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Ihre schlimmen Erfahrungen mit Corona

Sie ist die stille Volleyball-Macherin im Hintergrund. Jetzt erzählt Sandra Zimmermann offen über ihren Umgang mit dem Virus – und wie sie helfen kann.

Am Rande der Herrenriege: Sandra Zimmermann neben DSC-Volleyball-Chef Jörg Dittrich, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und DSC-Präsident Wolfgang Söllner.
Am Rande der Herrenriege: Sandra Zimmermann neben DSC-Volleyball-Chef Jörg Dittrich, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und DSC-Präsident Wolfgang Söllner. © Lutz Hentschel

Dresden. Die Entscheidung hat sich Sandra Zimmermann nicht leicht gemacht. Öffentlich darüber reden und doch lieber für sich behalten, dass sie eine von rund 4.400 Corona-Patienten in Sachsen ist – oder besser gesagt war. Die Geschäftsführerin der Volleyballfrauen des Dresdner SC hat sich für Reden entschieden. Und das sehr offen, mit kleinen Abstrichen.

Die 33-Jährige war Anfang März mit einer knapp 16-köpfigen Gruppe von Freunden für drei Tage im Mini-Winterurlaub in Österreich. Wo genau, mag sie nicht sagen. Vielleicht Ischgl, Europas Corona-Hotspot? Bestätigen will Zimmermann in der Telefonkonferenz mit Journalisten keinen Ort. Aber dass sie von dem kleinen Ausflug mit einem zunächst flauen Gefühl zurückgekehrt ist nach Dresden – und mit dem Coronavirus.

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„Ich habe bewusst eine Zeit lang nicht darüber gesprochen“, sagt Zimmermann. „Zum einen, weil diese Erkrankung keine leichte Zeit war. Zum anderen war ich verunsichert über den Verlauf, was da mit einem selbst passiert, wie geschwächt man ist, welche Symptome man ausbildet“, erklärt die Managerin.

Hinterher ist man immer schlauer

Aus dem zunächst unguten Gefühl heraus verordnete sich Zimmermann nach ihrer Rückkehr eine selbst auferlegte häusliche Quarantäne. „Aus Vorsicht, weil im Zusammenhang mit Österreich-Reisen immer wieder Corona-Meldungen aufploppten. Ich wollte einfach kein Risiko eingehen.“ Als leichtsinnig stuft sie den Kurzurlaub im Nachhinein nicht ein, zumindest nicht deutlich. „Das war eine abgewogene Entscheidung. In diesem Zeitraum sind sehr schnell viele Dinge passiert, die auch unerwartet kamen. Da lässt sich leicht sagen: Hinterher ist man schlauer“, betont Zimmermann und ergänzt: „Es gab bestimmte Erkenntnisse noch nicht, nach denen man hätte anders abwägen können.“

Aber sie fühlt sich trotzdem unwohl in ihrer Haut. „Ich bin vollständig genesen, belastbar. Es ist mir aber unangenehm, dass es mir passiert ist. Ich bin ein sehr vorsichtiger Mensch – und habe mich trotzdem angesteckt.“ Der Ärger darüber klingt jetzt noch durch.

Schon knapp drei Tage nach der Rückkehr bestätigte sich Zimmermanns Gefühl, die ersten Corona-Symptome traten auf. „Ich habe relativ schnell sehr hohes Fieber bekommen und schweren, trockenen Husten“, berichtet sie. Zwischen 38,5 und 39 Grad schwankte ihre Körpertemperatur fast eine Woche lang. Am 16. März suchte die DSC-Geschäftsführerin die Corona-Ambulanz in der Uniklinik Dresden auf und ließ sich testen. Noch am selben Nachmittag wurde ihr telefonisch mitgeteilt: positiv. Ebenso wie knapp die Hälfte ihrer Österreich-Reisegruppe.

In der zweiten Woche Quarantänt erholt sie sich

Zimmermann setzte ihre Quarantäne fort – jetzt offiziell angeordnet vom Gesundheitsamt. „Die erste Woche war nicht leicht“, sagt sie. Das allgemeine Belastungsempfinden war komplett gestört. Selbst geringe körperliche Aktivitäten fühlten sich an „wie eine dreistündige Sporteinheit“. Als frühere Leistungssportlerin im Shorttrack weiß Zimmermann, wovon sie spricht. Auch die Begleiterscheinungen zeigten sich in aller Heftigkeit. „Ich hatte Kopfschmerzen, als hätte mir jemand mit dem Schnitzelklopfer auf den Kopf gehauen“, erklärt sie, dazu kamen Appetit- und Geschmacksverlust. 

Ihre Eltern, Freunde oder die Familie von DSC-Abteilungsleiter Jörg Dittrich erledigten die Einkäufe und stellten sie vor die Tür. „Diesen Menschen bin ich so dankbar“, sagt sie.

In der zweiten Woche der Quarantäne erholte sich der Körper allmählich. „Ich habe, wie wahrscheinlich viele Leute, meinen Frühjahrsputz vorgezogen. Aber in Wahrheit tut man ja nicht viel, außer sich gesund zu schlafen“, erklärt sie rückblickend mit einem Lachen. Vergessen sind die Sorgen und Ängste nicht: „Weil man einfach nicht weiß, was auf einen zukommt.“

Der größte sportliche Erfolg in dieser Saison: Der DSC gewinnt in Stuttgart den Pokal - und Sandra Zimmermann ist mittendrin.
Der größte sportliche Erfolg in dieser Saison: Der DSC gewinnt in Stuttgart den Pokal - und Sandra Zimmermann ist mittendrin. © Lutz Hentschel

Mannschaftsarzt Dr. Tino Lorenz war in dieser Zeit ein wichtiger Ansprechpartner, und auch der Kontakt in die DSC-Geschäftsstelle blieb. Denn trotz oder gerade wegen der abgebrochenen Saison gab es jede Menge zu tun. Verträge mit Spielerinnen auflösen beispielsweise. „Es mussten viele Sachen erledigt werden. Da bin ich meinem Team in der Geschäftsstelle und dem Vorstand sehr dankbar, die haben all die Dinge erledigt, die keinen Aufschub duldeten“, sagt sie.

Seit dem 29. März, dem offiziellen Ende ihrer Quarantäne, gilt Zimmermann als geheilt. Die ersten Schritte danach wird sie wohl nie vergessen. „Ein merkwürdiges Gefühl. Ich habe mich extrem auf die Bewegung und die frische Luft gefreut“, erinnert sich Zimmermann.

Jeder trägt eine Verantwortung

Als genesene Corona-Patientin gilt sie als immun gegen die Krankheit und kann nun sogar etwas für andere tun. Das Deutsche Rote Kreuz arbeitet mit der Uniklinik Dresden an einer Studie, inwieweit das Blutplasma von Genesenen bei der Heilung von noch erkrankten Patienten hilft – vereinfacht formuliert. An diesem Montag absolvierte die DSC-Geschäftsführerin die nötige Voruntersuchung. Sind ihre Werte in Ordnung, wird sie in der nächsten Woche dann erstmals Blutplasma spenden.

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Einen Appell möchte Zimmermann unbedingt zum Schluss der Telefonschalte noch loswerden. In Zeiten, in denen die Rufe nach mehr und mehr Lockerungen der gesellschaftlichen Einschränkungen immer dringlicher werden, ist ihr das besonders wichtig. „Jeder“, sagt Zimmermann, „trägt eine Verantwortung für sich, für seine Familie, Freunde, Nachbarn – oder den unbekannten Menschen, den man im Supermarkt trifft.“ Ihr ist das schmerzlich bewusst geworden.

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