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DTM: Der Kampf um die Zukunft einer Tradition

Die DTM fährt am Wochenende auf dem Lausitzring – ohne Zuschauer. Die Perspektive für die Rennserie ist nicht nur wegen Corona schwierig.

Gerhard Berger führt die DTM seit 2017 und jetzt durch ihre schwerste Krise – auch wegen Corona.
Gerhard Berger führt die DTM seit 2017 und jetzt durch ihre schwerste Krise – auch wegen Corona. © dpa/Uwe Anspach

Dresden. Die Tribünen am Lausitzring bleiben leer. Für die Rennen der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft an diesem Wochenende sind keine Zuschauer zugelassen. Gerhard Berger ist kein Fan von solchen Geisterrennen, aber der Chef der Serie hat schließlich zugestimmt. Damit sich überhaupt etwas bewegt, denn die DTM kämpft nicht nur wegen der Corona-Pandemie um ihre Perspektive. Zuletzt hat Audi angekündigt, nach diesem Jahr auszusteigen, für Berger der schlimmste anzunehmende Unfall.

Der 60-Jährige versucht seit drei Jahren, die prestigeträchtige Meisterschaft am Laufen zu halten. Doch der Ausstieg von Mercedes nach 2018 war der erste harte Schlag, der Einstieg von Aston Martin 2019 ein Fehler. Die Schwierigkeiten sind vielschichtig und haben auch etwas mit der Krise in der Automobilbranche zu tun, die schon vor Corona mit rückläufigen Zahlen zu kämpfen hatte. Durch den Trend zur Elektromobilität setzen einige Hersteller auf die Formel E, die Budgets aber sind begrenzt.

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Wenn die DTM nun ohne Zuschauer starten muss, trifft sie das härter als beispielsweise die Formel 1, die den größten Teil ihres Umsatzes – 2019 etwa 1,7 Milliarden Euro – durch TV-Gelder (37,7 Prozent) und Antrittsgebühren (29,8) erzielt. „Wir bei der DTM finanzieren uns durch die Sponsoren und den Ticketverkauf“, betont Berger den Unterschied. „Deshalb sind wir besonders motiviert, Zuschauer an die Strecke zu bekommen. Sonst fehlt uns einfach eine wichtige Einnahmequelle“, sagt der ehemalige Formel-1-Fahrer.

Am Wochenende fährt die DTM auf dem Lausitzring bei Senftenberg. Allerdings bleiben die Tribünen leer. Zuschauer sind bei den Rennen nicht zugelassen – noch nicht.
Am Wochenende fährt die DTM auf dem Lausitzring bei Senftenberg. Allerdings bleiben die Tribünen leer. Zuschauer sind bei den Rennen nicht zugelassen – noch nicht. © dpa/Monika Skolimowska

Die DTM ist Anfang August in Belgien in die Saison gestartet, der eigentlich bereits für Juli geplante Auftakt am Norisring in Bayern musste ausfallen. Die Stadt Nürnberg untersagte die Veranstaltung trotz eines Hygienekonzeptes, das sich an dem der Formel 1 orientiert und zuvor in Österreich bereits genehmigt worden war. Insgesamt sind 18 Rennen an neun Wochenenden geplant, ein „starker und sportlich sehr anspruchsvoller Kalender“, meint Berger. Damit werden Verträge mit Fernsehen und Sponsoren erfüllt, über Beträge spricht der Österreicher nicht. Andere Summen veröffentlicht die Serie. Die DTM bezifferte 2019 ihren Werbewert auf 421 Millionen Euro. Zum Vergleich: Mercedes schätzte ihn in der Formel 1 im gleichen Jahr allein übers Fernsehen auf gut 1,3 Milliarden.

Auch deshalb ist es für die DTM geradezu existenziell wichtig, keine Pause einzulegen, sondern in den Medien präsent zu bleiben. Sat 1 überträgt die Rennen seit 2018 jeweils samstags und sonntags live. Dafür soll der Privatsender pro Saison drei Millionen Euro zahlen. Die ARD, die bis 2017 übertrug, soll in den besten Jahren vier Millionen Euro dafür gezahlt haben.

Letztlich dreht es sich für die DTM jedoch um die eine Frage: Wann können wieder Zuschauer an die Strecken? Das soll schon bald soweit sein. Anfang September dürfen in Assen in den Niederlanden an beiden Tagen jeweils 10.000 Fans dabei sein – nach derzeitigem Stand. „Das ist eine großartige Nachricht für uns und alle Fans der DTM“, sagt Berger. Abgesehen von den dringend benötigten Einnahmen seien Zuschauer bei Sport-Events nicht wegzudenken. „ Zu einem Rennen gehören begeisterte Fans auf den Tribünen. Unser Sport lebt von Emotion. Sie sind sein Rückgrat.“

Gerhard Berger hat sich das Formel-1-Rennen in seiner Heimat angesehen und kann sich Sebastian Vettel auch in der DTM vorstellen, falls er nach dem Aus bei Ferrari keinen neuen Arbeitgeber findet.
Gerhard Berger hat sich das Formel-1-Rennen in seiner Heimat angesehen und kann sich Sebastian Vettel auch in der DTM vorstellen, falls er nach dem Aus bei Ferrari keinen neuen Arbeitgeber findet. © dpa/Hans Klaus Techt

An diesem und dem nächsten Wochenende müssen er und die Teams am Lausitzring bei Senftenberg darauf noch verzichten. Er hat einen festen Platz im Rennkalender der DTM, sofern es die Dekra als Betreiber will. „Sie ist einer unserer treuesten und langjährigsten Partner“, erklärt Berger. Seit 1990 arbeitet die Prüfgesellschaft mit der Rennserie zusammen. Allerdings zahlt hier nicht die Dekra an die DTM wie etwa ein Sponsor, sondern die Serie mietet den Kurs. Die Summe unterliegt dem vereinbarten Stillschweigen.

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Die DTM beschränkt sich 2020 auf Kurse in Belgien, Deutschland und den Niederlanden. Sie gastiert an aufeinanderfolgenden Wochenenden auf gleichen Strecken. Das garantiert kurze Reise- und Transportwege, maximale Effizienz und Planungssicherheit. Für die Beteiligten – etwa 500 Personen sind zugelassen – gelten strenge Regeln. „Die Teams werden wie bei der Formel 1 von der Unterkunft ins Fahrerlager geleitet und haben quasi keinen Kontakt zur Außenwelt“, sagt Berger. Man sei sich der Verantwortung bewusst und gehe gewissenhaft damit um.

Wenn das die Zuschauer in Assen in drei Wochen genauso tun, hofft der DTM-Manager auch bei den danach geplanten Veranstaltungen am Nürburgring, in Zolder in Belgien und Hockenheim auf Fans.

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