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Drogen im Kondom

Ein schwules Paar aus Dresden wird auf dem Elberadweg mit Crystal aus Tschechien erwischt.

Von Stephan Klingbeil

Die Nerven lagen blank. Wie ein Häufchen Elend saß der 29-jährige Sven L. auf der Anklagebank am Amtsgericht Pirna. Zitternd, schluchzend hörte er dem Staatsanwalt zu, wie der die Vorwürfe gegen ihn und seinen Partner Michael W. runterratterte. Gegen das Betäubungsmittelgesetz sollen beide verstoßen haben. Sie wurden auf dem Elberadweg mit Crystal und Cannabis erwischt.

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Waren die beiden Dealer? Der Staatsanwalt ging davon aus, dass zumindest der untröstliche L. mit Drogen handeln wollte. Nervös habe dieser sich nach seiner Verhaftung selbst belastet. Die Angeklagten bestritten diese Vorwürfe jedoch vehement, gaben aber zu, die Drogen vorsätzlich nach Deutschland eingeführt zu haben.

Der Plan ging nach hinten los

Das schwule Paar aus Dresden ist seit zehn Jahren zusammen. Auch am 15. Mai 2012 waren sie gemeinsam unterwegs, machten vormittags einen Ausflug mit dem Rad nach Tschechien. Es sollte keine romantische Fahrt ins Grüne sein. Die beiden hatten einen Plan. Sie wollten auf dem Vietnamesenmarkt unweit der Grenze für insgesamt 180 Euro Drogen kaufen.

Während der 41-jährige Frührentner W. mit dem Marihuana seine Schmerzen lindern wollte, hatte sein Lebensgefährte ganz anderes im Sinn. „Über das Internet hatte ich zuvor einen anderen Mann kennengelernt, wir wollten uns treffen und zusammen das Crystal einnehmen“, erklärte Sven L. „Er sagte mir, wie ich das Zeug bekommen kann.“ Sein Partner hatte nichts dagegen. „Die Zeiten der Monogamie sind vorbei“, erklärte Michael W. der Richterin.

Leichtsinnig, aber keine Dealer

Der Drogenkauf sei problemlos über die Bühne gegangen, Crystal und Cannabis schmuggelten sie in Kondomen über die Grenze. Bei der Rückfahrt wurden die beiden, die bisher noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen seien, aber auf dem Radweg zwischen Schöna und Postelwitz von einer Streife angehalten. „Hin und wieder kontrollieren wir auch dort“, sagte der Beamte der SZ.

Die Fahnder landeten einen Volltreffer. Sven L. sei nervös gewesen, gab alles zu. Den Partner verriet er gleich mit. „Ich bin ihm nicht böse“, sagte W. „Ich hatte es dann bei der Polizei auch zugegeben.“ Der Auftritt der Dresdner überzeugte die Richterin. „Ich nehme es ihnen ab, dass sie damals zum ersten Mal in Tschechien Drogen gekauft haben, Dealer sind sie nicht“, sagte sie. Das Gericht verurteilte L. wegen des Crystalschmuggels zu zehn Monaten Haft, W. bekam sechs Monate – jeweils auf Bewährung. Zudem müssen beide Geldauflagen zahlen, insgesamt 1500 Euro.