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DSC-Damen feierten den Pokalsieg im Bus

Wer sind diese jungen Pokalheldinnen – und ist die Trophäe schon wieder kaputt? Einige Anekdoten zum Triumph der Dresdner Volleyballerinnen.

Der Jubel nach dem Matchball. Auch beim entscheidenden Spielzug ist der Dresdner SC extrem jung besetzt: Mit Lena Stigrot (25), Camilla Weitzel (verdeckt/19), Monique Strubbe (18), Emma Cyris (18), Kadie Rolfzen (25) und Brie King (v. l./22).
Der Jubel nach dem Matchball. Auch beim entscheidenden Spielzug ist der Dresdner SC extrem jung besetzt: Mit Lena Stigrot (25), Camilla Weitzel (verdeckt/19), Monique Strubbe (18), Emma Cyris (18), Kadie Rolfzen (25) und Brie King (v. l./22). © Lutz Hentschel

Der Wahnsinn hat ein Nachspiel. Natürlich. Nach diesem unfassbaren Pokalabend, bei dem die Volleyballerinnen des Dresdner SC den favorisierten Meister Stuttgart nach 134 Minuten mit 3:2 niedergerungen haben, fiel die große Party aber flach. Aus sportlichen Gründen. Im VIP-Bereich der SAP-Arena von Mannheim aßen die Pokalsiegerinnen ein paar Häppchen. Und ja, außer Wasser gab es auch das eine oder andere Glas Bier oder Sekt. Die Atmosphäre war aber keineswegs überschwänglich. Eher gesetzt, gefasst, nachdenklich, ungläubig.

In vielen Köpfen schwirrten noch die frischen und womöglich einmaligen Erlebnisse in den Stunden zuvor. Das müssen sie erst einmal sacken lassen, allerdings bleibt dafür kaum Zeit, genauso wenig für eine Party, einen Kater sowieso nicht. Rastlos geht es weiter. Montag, 4.30 Uhr, war der Bus mit den Pokalheldinnen wieder in Dresden. Während der gut siebenstündigen Fahrt dürfte niemand ein Auge zugemacht haben, wie einigen Videos verraten, die in Social-Media-Kanälen zu sehen sind. Erst mal ausschlafen also? Denkste!

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Der Zeitplan im Zeitraffer: Dienstagmorgen fliegt die Mannschaft von Berlin über Athen auf die griechische Insel Santorin. Mittwoch, 19.30 Uhr, spielt sie dort im Viertelfinale des europäischen Challenge-Cups. Donnerstag geht es von Athen nach Hamburg, von dort mit dem Bus nach Schwerin. Denn dort steht am Samstag das Bundesliga-Duell beim Spitzenreiter an. Die SZ nimmt sich Zeit, um einige Anekdoten des Pokalhits aufzugreifen.

Wer sind diese jungen Wilden?

Über das Projekt „Jugend forscht“ oder „junge Wilde“ wurde nach der Überraschung häufiger geredet. Alexander Waibl hatte aus der personellen Not eine Tugend gemacht – und drei Talente fast ohne Erfahrung in die hitzige Endspiel-Atmosphäre geworfen. Für die an einer Thrombose erkrankte Ivana Mrdak stellte er Monique Strubbe als Mittelblockerin in die Startformation. Die 18-jährige Schülerin spielt eigentlich beim DSC-Ausbildungs-Team VC Olympia, trainiert aber mit den Profis. „Ich habe mittags erfahren, dass ich spielen werde. Natürlich hat mein Herz gepumpt“, sagte sie. Auf dem Feld angemerkt hat man ihr die Aufregung nicht. Cool, frech und abgezockt agierte sie. Erst am Mittwoch zuvor gab Strubbe ihr Bundesliga-Debüt.

Im vierten und fünften Satz griffen Sarah Straube (17) und Angreiferin Emma Cyris (18) ein. Straube stammt aus Suhl, Cyris aus Halle an der Saale . Sie unterzeichnete im Sommer ihren ersten Profivertrag – für drei Jahre beim DSC. Waibl hält das Energiebündel für eines der größten Offensivtalente im deutschen Volleyball. „Ich bin stolz aufs ganze Team und auch überrascht über mich“, sagte sie.

Straube ist nach dem langwierigen Ausfall von Mareen von Römer fest in den Profi-Kader gerückt. Die 32 Jahre alte Stamm-Zuspielerin gehörte zwar zum Aufgebot, wurde aber nicht eingesetzt. Über ihren Gesundheitszustand nach einer Lungenentzündung möchte sie derzeit nicht reden. Straube hätte sich eigentlich am Montag in ein Referat über den deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer vertiefen müssen. Das musste die die Elftklässlerin des Sportgymnasiums verschieben.

Bekommt der Sieger eine Prämie?

Das ist derzeit noch offen. Es gehört zu den Nebenschauplätzen des Pokal-Wochenendes, dass es der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) noch nicht geschafft hat, entweder eine feste Pokalprämie auszuloben oder ganz darauf zu verzichten. Derzeit existiert eine Art Zwitterlösung. Für alle vier Pokalfinalisten – bei Männern und Frauen – gibt es 5.000 Euro Antrittsprämie. Das langt beim DSC als Reinvestition für Fahrt- und Übernachtungskosten. Zudem wird es eine weitere Ausschüttung geben – vorausgesetzt, der Veranstalter hat mit dem Pokal-Event Gewinn gemacht. „Das wissen wir erst im Sommer“, sagt DSC-Geschäftsführerin Sandra Zimmermann.

Die Summe ist im Vergleich zu anderen olympischen Teamsportarten allenfalls Kleckerkram. Der Deutsche Handball-Bund zahlt jedem Verein für das Final-Four-Turnier um den DHB-Pokal 90.000 Euro. Der Cup-Gewinner des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) streicht als Gesamtsumme etwa 300.000 Euro ein – natürlich jeweils bei den medial stärker repräsentierten Männern. Im Volleyball sind aber noch die Frauen vorn – zumindest, was die TV-Quoten beim Spartensender Sport 1 betrifft. So sahen das Männer-Finale zwischen Düren und Berlin in der Spitze 170.000 Zuschauer, das der Frauen 230.000.

Was bringt der Pokalsieg sonst?

Vermutlich bleibt dem DSC in der nächsten Saison eine strapaziöse Reise nach Santorin erspart. Denn der Verein ist als Pokalsieger jetzt für den international höherklassigen CEV-Cup qualifiziert. Allerdings würde er noch lieber als deutscher Meister in der Champions League spielen. Den Titelverteidiger Stuttgart haben sie im Pokal nach zuvor sechs verlorenen Duellen bezwungen. Das gibt Selbstvertrauen.

Ist der Pokal schon wieder kaputt?

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Noch am Pokalabend kursierte eine leicht beschädigte Trophäe. Eine Spitze des 8,5-Kilo-Potts aus gebürstetem Aluminiumguss war abgebrochen. „Das ist ein Duplikat, das Original haben wir gaaanz sicher verstaut“, gab Zimmermann Entwarnung. Aus Schaden wird man klug: 2016 hatte der DSC die neu erschaffene Pokal-Trophäe gewonnen, auch gegen Stuttgart – und beschädigt. Auf den Reparaturkosten von 2.800 Euro blieb der Verein sitzen.

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