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Drogenanbau hat teures Nachspiel

Der Gang hinter Gitter bleibt einem Dealer-Trio womöglich gerade noch erspart. Dafür müssen sich die Männer wohl auf Jahre hinaus verschulden.

Von Christoph Scharf

Erst das dicke Geld – und jetzt das dicke Ende: Im Prozess um eine Drogenplantage wurden jetzt vor dem Landgericht die Plädoyers gehalten. Mit Glück kommen die drei Angeklagten vielleicht gerade noch einmal um den Gang hinter Gitter herum. Denn alle Verteidiger beantragten Bewährungsstrafen. Der Staatsanwalt will allerdings zwei der Männer tatsächlich einfahren lassen. Nur einer habe wegen seiner Aussage, die die Ermittlungen erheblich voran brachte, Bewährung verdient.

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Am Anfang des Prozesses um den kiloweisen Marihuana-Handel sah das Strafmaß noch ganz anders aus. Da unterstellte die Anklage den Männern im Alter von 32 bis 35 Jahren noch bandenmäßigen Drogenhandel. Mit dem Delikt wäre das Trio wohl auf längere Zeit ins Gefängnis gegangen. Nach vier Verhandlungstagen ist davon allerdings keine Rede mehr. Nun bleibt nur noch ein gewerbsmäßiger Handel übrig, bei dem erhebliche Strafrabatte möglich sind. Denn die Angeklagten entsprechen so gar nicht dem typischen Bild von Drogendealern: Alle stammen aus bürgerlichen Verhältnissen, gehen einer geregelten Arbeit nach, leben in festen Beziehungen und haben kleine Kinder. Nur einer hat selbst ein Drogenproblem – will aber mittlerweile vom Stoff weg sein. Außerdem kooperierten alle drei mit der Polizei.

Das Motiv: Geldgier

Ein dickes Minus allerdings ist nicht so einfach wegzudiskutieren. „Die Angeklagten haben aus reiner Geldgier gehandelt“, sagt Staatsanwalt Peter Müller. Keiner lebte zuvor in wirtschaftlicher Not, jeder hatte sein Auskommen. Und dennoch entschloss sich ein ehemaliger BWL-Student, in Chemnitz eine professionelle Drogenplantage anzulegen, um einen Freund in Bretnig mit mehreren Kilogramm Marihuana zu versorgen. Der Bretniger, Schlagzeuger in einer Rockband, verkaufte den Stoff mit einem Euro Gewinn pro Gramm an einen weiteren Bekannten weiter, der ihn ebenfalls mit Preisaufschlag in der Drogenszene verkaufte.

Über Aussagen von Kunden stieß schließlich die Polizei auf das Trio, das zuvor noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Bei der Razzia wurden in Chemnitz mehr als 300 Cannabispflanzen und aufwendige Beleuchtungs- und Bewässerungstechnik entdeckt, in der Oberlausitz noch ein knappes Kilo Marihuana und fast 10 000 Euro in bar. Mit den Erlösen aus dem monatelangen Drogenverkauf hatten die drei Männer ihre Hobbys finanziert: Der eine den weiteren Ausbau seiner Drogenplantage, der zweite die CD-Produktion seiner Rockband, der dritte eine Koi-Karpfen-Zucht und eine Skiausrüstung.

Künftig werden sich die Angeklagten wohl billigere Hobbys suchen müssen. Denn der Staatsanwalt fordert über die eigentliche Bestrafung hinaus, dass die Erlöse aus dem Drogenhandel abgeschöpft werden. Und zwar nicht nur das Geld, was noch da ist – sondern alles, was jemals eingenommen wurde. „Das kann bedeuten, dass sich mein Mandant auf 30 Jahre hinaus verschuldet“, sagt Anwalt Matthias Ketzer aus Dresden. Denn der Staatsanwalt hatte pro Angeklagtem Summen zwischen 40 000 und knapp 62 000 Euro angesetzt. „Ziel muss es sein, das gesamte Geld aus Betäubungsmittel-Geschäften zurückzuerlangen“, sagt Staatsanwalt Peter Müller. Das Urteil wird nächste Woche erwartet.