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Zittau

Droht Dreiländer-Brücke weiterer Verzug?

Die Baugenehmigung aller drei Länder liegt vor. Aber es gibt ein anderes Problem.

So soll die Dreiländer-Brücke eines Tages aussehen.
So soll die Dreiländer-Brücke eines Tages aussehen. © PBW/Stadtverwaltung Zittau

Eigentlich ist damit gerechnet worden, dass bei der Feier zu 15 Jahren EU-Ost-Erweiterung am Dienstag und Mittwoch in Zittau und rund um den Dreiländerpunkt, spätestens aber in den nächsten Monaten der Fördermittelbescheid für den Bau der Dreiländer-Brücke offiziell übergeben wird. 

Stattdessen hat der Hradeker Bürgermeister Josef Horinka am Dienstag im Zittauer Theater von einem neuerlichen Rückschlag  für das Vorhaben gesprochen und damit die Hoffnungen der Befürworter des Symbols für das Zusammenwachsen in Europa und des Touristenmagnets gedämpft. Auf SZ-Anfrage hat er nun erklärt, was los ist: Das Projekt soll aus einem sächsisch-polnischen EU-Fördertopf finanziert werden. Dort war es auch eingetaktet. Doch es wird wohl deutlich teurer als die ursprünglichen Planungen vorsahen. Statt einer Millionen Euro gehen die Planer seit einigen Monaten von knapp drei Millionen Euro aus. „Die Zeit und die Mittel der aktuellen Planungsrunde für das EU-Programm sind schon sehr gering“, sagt er. Seiner Meinung nach ist deshalb die Hoffnung nicht mehr sehr groß, dass die Mittel noch in dieser Runde bewilligt werden. "Es ist viel wahrscheinlicher, dass das Geld erst in der nächsten Programmperiode, also nach 2021, kommt“, so Horinka. Ohne die Förderung können und wollen sich Hradek (Grottau), Bogatynia (Reichenau) und Zittau die Brücke nicht leisten. "Außerdem ist die Unterstützung der EU für dieses Projekt gerechtfertigt", betont Horinka. "Die Brücke soll drei europäische Länder symbolisch verbinden."

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Aus der einfachen, vor 15 Jahren geplanten Kreis-Brücke ist inzwischen eine Schrägseilbrücke mit fast 20 Meter hohen Pylonen geworden - die nun auch teurere Anbindungen an das Radwegenetz auf den drei Seiten braucht. Dass der aktuelle Entwurf der Brücke außerdem so viel teurer ist, hängt laut des verantwortlichen polnischen Ingenieurbüros PBW vor allem mit dem instabilen Untergrund und dem Schutz vor Hochwasser zusammen. Die Konstruktion behindert die Neiße kaum, auch wenn sie deutlich mehr Wasser als normal führt.

Über der Brücke wird schon seit 2004 gesprochen, als bei den Feierlichkeiten zum Beitritt weiterer zehn Staaten zur Europäischen Union am Dreiländerpunkt drei provisorische Brücken errichtet wurden. Eigentlich sollte sie längst stehen. Zuerst hatte  Zittau den Hut für Planung und Bau auf, scheiterte aber an den unterschiedlichen Bau- und Wassergesetzen in den drei Ländern. 2015 übernahm Hradek, ließ eine dreiarmige Brücke von einem Liberecer (Reichenberger) Büro entwerfen, gab aber auch wegen derselben Probleme auf. Dann übernahm die Woiwodschaft Niederschlesien für Bogatynia den Staffelstab. Seit dem geht es vorwärts. Laut Horinka liegt inzwischen sogar die Baugenehmigung aller drei Länder vor. Ursprünglich war die Brücke ausschließlich ein Projekt des Kleinen Dreiecks, also der Städte Hradek, Bogatynia und Zittau. Erst seit zwei Jahren sind der Bezirk Liberec und die polnische Woiwodschaft im Boot.

Neben den knapp 20 Meter hohen Pylonen soll die Brücke laut der polnischen Ingenieure eine sechseckige Mittelplattform bekommen, an der sich die drei ab den Widerlagern 36,5 Meter langen Arme treffen. Sie soll mindestens sieben Meter im Durchmesser betragen. Der Fußgänger- und der Radweg auf der Brücke sind jeweils zwei Meter breit und von einem 1,20 Meter hohen Geländer gesäumt. Die Aufhängung und alle Stahlseile sollen weiß lackiert, die Geländer aus Edelstahl gefertigt werden und alle Betonelemente ihre natürliche Farbe behalten. Die Pylonen und die Mittelplattform könnten mit LED-Lampen beleuchtet werden. 

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