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"Sexy, hübsch und kurze Höschen"

Bei der Vermarktung von Sportlerinnen dominieren Körperlichkeiten. DSC-Volleyballerin Lena Stigrot zieht eine klare Grenze.

Lena Stigrot posiert für die neue Ausgabe des DSC-Kalenders. Ihr Outfit spielt für das fertige Kalenderbild keine Rolle.
Lena Stigrot posiert für die neue Ausgabe des DSC-Kalenders. Ihr Outfit spielt für das fertige Kalenderbild keine Rolle. © Ronald Bonß

Es ist ein jährlicher Balanceakt – und die Diskussion darüber aktueller denn je. Der Dresdner SC lässt einen Kalender produzieren und seine Profi-Volleyballerinnen dabei in Szene setzen, in verschiedenen Situationen und Posen, immer wieder auch mit oder besser ohne viel Bekleidung. Eine gewisse Sexiness spielt dabei oft eine Rolle, nicht immer.

Das wirft in Zeiten von Me-Too-Bewegungen und der zunehmend öffentlich geführten Debatte über (berufliche) Gleichbehandlung von Männern und Frauen die Frage auf: Wie viel Haut ist für solche Art von Eigenmarketing noch zeitgemäß? Tatsächlich gab es auch bei Männermannschaften schon einige Versuche, sich frei von Trikot und Sporthose in einem Kalender zu zeigen, nur wirklich durchgesetzt hat sich diese Idee nicht. Dabei gäbe es Sixpacks und Muckis wahrscheinlich genug.

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Der DSC-Kalender geht indes in seine bereits 23. Auflage. 1.000 Stück sollen auch diesmal wieder gedruckt werden, die dann auch deutschlandweit Beachtung finden.

Diesmal soll Gesicht gezeigt werden

Selbst TV-Spartensender Sport 1 sendete im Vorjahr einen Beitrag über die Kalender-Produktion. Damals ging es um das Element Wasser. Entsprechend freizügig waren die meisten Fotos der DSC-Volleyballerinnen in diversen Bademoden.

Sex sells ... Die Grenzen zwischen Ästhetik und Schlüpfrigkeit sind indes fließend, und sie werden beinahe täglich neu definiert. Unzählige Influencerinnen generieren damit auf ihren Social-Media-Kanälen Hunderttausende Klicks. Eine, die sich darüber tiefergreifende Gedanken macht, ist Lena Stigrot. „Bei Sportlerinnen geht es bei der Vermarktung häufig direkt in die Richtung: sexy, hübsch und kurze Höschen. Das ist beispielsweise bei Basketball-Profis ganz anders“, sagt sie.

Dieses Jahr liegt der Fokus auf dem Gesicht.
Dieses Jahr liegt der Fokus auf dem Gesicht. © Ronald Bonß

Dresdens Nationalspielerin ist deshalb froh über das Motto, das der Verein für den DSC-Kalender 2021 gewählt hat: „Facetime – Emotionen“ heißt es. „Ich habe mich super über das Thema gefreut, weil es wirklich um die Gesichter, um uns als Person und nicht um uns als Frauen geht“, sagt Stigrot. Die Spielerinnen sollen ihre Gesichter sprechen lassen, und die 25-Jährige macht den Anfang. 

Sie ist das erste Foto-Modell des Shooting-Tages – und trägt dennoch ein auffällig knappes, schwarzes Bandeau-Top. Schulterfrei könnte man wohl auch dazu sagen. Fotografin Amelie Jehmlich will damit die Kalenderfotos vereinheitlichen. Zu sehen sein wird dann bestenfalls das Top. „Wenn alle verschiedenfarbige T-Shirts anhaben, wirbelt das das Gesamtkonzept durcheinander“, erklärt die Fotografin.

Niemand verzichtet auf das Shooting

Die Spielerinnen vertrauen ihr. Jehmlich kümmert sich nun bereits zum sechsten Mal um die Aufnahmen. Und sie betont: „Wir tun alles dafür, dass sich die Spielerinnen wohlfühlen.“ Medienvertreter sind zu dem Kalendershooting zwar offiziell eingeladen, aber aus Rücksicht auf die Privatsphäre der Spielerinnen sind der Zugang eingeschränkt und die Einsichten minimiert.

Stigrot ist zufrieden. „Auch die Aufnahmen im vergangenen Jahr in Bademoden sind für mich sehr, sehr stilvoll gewesen. Es hat sich keiner doof und auf den Körper reduziert gefühlt“, sagt sie und zieht eine klare Grenze: „Für mich wäre ein Nacktshooting oder in Unterwäsche nicht drin.“ 

Überhaupt bezweifelt Stigrot, „ob wir Frauen in Unterwäsche dastehen müssen, damit sich der Kalender verkauft. Wir sind Volleyballerinnen, keine Top-Models. Ich denke, für unsere Fans ist es einfach schön, an jedes Jahr eine Erinnerung zu haben.“

Das Thema wird selbst in der Mannschaft unterschiedlich diskutiert. „Ich habe kein Problem damit, viel zu zeigen“, erklärt beispielsweise die erst 19-jährige Klubkollegin Emma Cyris. Am Ende, darauf legt Stigrot großen Wert, müsse jede Spielerin selbst entscheiden. Dieses Mitspracherecht ist ihr wichtig.

„Wir dürfen sagen, was uns mehr gefällt. Gerade in der heutigen Zeit kann jede junge Frau für sich selbst einstehen und sagen: Das ist mir zu viel, das will ich nicht“, betont sie und wird dann prinzipiell: „Ich hoffe, dass jeder Mensch, jede Frau für sich weiß, was sie wert ist und was sie zeigen möchte – und ihre Stimme erhebt, wenn das nicht ihrem Geschmack entspricht. Genauso muss man respektieren, dass es Leute gibt, die sich gern in Dessous zeigen“, sagt Stigrot.

Vertragsinhalt ist das Fotoshooting zu Saisonbeginn übrigens nicht, und darauf verzichtet hat in den 23 Jahren auch noch keine Spielerin.

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