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Kahlschlag bei den DRK-Kleidercontainern

Das Görlitzer DRK unterhielt 60 Standorte. Künftig sind es nur noch zwei. Das schmerzt die Rot-Kreuz-Helfer sehr - auch finanziell.

Ines Stübner arbeitet in der Kleiderkammer des DRK in der Görlitzer Hospitalstraße. Hier können sich Bedürftige gegen eine Spende neu einkleiden.
Ines Stübner arbeitet in der Kleiderkammer des DRK in der Görlitzer Hospitalstraße. Hier können sich Bedürftige gegen eine Spende neu einkleiden. © Nikolai Schmidt

An insgesamt 60 Standorten im nördlichen Landkreis Görlitz, darunter in Görlitz, Sohland, Reichenbach, Horka, Niesky und Königshain, waren sie bislang zu finden: Container für gebrauchte Bekleidung, die das Deutsche Rote Kreuz (DRK) einsammelt. 

Das DRK reduziert die Standorte der Kleidercontainer auf zwei. Nur noch im Sozialmarkt des DRK auf der Hospitalstraße in Görlitz und am Altenpflegeheim in der Lausitzer Straße können nun Altkleider abgegeben werden.  "Wir wurden vom Abnehmer über erhebliche Reduzierungen bei den Preisen informiert", erklärt Janet Schulz, Vorstand beim DRK.  Wegen der Corona-Krise sei der internationale Warenhandel zum Erliegen gekommen. 

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Second-Hand-Läden geschlossen

Das bestätigt Martin Wittmann. Er ist Vorsitzender des Fachverbandes Textilrecycling des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE). "Mittlerweile verhindern es weltweit angeordnete Maßnahmen wie Ausgangssperren, überhaupt noch Erlöse zu erzielen", sagt er. Überall, auch in Osteuropa, seien Second-Hand-Läden geschlossen worden. Die Nachfrage nach Altkleidern sei fast vollkommen versiegt.

Auch die afrikanischen Märkte leiden angesichts knapper Geldmittel der einheimischen Verbraucher an Nachfragemangel. "So sind die für den Absatz der sortierten Ware notwendigen Märkte seit Mitte März 2020 global zusammengebrochen", erklärt Wittmann. Der Absatz von gut erhaltener Bekleidung, aber auch von recycelten Produkten und Putzlappen, sei weltweit unmöglich. Von einer Änderung dieser Situation in naher Zukunft geht der Vorsitzende nicht aus. 

Zudem seien immer mehr Sortieranlagen in Deutschland wegen der Corona-Krise in Kurzarbeit oder sogar geschlossen wegen Quarantäne-Maßnahmen. 

Werden Absatzschwierigkeiten zum Dauerproblem?

Das Görlitzer DRK arbeitet seit Anfang der 1990er Jahre mit einem großen Abnehmer gebrauchter Kleidung zusammen. Den Namen des Unternehmens möchte Frau Schulz nicht nennen. Die Verträge mit dem Abnehmer hat das DRK nicht gekündigt. Wie sich die Zusammenarbeit weiter gestaltet, ist derzeit offen. 

Dabei sei das Aufkommen an Kleiderspenden derzeit so groß wie nie. Wegen der Krise seien viele Menschen zu Hause und hätten Zeit - Zeit zum Sortieren in den Kleiderschränken.

Erlöse für Ehrenamt und Jugendarbeit

Die Erlöse aus der Abgabe von Kleiderspenden sind für das DRK eine wichtige Einnahmequelle, um satzungsgemäße Rot-Kreuz-Arbeit in der Region zu verwirklichen. "Mit den niedrigeren Erlösen können wir nicht einmal mehr die Personalkosten für die Entleerung der Container finanzieren", erläutert Frau Schulz. 

Vor allem die Jugendarbeit und das Ehrenamt profitierten bislang von den Verkaufserlösen. Sie sind ein wichtiger und eingeplanter Bestandteil der Finanzierung. Fällt der jetzt weg, hat das DRK große Schwierigkeiten,  Jugendarbeit und Ehrenamt im gleichen Maße wie bisher aufrechtzuerhalten.  Zwar sei ehrenamtliche Tätigkeit auch beim DRK unentgeltliche Arbeit, aber es werden Aufwandsentschädigungen gezahlt, zum Beispiel für Übungsleiterstunden.  Auch für die fehlt jetzt das Geld aus dem Kleiderverkauf.

Hier in diesem Altkleidercontainer des DRK in Görlitz-Königshufen können noch gut erhaltene Sachen eingeworfen werden.
Hier in diesem Altkleidercontainer des DRK in Görlitz-Königshufen können noch gut erhaltene Sachen eingeworfen werden. © André Schulze

Container werden eingezogen

Die Kleidercontainer werden nun nach und nach eingezogen. Altkleidung weiter an allen Standorten zu sammeln,  zu lagern und später zu verkaufen - das ist keine Option für das DRK. Einerseits hat das DRK keine Lagerkapazitäten und andererseits weiß heute niemand, wie sich die Preise entwickeln.

Frau Schulz will nicht ausschließen, dass es später wieder mehr Standorte für Kleidercontainer als die zwei Abgabeorte in Görlitz geben kann, "aber das ist wirklich abhängig von der Preisentwicklung auf dem Weltmarkt", sagt sie. 

Gewerbliche Kleidersammler ziehen ihre Container übrigens nicht ein. Wie Vorstand Wittmann sagt, halte der Bundesverband die Dienstleistung der Abfallsammlung und Verwertung aufrecht, ohne zu wissen, ob es dafür einmal eine Entlohnung gibt. Allerdings mehren sich mittlerweile gesperrte Kleidercontainer verschiedener Altkleidersammler.

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