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Drogen-Anbau kann losgehen

Jetzt wird der Schlachthof Naunhof zur Hanffabrik. Gleichzeitig kommen Flieger mit Cannabis aus Kanada.

Wolle Förster (Mitte) hatte am 1. August 2018 gut Lachen: Er hatte den früheren Schlachthof in Naunhof an kanadische Investoren verkauft, die hier ein  Cannabis-Zentrum aufbauen wollen. Hier Geschäftsführer Morten Brandt (l.) und Prokurist Josef Späth.
Wolle Förster (Mitte) hatte am 1. August 2018 gut Lachen: Er hatte den früheren Schlachthof in Naunhof an kanadische Investoren verkauft, die hier ein Cannabis-Zentrum aufbauen wollen. Hier Geschäftsführer Morten Brandt (l.) und Prokurist Josef Späth. ©  Anne Hübschmann

Ebersbach. Bis jetzt war alles nur Kosmetik. Im wahrsten Sinne. Denn die Cannabispflanzen, die rund um Döbeln auf 180 Hektar seit 2018 angebaut und in Naunhof bei Radeburg zu feinen Ölen extrahiert werden, landeten tatsächlich in Kosmetik und Nahrungsergänzungsmitteln. Deshalb darf dieses Cannabis auch frei auf den Feldern der Region wachsen, selbst, wenn der süßliche Geruch der Pflanzen untrüglich an die Droge erinnert und schon manchen Anruf bei der Polizei auslöste.

Jetzt hat die kanadische Firma Wayland den großen Deal gelandet und den Zuschlag für drei von insgesamt 13 vom Bund vergebene Lose zum Anbau von rauschhaltigem Cannabis für Medizinprodukte erhalten, freut sich Geschäftsführer Morten Brandt. Das entspricht zunächst einer Jahresmenge von 600 Kilogramm an reinen Blüten. 

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Die Menge kann sich später erhöhen. Wayland ist für den hochgesicherten Indoor-Anbau ein Joint Venture mit Demecan (Deutsche Medizinal Cannabis) eingegangen, einem jungen Berliner Unternehmen, an dem Wayland zu 50 Prozent beteiligt ist. Der einstige Löblein-Schlachthof in Naunhof, der schon äußerlich die Anmutung eines Bunkers erweckt, ist dafür genau die richtige Immobilie.

Hundert der besten Mutter-Pflanzen werden in früheren Kühlzellen geklont und in Pflanzwürfel gesetzt.
Hundert der besten Mutter-Pflanzen werden in früheren Kühlzellen geklont und in Pflanzwürfel gesetzt. ©  Anne Hübschmann

Kühlräume werden Kinderstube

Wände wurden bereits verstärkt. Rohre und Schächte, die nach draußen führen, verschlossen. Die Räume sind videoüberwacht. Den Indoor-Anbau wird ein eigener Sicherheitsdienst überwachen. Auch die über 70 Kühlräume, mit denen bisher niemand etwas anfangen konnte, lassen den Cannabis-Anbauer jubeln.

Nirgendwo haben sie bisher solch eine Immobilie gesehen, so Morten Brandt. Die Pläne sind schon konkret: Die frühere Räucherkammer des Schlachthofs soll der Kindergarten für die Hanfpflanzen sein. Erste Regale sind aufgebaut. Hundert der besten Mutter-Pflanzen werden hier geklont und die Nachkömmlinge in Pflanzwürfel gesetzt, in denen die Zöglinge Fuß fassen. Als Setzlinge kommen sie in beleuchtete, klimatisierte Kabinen – alle vier Wochen 250.000 Stück. Im Vegetationsraum sprießt ordentliche Blattmasse, bis die Pflanzen die letzten vier Wochen unter exklusiven Bedingungen üppig ihre Blüten ausbilden. Fünf- bis sechs Mal will Wayland im Jahr Cannabis ernten. Aufkäufer ist ausschließlich die Cannabis-Agentur des Bundes in Bonn, die die Blüten nach strengen Auflagen an Apotheken verkauft.

Ein vollautomatisches Lichtkonzept unterstützt die Cannabispflanzen in jeder Wachstumsphase.
Ein vollautomatisches Lichtkonzept unterstützt die Cannabispflanzen in jeder Wachstumsphase. ©  Anne Hübschmann

Weil den Kanadiern die vergebenen Anbau-Mengen bei Weitem nicht reichen, haben sie gleichzeitig eine Import-Lizenz für Medizin-Cannabisblüten aus Kanada beantragt. Auch die ist jetzt erteilt, sodass Wayland von seinem Muttersitz in Langton (Toronto) zusätzlich getrocknete Blüten importieren kann, die direkt an den Standort Naunhof geliefert werden.

„Wir wissen noch nicht, ob die Frachtflieger ihre Ware bereits in Frankfurt auf Lkw umladen oder noch nach Dresden oder Leipzig weiterfliegen“, so Morten Brandt nach dem Weg der kostbaren Fracht befragt. Geliefert werden im ersten Jahr tausend Kilogramm reine Blüten, verpackt in Fünf- beziehungsweise Zehn-Gramm-Packungen.

Auch da dürfte die Kurve der Importmenge künftig steil ansteigen. Anders als beim Eigenbau, kann Wayland die Importware selbst an Apotheken vermarkten. Die Genehmigung gilt zunächst für sechs Sorten.

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Welche genau verfügbar sind, wird Wayland künftig sicher über eine Internetpräsenz tagaktuell mitteilen, so wie es führende Cannabis-Apotheken bereits handhaben, damit sich bei ihnen wiederum die Patienten und Ärzte informieren können, was überhaupt vorrätig ist. Denn die Wirkungen der einzelnen Pflanzen sind höchst verschieden und verlangen ein umfangreiches Wissen in der Naturmedizin. Außerdem kommen die Kanadier mit der Produktion ihrerseits längst nicht hinterher.

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