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Droht Sebnitz ein Händlersterben?

Die Zeiten sind schwer für Händler und Veranstalter. Die Stadt Sebnitz schnürt ein Hilfspaket für die betroffene Branchen.

Die Firma Ratags Holzdesign schließt ihr Geschäft auf dem Sebnitzer Markt.
Die Firma Ratags Holzdesign schließt ihr Geschäft auf dem Sebnitzer Markt. © T. Weber

"Alles muss raus"-Räumungsverkauf im Geschäft der Firma Ratags-Holzdesign am Markt in Sebnitz.  In wenigen Tagen wird hier alles leer sein, so wie es in der Passage nebenan bereist seit Längerem ist. Dort hält nur noch Dürrröhrsdorfer eisern die Stellung. 

"Ja wir schließen unsere Filiale am Sebnitzer Markt", sagt Ratags-Pressesprecher Johannes Dose. Zu den Gründen will er sich noch nicht äußern. Wäre es tatsächlich aus wirtschaftlicher Sicht, wäre es wohl ein Verlust. Denn das Geschäft führte eine breite Palette von nicht nur Handwerkskunst, gefertigt im Langenwolmsdorfer Stammhaus, sondern auch Deko und Geschenken.

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Um über die Auswirkungen auf den kommunalen Haushalt hinaus ein umfassendes Bild zu erhalten, organisierte der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) mehrere Gesprächsrunden mit Vertretern von Unternehmen, Handwerkern, Dienstleistungsunternehmen, Beherbergungs- und Gastrogewerbe, Händlern und Gewerbetreibenden sowie Sebnitzer Vereinen. Darüber hinaus hat die Stadt Sebnitz ihre voraussichtlichen Verluste im kommunalen Haushalt analysiert. Herausgekommen ist ein Maßnahmepaket, über welches im nächsten Stadtrat am 20. Mai diskutiert und entschieden werden soll.

So geht es Handel, Gastronomie und Handwerk

Vor allem die Sebnitzer Händlern und Gewerbetreibenden beklagen ein gesunkenes Konsumverhalten. Die Kunden sind vorsichtiger geworden, sei es zum einen aus eigenen Existenzängsten oder zum anderen, weil ein Einkaufsbummel derzeit keinen Spaß macht. Einen Ausweg sehen die Betroffenen im Tourismus. Doch der schwächelt im Moment. Kaum Privattouristen, noch immer keine Busreisen. Letzteres wird es auch in den nächsten Monaten sicherlich nicht geben. Prekär ist offenbar die Lage auch zum Beispiel bei Dienstleistungsunternehmen, wie Physiotherapien. Da Krankschreibungen weiter telefonisch möglich sein sollen, stellen die Ärzte offenbar auch kaum Behandlungsrezepte aus. 

Als existenzgefährdent schätzen derzeit die Hotels, Pensionen und Gaststätten ihre Lage ein. Auch nach der Wiedereröffnung bleiben Sorgen und Probleme. Vor allem auch, weil man davon ausgeht, dass die Sommermonate die Verluste nicht ausgleichen werden. Die kritische Zeit für das Gastgewerbe sind die generell touristenarmen Monate von Dezember bis Februar. Im Gegensatz dazu schätzen die produzierenden Betriebe und Handwerker in Sebnitz ihre Situation als gut ein.

Auch bei den Sebnitzer Vereinen halten sich offenbar die Corona-Auswirkungen in Grenzen. Ausgenommen Einnahmen aus geplanten Veranstaltungen. Die Stadt Sebnitz ist unter anderem mit der Klangmanufaktur und den Sachsenländer Blasmusikanten übereingekommen, dass diese im Jahr 2020 ihre bereits genehmigten Fördermittel für Veranstaltungen nicht abrufen. Wonnemond und das Jubiläumsfest der Sachsenländer wurden abgesagt.

Sebnitz schnürt dennoch ein Hilfspaket

Größere Ausfälle im privaten Bereich wird die Stadt nicht kompensieren können. Dennoch habe man sich dazu verständigt, mit einigen Maßnahmen unterstützend zur wirken. Stimmen die Stadträte dem zu, erhebt Sebnitz in 2020 keine Tourismusabgabe. Außerdem will man als Hilfe für die Sebnitzer Gewerbetreibenden die Kosten für jeweils eine Werbung im Grenzblatt übernehmen.

Ebenso wird das Programm für die Ansiedlung und Übernahme von Sebnitzer Einzelhandelsgeschäften und Sebnitzer Dienstleistungsunternehmen im Stadtgebiet ohne Kürzungen fortgesetzt. Ein wichtiges Zeichen will man auch in Richtung Pendler und deren Arbeitgeber senden. Wenn der Stadtrat es beschließt, werden für tschechische Arbeitspendler beziehungsweise deren Arbeitgeber 25 Prozent der Kosten, jedoch nicht mehr als 50 Euro pro Corona-Einzeltest übernommen. Insgesamt sollen dafür maximal 7.500 Euro ausgegeben werden. Die Stadt Sebnitz ergänzt damit das Angebot des Landkreises welcher bereits 50 Prozent eines Test trägt, dessen Kosten bei etwa 200 Euro liegen. 

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 "Ich denke, wir legen damit in Abstimmung mit dem Hauptausschuss, dem Stadtrat ein ausgewogenes erstes Maßnahmenpaket vor und kompensieren damit nahezu auch die Einnahmeverluste. Persönlich glaube ich, dass wir stadtseitig gut aufgestellt sind und aufgrund des guten Wirtschaftens der letzten Jahre gut durch das Jahr 2020 kommen", sagt Oberbürgermeister Mike Ruckh.

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