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Druck auf Mietpreise nimmt zu

In Freital wächst die Nachfrage nach bezahlbarem und hochwertigem Wohnraum. Doch damit steigen auch die Preise.

Von Jane Jannke

Lange Jahre litt Freital unter dem Ruf, kein sehr wohnlicher Ort zu sein. Bröckelnde Fassaden und ein wenig einladendes Wohnumfeld schreckten potenzielle Zuzügler ab. Wohnen blieb so lange eine ausgesprochen günstige Angelegenheit. Verglichen etwa mit Dresden ist es das auch heute noch. Wechselwirkungen bleiben dennoch nicht aus: Mit der schrittweisen Aufwertung des Wohnstandortes Freital in den letzten Jahren steigt nicht nur die Nachfrage nach Wohnraum in der Stadt stetig, sondern auch die Preise. „Der Druck auf das Umland wird in den nächsten Jahren zunehmen“, sagt auch Matthias Wagner, Sprecher des Mietervereins für Dresden und Umgebung.

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Trendmarken in der Centrum Galerie
Trendmarken in der Centrum Galerie

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Die durchschnittliche Kaltmiete beträgt in Freital heute etwa 5,50 Euro pro Quadratmeter. Gemessen an Dresdner Verhältnissen, wo Quadratmeterpreise von unter sieben Euro immer seltener werden, bekommt man in Freital hochwertigen Wohnraum noch für vergleichsweise kleines Geld. Dennoch sind in den letzten Jahren auch hier die Mieten stetig gestiegen. Die Entwicklung hin zum Vermietermarkt hat längst begonnen. Sieben oder gar acht Euro pro Quadratmeter finden sich auf dem freien Wohnungsmarkt immer häufiger, bilden derzeit allerdings noch periphere Spitzenwerte.

Die Nähe zu Dresden ist neben einem stetig attraktiver werdenden Wohnumfeld ein zusätzliches Ass im Ärmel der hiesigen Anbieter. Und so hat manch ein von den Mietpreisexplosionen der letzten Jahre geplagter Dresdner seinen Wohnsitz mittlerweile von der Elbe an die Weißeritz verlegt. Der Trend – das bestätigen Freitaler Wohnungsunternehmen fast einhellig – sei nicht von der Hand zu weisen. Eine Entwicklung, die nicht nur Positives bringt. Vor allem in den unteren Schichten steigt die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum, der in Dresden zusehends knapper wird. Bereits jetzt bezieht rund ein Achtel der Freitaler Hartz IV.

Insbesondere den drei Freitaler Wohnungsgenossenschaften und der städtischen Wohnungsgesellschaft WGF beschert das einen regen Zulauf. Alle vier vermelden auf Anfrage nahezu Vollvermietung, die Leerstandsquoten bewegen sich zwischen 1,5 und vier Prozent. Die Kaltmietpreise liegen hier im Schnitt bei 4,50 Euro pro Quadratmeter – und damit deutlich unter dem Marktschnitt. Die Freitaler Wohnungsgenossenschaft GEWO hält allein in Zauckerode mehr als 1000 Wohnungen im Hartz-IV-fähigen Bereich vor; die WGF ist in dem Segment Großanbieter in Deuben, Potschappel und Hainsberg.

Viel Luft nach oben

Doch auch vor den Genossenschaften macht der Trend zu steigenden Mieten nicht halt – auch wenn diese sich hier eher moderat abzeichnen. „Im Großen und Ganzen konnten wir unsere Preise über den Gesamtbestand stabil halten“, gibt WGF-Chef Uwe Rumberg zu Protokoll. Bezahlbarer Wohnraum für alle sei zentrales Anliegen des städtischen Unternehmens. Der allerdings wird auch hier zusehends rarer, denn mit jeder Modernisierung steigen zwangsläufig die Mieten – bei einer Vollsanierung sogar erheblich.

Seit Jahren explodierende Preise für Bauleistungen sowie höhere EU-Anforderungen für energetische Sanierung lassen Baukosten in die Höhe schnellen – und die werden an den Mieter weitergegeben. Um bis zu zwei Euro steigt die Kaltmiete nach der Sanierung einer Genossenschaftswohnung. 1,8 Millionen Euro investierte die WGF 2013 in die Wohnhäuser Zöllmener Straße 27 und 29 in Wurgwitz – sieben Euro pro Quadratmeter Kaltmiete schlagen dort heute zu Buche. „Wir hätten sogar mehr verlangen können“, verrät Rumberg. Längst würden nicht sämtliche Baukosten auf die Miete umgelegt, aber man könne eben auch nicht am Markt vorbeileben.

Auch in den neu sanierten Häusern der WG Raschelberg in der Rudeltstraße zahlt man mittlerweile sieben Euro Kaltmiete pro Quadratmeter, im GEWO-Neubau im Weißeritzgässchen werden immerhin 6,20 Euro fällig. Ähnlich wie bei der WGF beeilt man sich aber auch hier, darauf hinzuweisen, dass es sich bei solchen Objekten um „Ausreißerprojekte“ zudem zumeist in bester Lage handele. „Wir werden längst nicht alle unsere Bestände derart hochwertig sanieren“, betont Uwe Rumberg. Langfristig jedoch gehe der Trend zur weiteren Preissteigerung. „Die Leute sind bereit, diese Preise zu zahlen.“ So funktioniert eben Marktwirtschaft.