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Drogenfund in Freitaler Garage

Die Polizei ermittelt gegen fünf Männer, zwei von ihnen sitzen in U-Haft. Nicht nur in der Stadt sind die Ermittler immer öfter Dealern auf der Spur.

© kairospress

Von Verena Weiß und Matthias Weigel

Es sind Szenen, die man sonst nur aus einschlägigen Fernsehserien kennt. Ein 40 Mann starkes Polizeiaufgebot rückt in die Nachbarschaft vor. Der Trubel ist nicht zu überhören. Handschellen klicken. Das Ganze spielte aber nicht im TV, sondern vergangene Woche in Zauckerode. Das Ziel der Beamten: Garagen am Hochbehälter, wie ein Mann aus dem Stadtviertel berichtet. „Es muss um Drogen gegangen sein und viel Geld“, sagt der Freitaler. Seinen Namen will er daher lieber nicht in der Zeitung lesen. „Zu gefährlich“, sagt er.

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„Hintergrund des Einsatzes sind aktuelle Ermittlungen im Drogenhandel“, bestätigt Polizeisprecher Thomas Geithner die Razzia in Zauckerode. Im Fokus der Ermittlungen stünden fünf Männer im Alter von 24 bis 51 Jahren. Drei von ihnen – darunter ein 24- und zwei 26-Jährige – seien dabei vorläufig festgenommen worden und befänden sich seitdem in Haft. „Die Beamten stellten unter anderem knapp 300 Gramm Crystal und mehrere Tausend Euro Bargeld sicher“, sagt Thomas Geithner.

Die Fahndung in Freital ist kein Einzelfall. Erst im Oktober wurde ein Freitaler wegen Drogenhandels zu sieben Jahren Haft verurteilt. Die Polizei erwischte den jungen Mann im Frühjahr mit 1,3 Kilogramm Crystal in seinem Auto, als er gerade aus Moldava kam. Außerdem fand die Polizei bei der Durchsuchung 80 000 Euro Bargeld in der Wohnung des Dealers. Bei seinem Vater nochmals 70 000 Euro. Auch weitere Angehörige aus Familie und Freundeskreis schienen am Handel beteiligt zu sein. Seinem Cousin und drei Komplizen steht bereits ein Prozess bevor.

Immer öfter ist die Polizei Dealern auf der Spur – nicht nur in Freital. Im gesamten Landkreis gebe es einen Anstieg an Drogendelikten, erklärt der Polizeisprecher. Das zeigen auch die letzten Zahlen, die vom Revier Dippoldiswalde veröffentlicht worden sind. Das Revier ist zuständig für das Gebiet des kompletten ehemaligen Weißeritzkreises. 2012 hat es hier 166 mehr Rauschgiftdelikte als 2011 gegeben – die Zahl hat sich fast verdoppelt. Insgesamt gab es 351 Delikte. Im Verhältnis zur Zahl der Einwohner liegt der Weißeritzkreis damit deutlich über dem Durchschnitt von Sachsen und dem Bund. Die Beschaffungskriminalität steigt außerdem. Überdies hat die Zahl der erwischten Autofahrer zugenommen, die Drogen intus hatten und dennoch hinterm Lenkrad saßen.

Zwar führt die Polizei an, dass sie fast 98 Prozent der Fälle aufgeklärt hat. Vergessen darf man dabei aber nicht: Drogendelikte sind anders als andere Straftaten. Sie werden immer dann offenbar, wenn die Polizei kontrolliert und dabei jemanden erwischt. Je mehr Druck die Beamten also machen, desto mehr Fälle und Aufklärung wird es geben – und genau das macht es auch schwer, die tatsächliche Größe des Problems für die Region richtig einzuschätzen. Zumindest eine Tendenz wird auch an anderer Stelle deutlich: Häufiger tauchen in den Prozessankündigungen des Amtsgerichtes Dipps Fälle auf, in denen es um Drogendelikte geht. Und auch bei der Suchtberatung hat sich die Zahl der Klienten über die Jahre auf über 80 pro Jahr vervierfacht, heißt es. Crystal macht dabei zwei Drittel aller Fälle aus.

Der meiste Stoff kommt aus Tschechien. Die Drogenküchen liegen wie an einer Perlenschnur aufgereiht oft nicht weit entfernt von der Grenze. Meist in kleinen Mengen wird das Rauschgift am Körper versteckt geschmuggelt, viele Käufer passieren mehrfach die Grenze – „Ameisenhandel“. Zehn Gramm Crystal kosten rund 50 Euro. Nur in Kooperation mit den Behörden in Tschechien kann es demnach gelingen, mehr Herstellern und Schmugglern das Handwerk zu legen. Das Nachbarland geht inzwischen wohl radikaler als früher gegen illegale Drogenküchen vor. Offensichtlich aber nicht radikal genug, wie die Statistiken zeigen.