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Tschechen pampern ganz Europa

Die Firma Drylock an der Grenze bei Zittau ist der größte Windel-Produzent Europas und peilt die 1.000 Mitarbeiter-Marke an - dank neuer Großaufträge von Lidl und DM.

Zwei Mitarbeiterinner von Drylock in Hradek zeigen Produkte der Firma.
Zwei Mitarbeiterinner von Drylock in Hradek zeigen Produkte der Firma. © archiv Parliamo

Schon jetzt produzieren die Mitarbeiter im Drylock Technologies-Werk auf der tschechischen Seite des Dreiländerecks bei Zittau tausend Windeln - pro Minute. Und es sollen noch mehr werden: Die Firma wird ab September mit ihren Hygiene-Produkten alle Lidl-Geschäfte in Europa versorgen. Das verkündete Drylock-Chef Bart van Malderen am Donnerstag in Hrádek (Grottau). Darüber hinaus wird die deutsche Drogeriekette DM neuer Großkunde. 

Mit den neuen Verträgen will das Unternehmen den Umsatz um ein Drittel auf rund 360 Millionen Euro erhöhen. Für die zusätzlichen Aufgaben sucht es 100 neue Mitarbeiter - allerdings keine Deutschen. Wegen der Sprachbarriere und weil 1.000 Euro Bruttolohn pro Monat für sie nicht interessant sind. 2021 soll das Wachstum genauso explosiv weitergehen - dann könnte die 1.000 Mitarbeiter-Marke geknackt werden.  „Schon jetzt sind wir der größte Windel-Produzent in Europa", sagte van Malderen. "Aus dem Lausitzer Gebirge werden weltweit Supermarktketten beliefert.“

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Damit auch die Produktionskapazitäten mithalten, baut das Unternehmen schon wieder an. Gegenüber der beiden Produktionshallen wächst ein riesiges vollautomatisches Lager mit einer Kapazität von 40.000 Paletten in die Höhe. Das vollautomatische, wohl modernste Lager Tschechiens soll Ende 2021 fertig sein. Das dreistöckige Gebäude wird der Firma vor allem Transportkosten sparen. Bisher lagert sie ihre Waren im 135 Kilometer entfernten Prag und im 15 Kilometer entfernten Chrastava (Kratzau). Rund 100 Lastkraftwagen am Tag pendeln zwischen dem Werk an der Grenze zu Polen und Deutschland und den Lagerorten.

Hradek ist der größte Standort der international aufgestellten Firmengruppe. 200 Millionen Euro hat der Aufbau des Werks bisher gekostet. „Wir arbeiten auf 19 Produktionslinien, zwei neue sind schon im Betrieb und zwei weitere Anlagen sind unterwegs“, sagte Fabrikdirektor Leoš Preisler. Aktuell schickt die Firma aus ihren Hradeker Hauptbetrieb über 2,4 Milliarden Babywindeln und ungefähr 204 Millionen Windeln-Hosen für Inkontinenz pro Jahr in die Welt.

750 Menschen arbeiten in den zwei Hallen - 350 mehr als vor zwei Jahren. Fast 92 Prozent davon sind Tschechen. Ein Viertel stammt aus der Region um Hradek, die anderen kommen aus dem Schluckenauer Zipfel, aus Liberec (Reichenberg) und Umgebung sowie aus Česká Lípa (Böhmisch Leipa). „Nur vier Prozent der Beschäftigten kommt aus Polen. Das war unser Glück in den Corona Zeiten, als die Grenze geschlossen war“, sagte Ondřej Kout, Leiter der Personalabteilung.  

Im Dreiländereck erforscht und entwickelt Drylock auch neue Produkte. So hat die Firma am Beginn der Corona-Krise innerhalb von nur vier Tagen einen Teil der Produktion  umgestellt und 2,2 Millionen Filter für Schutzmasken hergestellt. Nun läuft diese Produktion in Spanien weiter und der Hradeker Betrieb ist zur Produktion von Windeln, Windelhosen und Damenbinden zurückgekehrt. „Auch in diesem Segment steigt in der Krise der Absatz, weil sich die Menschen mit einem Vorrat versorgt haben“, so Kout.

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Die belgische Firma Drylock Technologies mit Sitz in Zele (Flandern) hat neun Standorte, darunter in Russland, Brasilien, den USA, Italien und Spanien, beschäftigt rund 3.250 Mitarbeiter und besitzt 220 internationale Patente. Der Umsatz der Gruppe lag 2019 bei 521 Millionen Euro. Zur Produktpalette von Drylock gehören neben Windeln für Kinder und Erwachsene, Feuchttücher zur Babypflege und Hygieneartikel wie Einlagen und Tampons. 

Drylock-Chef Bart van Malderen.
Drylock-Chef Bart van Malderen. © Petra Laurin

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