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DSC-Kapitänin: Darum verlasse ich Dresden

Katharina Schwabe hat acht Jahre für den DSC gespielt, war Leistungsträgerin und Publikumsliebling. Jetzt geht sie nach Frankreich - und spricht über ihre Gründe.

Katharina Schwabe war Leistungsträgerin und Identifikationsfigur beim Dresdner SC. Nun sucht sie eine neue Herausforderung in Frankreich.
Katharina Schwabe war Leistungsträgerin und Identifikationsfigur beim Dresdner SC. Nun sucht sie eine neue Herausforderung in Frankreich. © Ronald Bonß

Es war die überraschendste Personalentscheidung in diesem Sommer – sowohl der Name als auch der Zeitpunkt. Katharina Schwabe, zuletzt Kapitän bei den Volleyball-Frauen, acht Jahren im Profiteam, eine Identifikationsfigur des Klubs, verlässt den Dresdner SC, – wurde in einer Pressemitteilung am 3. Juli verkündet. 

„Die Entscheidung fühlt sich gut an“, sagt Schwabe auch fast einen Monat später beim Treffen mit der Sächsischen Zeitung. Es ist ihr letzter Besuch in Dresden, bevor für sie am 17. August das Abenteuer Nantes Frankreich startet. Noch nie war sie in dem Land, kennt bis auf „Merci“ kaum ein französisches Wort.

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Dass es gute deutsche Volleyballerinnen früher oder später mal ins Ausland zieht, ist für viele der logische Schritt. Bei der dienstältesten DSC-Spielerin aber dachten wohl nicht wenige im Umfeld, sie würde ihn nie wagen. Katharina Schwabe ist ein Familienmensch, ihre Eltern leben in Krauschwitz in der Oberlausitz, ihr Bruder in Dresden. Sie liebt das Leben in dieser Stadt, die längst ihre Heimat geworden ist. Für Fans und Sponsoren ist in den vergangenen Jahren keine Spielerin so nahbar gewesen wie Katharina Schwabe.

In guten Momenten hat sie daran Freude, in schlechten aber wird der Angreiferin ihre zugängliche Art schon mal zur Blockade. Für eine emotionale Spielerin wie sie mit ihren feinfühligen Antennen ist eine harmonische Atmosphäre wichtig, um ihre Leistung abzurufen. Und diese war in der vorigen Saison durch die Rückschläge des Teams immer mal wieder gestört. Trotzdem fällt ihr der Weggang nicht leicht.

„Zeit, in mich reinzuhören“

„Wäre ich noch ein Jahr geblieben, hätte ich den Absprung vermutlich nicht geschafft, weil es mir noch schwerer gefallen wäre“, sagt sie. Ihr Vertrag lief noch bis 2020, doch Ende Juni bat sie kurzfristig um Auflösung. Nach der Negativ-Saison, die der DSC auf Platz fünf beendete, gab es erst noch einige Gespräche mit den DSC-Verantwortlichen und Termine mit Sponsoren. Erst, als nach den nervenaufreibenden Monaten Ruhe reinkam und sie einige Wochen nicht in Dresden war, blieb „Zeit, in mich reinzuhören“. Je näher der Trainingsstart im August rückte, desto mehr reifte ein Gedanke. „Ich will was Neues, ich fühle mich körperlich fit und möchte sehen, was ich noch aus mir herausholen kann.“

Wie ungünstig der Zeitpunkt im Juni war, weil Alexander Waibl seine Mannschaft längst zusammengestellt hatte, ist ihr bewusst. „Mir war sehr mulmig vor diesem Gespräch, es war mir auch unangenehm, weil ja eigentlich immer alles okay war.“ Dankbar sei sie daher, dass der DSC ihr keine Steine in den Weg gelegt habe.

Waibl, der mit der Kroatin Lucija Mlinar mittlerweile die Lücke schließen konnte, verliert nämlich nicht nur seinen Kapitän der vergangenen Saison, sondern „einen Menschen, der mir sehr ans Herz gewachsen ist“, wie der Trainer in der Pressemitteilung zitiert wird. In den acht Jahren hatten sie eine besondere Beziehung aufgebaut. Manchmal wirkte Waibl fast wie eine väterliche Bezugsperson. Es ist aber auch kein Geheimnis, dass es zwischen den zwei Emotionsbomben des Öfteren krachte. Die vorzeitige Trennung verlief dagegen ruhig. „Ich bin mit mir und Dresden im Reinen. Das Kapitel ist vorerst zu Ende. Natürlich werde ich nie vergessen, was ich mit dem DSC alles erlebt habe.“ Allein drei Meistertitel und zwei Pokalsiege gehören in die gemeinsame Erfolgssammlung von Schwabe und Waibl. Aber auch Rückschläge wie der Kreuzbandriss 2014 und der lange Kampf ums Comeback gehören zur Geschichte.

Ihr Schritt im Juni war auch einer ins Ungewisse, weil es zu dem Zeitpunkt noch keinen neuen Verein gab. Zum ersten Mal in ihrer Karriere, für die sie mal ein Jahr zum Ausbildungsteam VCO nach Berlin ging, arbeitet die 26-Jährige mit einem Spielervermittler zusammen. Theo Hofland, der schon einige DSC-Volleyballerinnen betreut hat, fand mit dem französischen Vizemeister FC Nantes überraschend schnell einen neuen Klub. „Mir war klar, dass es Ende Juni schwer werden kann, noch eine Mannschaft zu finden. Da habe ich auch Glück gehabt“, meint sie.

Wieder in der Champions League

Schwabe weiß, dass sie allein aufgrund ihrer Größe mit 1,78 Metern nicht zu den Top-Angreiferinnen zählt, die ein Team unbedingt verpflichten will. Ihre Qualitäten liegen vor allem in der Annahme und Defensive. Deshalb musste sie bei dem Angebot aus Frankreich nicht lange überlegen, zumal Nantes in der kommenden Saison sogar Champions League spielt. Der DSC tritt derweil im drittklassigen Challenge Cup an. Schwabe ist neben einer Finnin, einer Serbin und zwei Amerikanerinnen die fünfte Ausländerin in der Mannschaft. „Ich bin voller Tatendrang und motiviert, mich in dem neuen Team zu beweisen.“

Am 17. August geht der Flieger in die Stadt an der Loire im östlichen Teil der Bretagne. 45 Minuten sind es von Nantes mit dem Auto bis zum Meer. Und was sind die drei Dinge, die mit ins Gepäck müssen? Ihre riesige Bettdecke, die ausgewählte Schuhsammlung von 15 Paaren und Erinnerungsfotos. Schwabe bekommt wie für Ausländerinnen üblich eine möblierte Wohnung gestellt und wird sich ein Auto mit einer anderen Spielerin teilen. Das erste Training findet am 19. August statt. Am 4. Oktober, einen Tag vor dem DSC-Auftakt gegen Potsdam, beginnt für Nantes die Saison mit der Begegnung gegen Terville.

„In Dresden hatte ich jahrelang meinen festen Tagesablauf“, sagt sie und zählt auf: Training am Morgen, zu Hause Mittagessen, danach entspannen bei „Sturm der Liebe“, und nachmittags wieder Training. Jetzt ist sie aber neugierig auf die neuen Wege in Nantes – und in ihrem Leben.

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