wurde 1964 als Zusammenschluss privater ambulanter und stationärer Pflegeeinrichtungen gegründet. Heute repräsentiert er als Trägerverband beziehungsweise berufsständische Vertretung auf der Bundes- und Landesebene Alten- und Pflegeheime, ambulante Pflegedienste, Tages-/Nacht- und Kurzzeitpflegeeinrichtungen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und Sozialdienstleistungsbetriebe in privater Trägerschaft. Mit rund 5.600 Pflegediensten, die etwa 255.000 Patienten betreuen, und 5.400 stationären Pflegeeinrichtungen mit etwa 330.000 Plätzen vertritt der bpa mehr als jede dritte Pflegeeinrichtung bundesweit. Die Mehrzahl der Mitglieder sind typische mittelständische Unternehmen, ob als Pflegedienst mit zwölf Mitarbeitern oder als Pflegeheim mit 70 Plätzen. Insgesamt tragen die Mitglieder des bpa die Verantwortung für rund 335.000 Arbeitsplätze und 25.000 Ausbildungsplätze.

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