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DSC-Läufer trotzt seiner Allergie

Karl Bebendorf rennt beim Anhalt-Meeting über 1500 Meter als Dritter zur Bestzeit, dabei gegen die Pollen an und verrät, wie er es zur Leichtathletik-WM schaffen will.

Karl Bebendorf hat nicht nur in Dresden Grund zur Freude, sondern auch in Dessau.
Karl Bebendorf hat nicht nur in Dresden Grund zur Freude, sondern auch in Dessau. ©  Robert Michael

Für Allergiker ist es eine anstrengende Zeit – und als Leistungssportler doppelt leidvoll. Karl Bebendorf möchte sich im Moment am liebsten zu Hause verkriechen. So sehr fühlt er sich von den Pollen beeinträchtigt. Dennoch hat der Mittelstreckler kurzfristig entschieden, am Freitagabend in Dessau zu starten. „Wenn ich auf Arbeit schon 20 Pulsschläge mehr habe als sonst, ist das ein Signal, was ich ernst nehme“, sagt der 23-Jährige. Er ist frustriert: „Da trainiere ich das ganze Jahr wie blöd, und dann kommen ein paar Pollen angeflogen.“

Dabei ist Bebendorf in dieser Saison so gut wie noch nie – und träumt sogar von der Weltmeisterschaft in Doha. Bei seiner Premiere bei der Hallen-EM lief er über 1500 Meter auf Platz sieben. Am vergangenen Sonntag unterbot der Dresdner erstmals die Schallmauer von 3:40 Minuten. Beim internationalen Pfingstsportfest in Rehlingen verbesserte er sich auf 3:39,92 Minuten und steigerte sich beim Anhalt-Meeting noch einmal um neun Zehntel. Der Mann vom Dresdner SC belegte in dem internationalen Teilnehmerfeld mit 3:39,02 Minuten als bester Deutscher den dritten Platz hinter Hiss Bachir aus Dschibuti (3:36,98) und Abdessalem Ayouni aus Tunesien (3:37,30). Trotzdem hadert er mit sich. „Die 3:40 bedeuten mir fast nichts. Es ist eine Zwischenetappe. Eigentlich sind noch zwei, drei Sekunden mehr drin.“

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Will Bebendorf die Norm für Katar (3:36,00) schaffen, muss er sich deutlich steigern. Obwohl die WM diesmal erst Ende September ist, läuft die Zeit davon. Das Anhalt-Meeting in Dessau war vorerst sein letztes geplantes Rennen in der ersten Saisonhälfte. Ob er vor den Deutschen Meisterschaften noch kurzfristig ins Startfeld bei einem schnellen Rennen mit Tempomacher rückt, ist offen.

Bis zu den Titelkämpfen am ersten Augustwochenende in Berlin hat Bebendorf noch die Chance – und schon Plan B. Er will über 3000 Meter Hindernis mit einer Sonderstartgenehmigung laufen, weil er die geforderte Pflichtzeit nicht hat, und sich im Meisterschaftsrennen an der Norm von 8:39 Minuten versuchen. Seit vier Jahren ist Berlin dann sein erster Wettkampf über die Strecke. „Von Null auf 3000“, sagt er.

Als deutscher Jugendmeister über 2000 Meter Hindernis gehörte er 2014 zu den großen Hoffnungsträgern des Landes. Doch die Umstellung auf die Männer-Distanz mit 1000 Metern mehr machte ihm Probleme und sorgte für „viele Negativerfolge“. Um nicht ganz die Lust am Laufen zu verlieren, entschied er sich mit Trainer Dietmar Jarosch gegen die Hindernisse und konzentrierte sich auf die 1500 Meter – mit Erfolg.

Im Training arbeitet Bebendorf aber längst wieder zweigleisig, „damit ich das Gefühl nicht verliere“. Die größeren Chancen für Olympia 2020 in Tokio sieht er ohnehin über die Hindernisstrecke. „Früher bin ich über den letzten Kilometer eingebrochen“, meint er, „aber ich denke, dass ich jetzt das Stehvermögen habe. Doch was auf den letzten Runden passiert, lässt sich schwer ausrechnen.“ Genauso wie der Pollenflug – der ist noch unberechenbarer.

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