merken
PLUS Pirna

Zu Hause und zu Gast in der Drogenmühle

Familie Hammermann betreibt seit 20 Jahren den Heidenauer Gasthof. Er ist viel mehr als nur ein Restaurant.

Ein südlicher Hof mitten in Heidenau: Susann und Burkhard Hammermann führen seit 20 Jahren die Gaststätte Drogenmühle.
Ein südlicher Hof mitten in Heidenau: Susann und Burkhard Hammermann führen seit 20 Jahren die Gaststätte Drogenmühle. © Norbert Millauer

Die Idee, aus der Drogenmühle eine Gaststätte zu machen, wurde am Familientisch zur Geburtstagsfeier der Schwiegermutter geschmiedet. Deren Familie hatte die Mühle inzwischen gekauft. Zunächst war sie im Rahmen der Reprivatisierung an die vorherigen Besitzer gegangen. Der Denkmalschutz hatte den Abriss der Mühle verhindert. Sie bröckelte vor sich hin. Burkhard Hammermann hatte seinen Restaurantmeister gemacht. Warum also keine Gaststätte. Bis zur Eröffnung dauerte es aber noch. 

Mühlen-Geschichte

Fahrrad
Rauf auf den Sattel
Rauf auf den Sattel

Fit unterwegs und immer auf der Suche nach etwas Sehenswertem? Auf unserer Themenwelt Fahrrad gibt es ganz viel zu entdecken!

  • Im 12./13. Jahrhundert entstanden im Elb- und Müglitztal mit den Rittern, Bauern und Bürgern auch Mühlen. In diese Zeit fällt die erste Erwähnung einer Wassermühle am Heidenauer Standort. Es ist damit eines der ältesten, vielleicht sogar das älteste Gebäude der Stadt. 
  • Der erste Verkauf der Mühle datiert von 1473. Nach dem ersten Käufer wird sie Beylsmühle genannt.
  • Der Schlussstein über dem Torbogen trägt das Zimmermannswappen sowie die Jahreszahl 1697.   
  • Canaletto malte 1738 seinen "Blick auf die Elbaue", auf dem die Drogenmühle zu sehen ist.
  • 1885 zerstörte ein Großfeuer die Mühle, acht Jahre später wechselte sie ihren Eigentümer.  Er richtete eine Drogen-, Mahl- und Schneideanstalt ein. Seither wurde sie im Volksmund Drogenmühle genannt.
  • Bis zur Privatisierung 1972 war sie in Familienhand. Mit der Verstaatlichung produzierte sie bis 1990 als Teil des VEB Arzneimittelwerk Dresden. 
  • 1992 wurde die Mühle reprivatisiert.
  • Seit 1996 wohnen die Hammermanns in der Mühle, 2000 eröffneten sie ihre Gaststätte und sind seit 2004 Eigentümer der Mühle.

Im Juni 1996 zogen die Hammermanns ein. Zwei Jahre später probte zum ersten Mal die Bigband, die Hammermann  leitet, in der er Bassposaune spielt und singt und die treffenderweise "Drugmiller`s-Bigband" heißt. Noch zwei Jahre später öffnete die Gaststätte.  Es war 2000, das Jahr, in dem Hammermann 40 wurde. Ein Alter, in dem ein Mann seinen Worten nach, wissen muss, was er macht. 2004 haben die Hammermanns dann die Mühle gekauft. Er ist der Chef, seine Frau Susanne die Küchenchefin. Die treuesten Gäste sind seit Anfang an die Mitglieder des Heidenauer Kirchenchores. Sie kommen jeden Donnerstag nach der Probe.

Mehrfaches Auferstehen

In der Drogenmühle treffen sich Vereine, diskutieren Parteien, feiern Familien und Firmen, wird Musik gemacht und gibt es Vorträge. Mit den mehreren Räumen ist es zu einem Heidenauer Kulturzentrum geworden. Am schönsten aber ist es wohl  im Hof, der vor allem an lauen Sommerabenden etwas Südländisches hat. Hier stromerte jahrelang die alte Hauskatze herum. Inzwischen gibt es zwei neue. In der Drogenmühle machen immer mal Gesellen auf der Walz halt und begeistert Hammermann Silvester als Butler in "Dinner for One". Er hatte dem Butler zwar eine Zwangspause verpasst, nachdem er als selbiger einen Gast mit dem Tablet am Kopf traf, aber letztes Jahr hat Hammermann den Butler wieder auferstehen lassen. 

Veranstaltungen zum Mühlenfest

  • 4. September: 20 Uhr, Gruppe MTS, Eintritt: zehn Euro, begrenzte Platzkapazität
  • 5. September: 20 Uhr, Old Ways Band Heidenau
  • 6. September: 15.30 Uhr, Galli Theater Weimar "Rumpelstilzchen"; 18 Uhr
  • Außerdem: 27. September, Buchlesung mit Jan Hübler "Meine Lieblingsplätze rund um Dresden"
  • 30. Oktober: Konzert mit Andre Engels, Interpretationen von Pink Floyd Musik

Auferstanden ist auch die Drogenmühle immer wieder. Zweimal aus dem Hochwasser.  Die Krise jetzt ist eine andere. Hammermann mag das C-Wort nicht hören, wie er sagt. Von Corona hält er nicht viel, nicht nur, weil er ohne Maske nicht einkaufen darf und dafür bestraft wird. Hammermann kann sich dann in Rage reden. So kennen ihn die Heidenauer und seine Gäste. Trotzdem ist er ruhiger geworden, seit er vor über fünf Jahren 31 Tage auf dem Jakobsweg "mal weg" war. Auch wenn er die 930 Kilometer ohne einen Ruhetag lief. 

In der jahrhundertelangen Geschichte der Drogenmühle sind die vergangenen 20 Jahre nur ein Augenzwinkern. In fünf Jahren wird Hammermann 65 und die Drogenmühlen-Gaststätte 25. "Sie ist unser Leben, unser Zuhause", sagt er. "Und das wird sie bleiben."

Mehr Nachrichten aus Pirna und Maxen lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen. 

Mehr zum Thema Pirna