merken
PLUS Weißwasser

Drohne behindert nicht den Fernsehempfang

Das stellt Tüp-Kommandant René Pierschel im Gemeinderat Weißkeißel klar. Erst ab September herrscht bei den Militärübungen wieder Normalbetrieb.

Symbolbild
Symbolbild © Holger Schué / Pixabay

Es klingt fast wie Zauberei. Immer wenn eine bestimmte Drohne über den Truppenübungsplatz Oberlausitz fliegt, muckern bei den Anrainern in der Gemeinde Weißkeißel die Fernseher, ist der Handy-Empfang gestört. Das treibt so manchen Bürger auf die Palme – und beschäftigt ebenso den Gemeinderat. Was es damit auf sich hat, dazu sollte der Tüp-Kommandant schon vor Wochen vor den Räten Rede und Antwort stehen. Dass es bisher noch nicht dazu kam, hat weniger mit dem Problem, dafür umso mehr mit den allgegenwärtigen Corona-Vorschriften zu tun.

Er sei gerne der Einladung in den Gemeinderat gefolgt, erklärte Oberstleutnant René Pierschel am Mittwochabend im Dorfgemeinschaftshaus Weißkeißel und verwies auf das „eigentlich gute Einvernehmen mit der Gemeinde“. Seine Begleitung hatte er nach eigener Aussage nicht etwa mit, weil er sich nicht alleine vor die Räte getraut hätte, sondern weil es zu Jahresbeginn personelle Veränderungen auf dem Truppenübungsplatz gab und Hauptmann Sven Rahn seither sein Stellvertreter und damit zugleich seine rechte Hand sei.

Anzeige
Eine Pflegeimmobilie als Kapitalanlage
Eine Pflegeimmobilie als Kapitalanlage

In Hainichen kann ab sofort sicher, sorglos und sozial wertvoll Geld angelegt werden.

Alle Drohnen sind zertifiziert

„Ja, wir fliegen mit Drohnen verschiedener Modelle“, wandte er sich dann dem eigentlichen Problem zu. Ein Modell befindet sich seit 25 Jahren im Dienst, war schon vor 30 Jahren entwickelt worden. Durchweg alle Drohnen seien nach offiziellen Zertifizierungsverfahren zugelassen. Aber selbst die älteste Drohne, eben jene, die durch ihre Lautstärke immer mal wieder auffällt, habe „noch nie irgendwelche Verdachtsfälle aufkommen lassen, dass sie den Fernsehempfang stört“. Dazu habe er sich auch an anderer kompetenter Stelle kundig gemacht. In Deutschland seien Frequenzbänder festgelegt und dabei die militärischen Frequenzen weit von denen ziviler Geräte abgekoppelt, erklärte der Oberstleutnant.

Die Drohnen fliegen mit einer Geschwindigkeit von 150 km/h. Würde man – rein theoretisch – einen zehn Meter breiten Korridor einräumen, würde die Drohne diesen in 0,016 Sekunden passieren. Das sei zu schnell, als dass die Elektronik von Fernsehern und anderen Geräten darauf reagieren könnte. „Sämtliche Geräte, die wir benutzen, unterliegen der deutschen Zulassung“, betonte Kommandant René Pierschel ein zweites Mal. Deshalb schließt er die Störung des Fernsehempfangs durch die Drohnen aus.

