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Berliner Lob für Dohnas Druckerei

Die historische Werkstatt am Markt macht inzwischen bundesweit von sich reden. Eine Professorin staunt über den "kleinen, aber sachkundigen Freundeskreis".

Hinter diesen Dohnaer Fenstern am Markt tut sich, was bis nach Berlin bekannt ist.
Hinter diesen Dohnaer Fenstern am Markt tut sich, was bis nach Berlin bekannt ist. © Daniel Schäfer

Von wegen, es wird nichts mehr gedruckt. Manchmal sogar ganz historisch. Die Dohnaer haben sich in den Kreisen der Gutenberg-Jünger damit einen Namen gemacht. Sogar die Beuth-Hochschule für Technik Berlin weiß die Arbeit der Dohnaer zu schätzen. Prof. Dr. Anne König von der Hochschule war vor zwei Jahren das erste Mal in Dohna. Seither stehen sie und die Dohnaer in Kontakt. 

Nun hatte sie die Idee für einen Workshop, der vom 18. bis 20. September in Dohna und Maxen stattfindet und an dem neun Stipendiaten des bundesweiten Vereins der Schwarzen Kunst teilnehmen. Sie werden sich drei Tage lang mit der Frakturschrift beschäftigen und dabei ein altes Werk neu entstehen lassen. Es ist „Ain nützlichs Büchlein von der Speis des Menschen”, das von Klaus-Dieter Stellmacher neu interpretiert wurde. Der Druck wird der gemeinsame Beitrag zum Jahr der Industriekultur sein, sagt Annelie Ziegra. Sie ist die Chefin der Dohnaer Buchdrucker, die als Arbeitsgruppe zum Kulturverein gehören. 

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Dieses Büchlein soll während des Workshops in Dohna neu gesetzt und gedruckt werden.
Dieses Büchlein soll während des Workshops in Dohna neu gesetzt und gedruckt werden. © privat

Gesetzt wird im traditionellen Handsatz mit Bleilettern in verschiedenen Frakturschriften. Sie stammen aus den Beständen der Dohnaer, der Berliner Hochschule, der Grafikwerkstatt Dresden, der Alpirsbacher Offizin sowie der Manufaktur Willi Beck. Illustriert wird das Werk mit fünf Linolschnitten von Klaus Eberlein aus München. Gedruckt wird an den Original Heidelberger Tiegeln, den Tiegeldruckpressen der Dohnaer. Weil der Platz hier in der Druckerei begrenzt ist, wird es zweite Satzstube im  nicht öffentlichen Kunstdepot Maxen geben, sagt Annelie Ziegra. "Während wir setzen, werden zuerst die Linolschnitte gedruckt." Auch Korrekturlesen ist ein wichtiger Teil.

Was ist Frakturschrift?

  • Die Fraktur ist eine Schriftart. Sie war von Mitte des 16. bis Anfang des 20. Jahrhunderts die meistbenutzte Druckschrift im deutschsprachigen Raum.
  • Die Frakturschrift wurde in Deutschland in ausgewählten Publikationsbereichen Ende des 19. Jahrhunderts von der Antiqua abgelöst. 
  • Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde die Fraktur zunächst als deutsche Schrift betrachtet und erlebte eine Renaissance. 1941 folgte eine komplette Kehrtwende. Die der Fraktur ähnliche Schwabacher Schrift wurde als „Judenschrift“ bezeichnet. Beide galten ab sofort als unerwünscht. Die Antiqua wurde zur „Normalschrift“. 1941 erschien der Duden letztmals in Fraktur.
So sieht die gesetzte Frakturschrift aus.
So sieht die gesetzte Frakturschrift aus. © privat

Mit dem Druck wird auch etwas für den Erhalt des Bleisatzes und des Buchdruckes getan. Beide stehen seit zwei Jahren auf der deutschen UNESCO-Liste für das immaterielle Kulturerbe. Mit Aktionen wie der jetzt in Dohna wollen die Initiatoren auch dazu beitragen, dass Satz und Druck auch in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen werden.

Ein kleiner, aber sachkundiger Kreis, lobt der Verein Schwarze Kunst die Dohnaer. Hier Dieter Meier (l.), Petra Eberhardt und Anett Großmann beim Tag der offenen Tür im Januar.
Ein kleiner, aber sachkundiger Kreis, lobt der Verein Schwarze Kunst die Dohnaer. Hier Dieter Meier (l.), Petra Eberhardt und Anett Großmann beim Tag der offenen Tür im Januar. © Daniel Schäfer

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Das fertige Buch wird am 17. Oktober 2020 im Museum der Papiermühle Homburg und im März nächsten Jahres auf der "BuchDruckKunst" in Hamburg präsentiert. Für die Dohnaer ist es eine Anerkennung ihrer Arbeit, ein Teil dieses Gesamtwerkes zu sein. Besonders freuen sie die Worte des Schwarze Kunst-Vereins, dessen Schriftführerin über sie sagt: "Ein kleiner, aber sachkundiger Freundeskreis aus Schriftsetzern und Druckern."

Die Dohnaer Buchdruckerei befindet sich am Markt und öffnet immer am ersten Sonnabend im Monat von 14 bis 17 Uhr für Besucher.

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