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DRK auf dem Abstellgleis

Der Kreisverband Meißen arbeitet unter schwierigen Bedingungen und auch der Kontakt zum Landkreis ist schlecht.

Der DRK-Kreisverband Meißen, hier Geschäftsführer Christoph Ruppert, hat in Niederau eine Halle für die 16 Fahrzeuge seines Einsatzzuges, die im Katastrophenfall zum Einsatz kommen, angemietet. Es herrscht Platznot und die Fahrzeughalle liegt ungünstig.
Der DRK-Kreisverband Meißen, hier Geschäftsführer Christoph Ruppert, hat in Niederau eine Halle für die 16 Fahrzeuge seines Einsatzzuges, die im Katastrophenfall zum Einsatz kommen, angemietet. Es herrscht Platznot und die Fahrzeughalle liegt ungünstig. © Claudia Hübschmann

Meißen. Die Halle ist groß und vor allem hoch. Hier könnte man locker drei, vier Krankenwagen übereinander stapeln und wäre immer noch nicht an der Decke. Natürlich ist diese Vorstellung absurd, aber sie zeigt, dass die Halle, die dem Katastrophenschutz-Einsatzzug des DRK-Kreisverbandes Meißen als Stützpunkt dient, allerhöchstens suboptimal auf dessen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Im Gegenteil, für die 13 Krankenwagen,  die drei Boote auf Anhängern und die Feldküche reicht die Stellfläche in der Halle gerade so.  

Wo es außerdem klemmt, erklärt DRK-Kreisgeschäftsführer Christoph Ruppert: "Wir haben keine Sanitäreinrichtungen und keinen Schulungsraum für unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter." Und die machen das Gros des Kreisverbandes aus.  Er hat zwar drei hauptamtliche Mitarbeiter, aber 142 ehrenamtliche. Sie sichern die Bereitschaft, die Berg- und  Wasserwacht ab, sind im Jugendrotkreuz und im Ortsverein Deutschenbora-Nossen aktiv. 

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Und, was eigentlich ein Grund zur Freude sein sollte - der Katastrophenschutz-Einsatzzug hat vom zuständigen Freistaat jetzt ein neues Einsatzfahrzeug erhalten. "Dieses ermöglicht, neben umfangreichen Logistikaufgaben, die vollkommen autarke Kalt- und Warmverpflegung von bis zu 150 Personen." Allerdings vergrößert der knapp neun Meter lange Zwölf-Tonnen-Lkw auch die Platznot in der Fahrzeughalle. 

Abgesehen davon, dass diese Halle nicht auf die Bedürfnisse des DRK zugeschnitten ist, hat sie noch einen anderen großen Nachteil. Sie befindet sich schlicht am falschen Ort. Nämlich auf dem Gelände des  Zentrallagers der Firma Meissen-Keramik GmbH an der Weinböhlaer Straße in Niederau. Um 1900 als Zweigbetrieb der Rütgerswerke, die vor allem Teerprodukte herstellten, sind die dortigen  Hallen in DDR-Zeiten zur Lagerung von Lebensmitteln und anderen Gütern als Teil der Staatsreserve genutzt worden. 

Nach der Wende betrieb hier der Versandhändler Quelle ein Lager. Das Gelände sei schwer kontaminiert, so Christoph Ruppert, "hier bekommen sie nie wieder eine Trinkwasserleitung hergelegt, hier weiß keiner so richtig, was im Boden steckt". Hinzu komme eine Kündigungsfrist für die Halle in Niederau von gerade einmal vier Wochen.

DRK-Kreisgeschäftsführer Christoph Ruppert steht vor dem neuen Fahrzeug des Katastrophenschutz-Einsatzzuges. Der Zwölf-Tonnen-Lkw ist so ausgestattet, dass bis zu 150 Personen mit kaltem oder warmem Essen versorgt werden können.
DRK-Kreisgeschäftsführer Christoph Ruppert steht vor dem neuen Fahrzeug des Katastrophenschutz-Einsatzzuges. Der Zwölf-Tonnen-Lkw ist so ausgestattet, dass bis zu 150 Personen mit kaltem oder warmem Essen versorgt werden können. © Claudia Hübschmann

Der DRK-Kreisverband hat sich schon verschiedentlich um ein neues Quartier für seinen Katastrophenschutz-Einsatzzug bemüht. Die ehemalige Gewichtheberhalle am Heiligen Grund war im Gespräch, allerdings will sie die Stadt Meißen nicht hergeben, lagert dort für ihren Bauhof Material. Direkt hinter dem vom DRK-Kreisverband Großenhain betriebenen Fahrdienst an der Niederauer Straße gehört dem DRK ein Stück Land, es gab Überlegungen hier zu bauen. 

Die Lage in Niederau sei ungünstig, so Christoph Ruppert. Das Gros der ehrenamtlichen Mitarbeiter komme aus Meißen, Coswig und Weinböhla. "Unser größter Wunsch wäre ein Platz im Gewerbegebiet Meißen-Zaschendorf." Die zentrale Lage im Einsatzgebiet würde dafür sprechen. Auf eine entsprechende Anfrage beim Meißner Bürgermeister Markus Renner sei keine Antwort gekommen. "Wir könnten das Geld für eine neue Fahrzeughalle mit Sanitärtrakt, das wären so um die 40.000 Euro aus eigenen Kräften aufbringen, nicht aber auch noch den Kauf eines Grundstücks zu ortsüblichen Preisen."

Das Gelände in Niederau hat zwar einen Gleisanschluss, aber dennoch kommt sich der DRK-Kreisverband hier wie auf das Abstellgleis geschoben vor. Das trifft auch auf das Verhältnis zum Landkreis zu. "Wir sind zur allerersten Corona-Krisensitzung eingeladen gewesen, seitdem ist Ruhe." Wie die aktuelle Situation im Landkreis ist, müsse man sich wie jeder andere Bürger aus den Pressemitteilungen des Landratsamtes zusammensuchen, so Christoph Ruppert. "Unsere Ehrenamtler würden sich einen klaren Informationsfluss wünschen, damit sie wissen, woran sie sind."

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