Tüp-Kommandant Oberstleutnant René Pierschel (li.) und sein Stellvertreter, Hauptmann Sven Rahn, begründeten in Weißkeißel, warum der Vorwurf, dass Drohnen auf dem Übungsplatz den TV-Empfang stören, zu Unrecht besteht.
Tüp-Kommandant Oberstleutnant René Pierschel (li.) und sein Stellvertreter, Hauptmann Sven Rahn, begründeten in Weißkeißel, warum der Vorwurf, dass Drohnen auf dem Übungsplatz den TV-Empfang stören, zu Unrecht besteht. © Constanze Knappe

Wegen Corona Betrieb komplett eingestellt

Im Anschluss berichtete der Oberstleutnant, wie es der Truppe ergangen ist, seit er am 16. März den Befehl erhielt, auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz „sofort den Betrieb einzustellen“. Unabhängig davon sei die Bundeswehr einsatzbereit gewesen, sofort Hilfe zu leisten, wenn es zu den schlimmsten Szenarien etwa wie in Italien oder Spanien kommt. Und das gelte bis heute. Der Fall Tönnies zeige, wie schnell die Bundeswehr zur Stelle ist.

Auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz kam sämtlicher Übungs- und Ausbildungsbetrieb zum Erliegen. Stattdessen waren strenge Hygienekonzepte zu entwickeln. In einem Schützenpanzerwagen mit acht Mann Besatzung könne man schlecht den Abstand von anderthalb Metern einhalten, auch sei es mitunter schwierig, mit Mund-Nasen-Schutz zu arbeiten. „Wir haben Konzepte entwickelt, wie das trotzdem händelbar ist“, so der Tüp-Kommandant.

Schrittweise würden inzwischen wieder einsatzrelevante Übungen durchgeführt. Man dürfe nicht vergessen, dass überall in der Welt Kameraden im Auslandseinsatz sind, die wegen Corona nicht abgelöst werden konnten. Deshalb sei langsam wieder mit dem Training begonnen worden, um beispielsweise die Ablösung nach Mali schicken zu können.

Es gibt wieder erste Übungsschießen

Auch müsse es mit der Ausbildung des Nachwuchses wieder losgehen. „Es ist immer ein Spagat, zu entscheiden, welche Übung angesichts des Corona-Schutzes unbedingt notwendig ist“, erklärte Oberstleutnant Pierschel. Und es sei eine Herausforderung, da zu den Übungsschießen Truppen von verschiedenen Standorten der Bundeswehr hierher verlegt werden, deren Soldaten noch dazu aus vielen verschiedenen Orten stammen. Wie er auf Nachfrage von TAGEBLATT erklärte, hat Singapur die zweite Hälfte seiner Übungsschießen wegen Corona für 2020 abgesagt.
Die Pandemie hatte bereits dem multinationalen Großmanöver Defender 2020 ein schnelles und vorzeitiges Ende beschert. Der Truppenübungsplatz Oberlausitz sollte als Zwischenlager zur Übernachtung von US-Truppen auf den Weg nach Polen dienen. „Wir wären für diese Unterstützungsleistung vorbereitet gewesen. Ich hätte mir gewünscht, dass wir das hätten beweisen können“, sagte er rückblickend.
In dieser und der nächsten Woche finden noch Übungsschießen statt. Mit Ferienbeginn steht die große Instandsetzung an. Er gehe davon aus, dass im September der Übergang zum Normalbetrieb erfolgt.

Kein Tag der offenen Tür

Eigentlich sollte in diesem Jahr ein Tag der offenen Tür auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz stattfinden. Zur vorigen Veranstaltung dieser Art kamen mehrere tausend Besucher. Unter den Corona-Schutz-Vorgaben würde dies aber nicht funktionieren. „Und es würde auch nicht dem Anliegen gerecht, welches wir damit verbinden. Deshalb haben wir uns entschieden, den Tag der offenen Tür auf das nächste Jahr zu verschieben. So leid uns das tut“, begründete der Oberstleutnant.
Weißkeißels Bürgermeister Andreas Lysk ist seit 18 Jahren im Amt. Wie er im Gemeinderat sagte, habe es in dieser Zeit nur zwei Beschwerden gegen den Truppenübungsplatz gegeben. Man tausche sich regelmäßig und offen aus. „Ich bin froh, dass wir auf der Ebene so gut kommunizieren“, sagte er mit Verweis auf Zeiten, in denen das mal ganz anders war.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser