merken
PLUS Wirtschaft

Passable Ernte trotz Dürre und Corona

Der Klimawandel verstetigt sich. Bundesweit gibt es große regionale Unterschiede bei den Getreideerträgen.

Roggenernte nach Sonnenuntergang. In ganz Deutschland wird das Getreide eingefahren.
Roggenernte nach Sonnenuntergang. In ganz Deutschland wird das Getreide eingefahren. © Jens Büttner/dpa

Berlin. Die Landwirtschaft kommt trotz Dürre und Problemen mit der Einreise von Erntehelfern wirtschaftlich mit einem blauen Auge davon. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbands (DBV) wird die Getreideernte mit rund 42 Millionen Tonnen etwa zwei Millionen Tonnen unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre liegen. „Das Jahr 2020 war vielerorts das dritte durch Wetterextreme geprägte Jahr“, sagt DBV-Chef Joachim Rukwied. Einige Betriebe gefährde dies in ihrer Existenz. 

An Herausforderungen mangelte es in diesem Jahr nicht. Die Witterungsbedingungen sind von Region zu Region extrem verschieden mit Folgen für das Wachstum der Pflanzen. Während der Mais zum Beispiel in Süddeutschland bis zu drei Meter hochgeschossen ist, kommt er in Brandenburg mitunter gerade einmal auf die halbe Höhe. „Der Klimawandel manifestiert sich“, stellt Rukwied fest. Es werde früher geerntet, die Erträge schwankten stärker und es gebe größere regionale Unterschiede. Die Bauern müssten sich umstellen und beispielsweise trockenheitsresistente Pflanzen einsetzen.

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Indirekt hat wohl auch die Mäuseplage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit dem Klimawandel zu tun. Nach Einschätzung von DBV-Vize Wolfgang Vogel kommt dieses Phänomen in kürzeren Abständen auf die Landwirte zu. „Die Natur ist etwas durcheinander“, sagt Vogel, der von bis zu 100.000 Mauselöchern auf einem Hektar Acker spricht. Für die Bekämpfung der Plage fordern die Bauern die Erlaubnis zum Einsatz von Rodentiziden, chemischen Fraßködern, gemeinhin Rattengift genannt.

Auch Corona belastet die Betriebe in diesem Jahr stark. So blieben die Kartoffelbauern auf den für die Produktion von Pommes Frites gedachten Knollen sitzen, weil der Konsum der frittierten Spezialität während des Lockdowns einbrach. Statt 180 Euro für eine Tonne zu erzielen, mussten die Knollen in Biogasanlagen verwertet werden. Das brachte den Erzeugern nur noch 20 bis 30 Euro pro Tonne ein.

Ein großes Thema waren zu Beginn der Saison die Einreiseschwierigkeiten bei Saisonarbeitern aus Osteuropa. „Das ist relativ gut gelaufen“, stellt Rukwied heute fest. 40.000 Erntehelfer konnten die Landwirte rekrutieren. In den kommenden Monaten steht der zweite Schub an, wenn Wein, Obst und Gemüse eingebracht werden.

Bauern fordern Milliardenhilfe

Angesichts der vielen Probleme erscheint die Bilanz des Bauernverbands noch passabel. Wirtschaftlich bekommen viele Landwirte das schwierige Jahr allerdings deutlich zu spüren. So führt die geringere Getreideernte nicht etwa zu steigenden Erzeugerpreisen. Da die Ernte weltweit höher ist als der Bedarf, sinken die finanziellen Erträge sogar. Anders sieht es beim Futter aus. Die eher bescheidene Menge an Mais und die durch Dürre deutlich verminderte Grünfuttererzeugung könnten Engpässe beim Futter im Winter nach sich ziehen. Rukwied erneuerte die Forderung nach einer staatlich unterstützten Mehrgefahrenversicherung für die Betriebe. Damit will der Verband die zunehmenden Unwägbarkeiten absichern. Zumindest für drei Jahre müsste der Bund bis zu 500 Millionen Euro dafür als Anschubfinanzierung bereitstellen. Auch sollte den Landwirten die Bildung einer steuerlichen Gewinnrücklage für Notfälle ermöglicht werden.

Weiterführende Artikel

"Die Hälfte des Wassers fließt einfach ab"

"Die Hälfte des Wassers fließt einfach ab"

Trotz der Regenfälle in den vergangenen Wochen haben Landwirte im Radeberger Umland Sorgen.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium reagierte zurückhaltend. „Was die Vorsorge angeht, so sind die Landwirte in der Pflicht, selbst Risikomanagement gegen Wetterextreme zu betreiben, etwa durch Anpassung ihrer Wirtschaftsweisen – sie sind Unternehmer“, so eine Sprecherin mit. Eine solche Versicherung über das Programm Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz zu fördern, wie der Bauernverband vorschlägt, halte man für „schwierig“. Das sei „Aufgabe der Länder“. Das Ministerium verwies auf bisherige Unterstützung, etwa die Steuersenkung bei der Dürreversicherung. (mit dpa)

Mehr zum Thema Wirtschaft