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Rettet der Freistaat die Körse-Therme?

Wegen der Corona-Pandemie soll das Kirschauer Freizeitbad geschlossen werden. Eine kleine Chance sehen die Betreiber-Gemeinden aber noch.

Die Körse-Therme in Kirschau soll offenbar dauerhaft geschlossen bleiben. Das wurde am Montag bekannt.
Die Körse-Therme in Kirschau soll offenbar dauerhaft geschlossen bleiben. Das wurde am Montag bekannt. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Schirgiswalde-Kirschau. Das Gerücht, das am Wochenende in Schirgiswalde-Kirschau die Runde machte, schien zunächst unglaublich: Die Körse-Therme, hieß es, soll für immer schließen. 

Eine Mitteilung der Gewerkschaft Verdi vom Montagvormittag bestätigt den Dorfklatsch. Wie Verdis Landesfachbereichsleiter Detlef Heuke später erklärt, habe man aus Reihen der Angestellten von der geplanten Schließung erfahren. Die sei den 30 Mitarbeitern der Körse-Therme auf einer Versammlung am vergangenen Mittwoch verkündet worden. Sven Gabriel (FDP), Vorsitzender des Zweckverbandes Körse-Therme Kirschau und Bürgermeister der Stadt, habe kurzfristig zu der Versammlung geladen.

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Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 20. Januar 2021, in virtuellen Räumen statt.

Die geplante Schließung könne darauf hindeuten, dass der Zweckverband die Privatisierung des Bades vorbereitet, so Heuke weiter. So könnten etwa der seit anderthalb Jahren gültige Haustarifvertrag ausgehebelt und die Lohnkosten gesenkt werden. Auch wegen der gestiegenen Löhne hatte sich die Bilanz des Bades in den vergangenen Jahren verschlechtert.

Enorme Einbußen beim Badbetrieb

50 Prozent der Angaben der Gewerkschaft sind wahr, entgegnet Sven Gabriel auf all das und schickt seinen Erörterungen einen Überblick über die Probleme der Körse-Therme vorweg: Corona-bedingt habe die Einrichtung Umsatzeinbußen von 400.000 Euro hinnehmen müssen – und das in den wichtigsten Geschäftsmonaten des Jahres.

Für dieses Defizit müssten die Gemeinden im Zweckverband anteilig aufkommen – und das, obwohl die Körse-Therme ohnehin ein Zuschuss-Geschäft sei. Zu den Kosten für die Sicherung des laufenden Betriebes kämen außerdem die dringend notwendige Sanierung und das zunehmende Risiko des Technik-Ausfalls in dem 22 Jahre alten Hallenbad.

Gabriels Fazit ist klar: Die Verbandsversammlung, erklärt er, empfehle den Gemeinden die Schließung des Bades, sofern sich das bei Gesprächen in den kommenden Tagen als die wirtschaftlichste Lösung erweise. Die Räte von Schirgiswalde-Kirschau, Sohland, Beiersdorf und Obergurig beraten bis Ende Juni ihrerseits über das Aus für das Freizeitbad. Eine der Gemeinden des kreisübergreifend organisierten Verbandes, verrät Gabriel, habe sich bereits für die Schließung ausgesprochen.

Die Suche nach der billigsten Lösung

Ob die Einstellung des Betriebs wirklich die wirtschaftlichste Lösung für die Kommunen ist, steht derzeit aber noch nicht fest. Sven Gabriel hat deshalb am kommenden Freitag einen Termin bei der Landesdirektion. Dort muss geklärt werden, ob der Zweckverband im Falle einer Schließung der Körse-Therme bereits erhaltene Fördergelder zurückgeben muss.

Davon flossen in den vergangenen Jahren einige. Um den Betrieb der Körse-Therme bis Ende des Jahres 2020 zu garantieren, hatte der Kreistag 2018 Fördermittel in Höhe von 650.000 Euro beschlossen. Die gleiche Summe hatten die Verbandsmitglieder für die Aufrechterhaltung des Badbetriebs aufzubringen. Seitens des Landkreises seien in den Jahren 2018 und 2019 bereits Zuschüsse in Höhe von 450.000 Euro an den Verband gezahlt worden, heißt es aus dem Landratsamt. Die restlichen Mittel in Höhe von 200.000 Euro seien in diesem Jahr noch nicht geflossen.

„Wenn wir durch die Schließung Fördermittel zurückzahlen müssten, wäre die Entscheidung unwirtschaftlich. Dann würden wir das Bad weiterbetreiben, müssten aber damit rechnen, dass mit Schirgiswalde-Kirschau und Sohland mindestens die beiden größten Anteilseigner an der Körse-Therme in die Haushaltskonsolidierung gehen müssten“, so Gabriel. „Kein Fasching, kein Weihnachtsmarkt, keine freiwilligen Leistungen der Gemeinde mehr“, verdeutlicht er die Folgen einer solchen Schuldenbremse.

Gabriel: Gerüchte um Privatisierung sind Nonsens

Was keinesfalls stimme, fährt Sven Gabriel fort, sei die Vermutung der Gewerkschaft, die Schließung des Bades solle ein erster Schritt hin zur Privatisierung sein. „Das ist totaler Nonsens. Die Körse-Therme war schon immer ein Defizit-Geschäft. Damit lässt sich kein Geld verdienen. Für jeden Investor ist das total uninteressant“, sagt er bestimmt.

Was im Falle einer Schließung aus dem großen Hallenbad mit Saunalandschaft und Solebecken werden könnte, lässt Gabriel vorerst noch offen. Erst, sagt er, wolle er die Entscheidung der Landesdirektion abwarten. Mit dem Wissen um etwaige Rückforderungen könne sich dann auch der Landkreis zu den Schließungsplänen positionieren. 

Auch an Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmar (CDU) hat Gabriel sich zwischenzeitlich mit einem Brief gewandt. Darin, sagt er, habe er um Unterstützung gebeten und betont, dass der Unterhalt für eine Institution wie die Körse-Therme von kleinen Landgemeinden nicht zu bezahlen sei – zumal die finanzierenden Kommunen kaum von den Bad-Besuchern profitieren. Eine Antwort habe er darauf bislang noch nicht erhalten.

Der Beitrag wurde am 15. Juni 3030, 18.20 Uhr, aktualisiert.

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